Israel übt im Atom-Bunker für die nächste Coronamutation

Premierminister Naftali Bennett testet die Bereitschaft des Landes für den Fall einer neuen, tödlichen Virus-Variante.

Isolations-Station in einem Spital in Ashkelon: Wie gut ist Israel auf eine neue, tödliche Coronavariante vorbereitet? Das will die Regierung nun herausfinden.

Isolations-Station in einem Spital in Ashkelon: Wie gut ist Israel auf eine neue, tödliche Coronavariante vorbereitet? Das will die Regierung nun herausfinden.

Gil Cohen-Magen / AFP

Unter der Leitung von Regierungschef Naftali Bennett hat Israel am Donnerstag den Covid-Katastrophenfall durchgespielt. Dieser würde mit dem Auftreten eines neuen Covid-Stammes eintreten, der gefährlicher und tödlicher ist als die Delta-Variante. Die Übung, die wie ein Kriegsspiel angelegt ist, soll Schwachstellen bei der Bewältigung einer neuen Welle aufdecken. Es handle sich um die weltweit erste nationale Covid-Übung, heisst es in Jerusalem.

Bei der Simulation waren auf höchster Ebene alle Ministerien beteiligt, zudem der Leiter des nationalen Coronavirus-Projektes, Vertreter des Nationalen Sicherheitsrates sowie der Armee und des Zivilschutzes. Die Übung fand im nuklear sicheren Jerusalemer National Management Center statt, einem unterirdisch angelegten Bunker, der aus einem Science-Fiction-Film stammen könnte. Er dient als extrem sicherer Kommando-Kontrollstandort für Top-Beamte und war bereits zur Koordinierung der ersten Reaktionen auf das Coronavirus im März 2020 genutzt worden.

Derzeit sei Israel zwar in einer «hervorragenden Situation,» sagte Bennett. Die vierte Welle sei ausgestanden. Gleichzeitig schaue man aber immer nach vorne.

«Wir müssen uns auf jedes Szenario vorbereiten,»

so Bennett. Im Vordergrund des Drills stand die Koordination der verschiedenen Ämter und Armeeeinheiten.

Die Übung umfasste mehrere Aspekte. Es galt zum Beispiel abzuklären, ob und wie Versammlungen oder die Bewegungsfreiheit eingeschränkt werden dürfen, wie der Impfschutz überprüft werden könne, wie Quarantänen durchgesetzt werden, welche Bestimmungen im Luftverkehr gelten sollen oder wie auf den Diskurs im Internet zu reagieren sei.

Kriegsszenarien werden jährlich durchgespielt

Die Ergebnisse der Übung sollen mit ausländischen Partnern geteilt werden. Israel führt jedes Jahr nationale Sicherheitsübungen für seine Bevölkerung durch, um sich auf militärische Kriegsszenarien oder Naturkatastrophen vorzubereiten.

Inzwischen hat das Gesundheitsministerium beschlossen, dass sich auch Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren impfen lassen dürfen. Medienberichten zufolge werden die ersten Lieferungen der kindgerechten Impfstoffe voraussichtlich nächste Woche in Israel eintreffen. Experten gehen allerdings von einem langen Kampf aus, um die Eltern von der Ungefährlichkeit des Piks zu überzeugen. In Israel wird die Impfung bereits für alle Personen ab dem zwölften Altersjahr empfohlen.

Während in vielen Ländern Europas die vierte Welle angerollt ist, hat sich Israels Coronalage beruhigt. Noch diese Woche sollen Beschränkungen für Versammlungen im Freien und die Maskenpflicht bei Veranstaltungen mit mehr als 100 Personen aufgehoben werden. Die Zahl der aktiven COVID-19-Fälle im Land ist auf 6450 gesunken, nachdem sie über drei Monate lang bei über 10 000 gelegen hatte. 40 Prozent der Einwohner haben eine Auffrischungsimpfung erhalten. Daten des Gesundheitsministeriums zeigen auch, dass am Dienstag 475 neue Fälle bestätigt wurden, während es vor fast zwei Monaten noch täglich zwischen 5000 und 6000 waren.

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