Publiziert

Weil immer weniger Intensivbetten frei sind, fordert ein Gesundheitsökonom nun den Einsatz der Armee. Aus der Politik heisst es dagegen, die Kantone seien gefordert.

von

Noah Knüsel

Daniel Graf

1 / 5

Übungsbesprechung im Plenum am 31.08.21 in Thun.

Übungsbesprechung im Plenum am 31.08.21 in Thun.

20min/Simon Glauser

Heinz Locher, fotografiert in Bern am 20. März 2019 von Thomas Hodel.

Heinz Locher, fotografiert in Bern am 20. März 2019 von Thomas Hodel.

privat

Pressekonferenz und Abgabe der Petition «Bildung für alle - Jetzt». Aufgenommen am 22.09.2021.
Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber, gp Stadt Zürich

Pressekonferenz und Abgabe der Petition «Bildung für alle – Jetzt». Aufgenommen am 22.09.2021.

Nationalrätin Katharina Prelicz-Huber, gp Stadt Zürich

20min/Matthias Spicher

  • Weil es nun vermehrt improvisierte IPS-Betten braucht, fordert ein Gesundheitsökonom den Einsatz der Armee.

  • Diese solle den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten koordinieren.

  • Anderer Meinung ist Gesundheitspolitikerin Katharina Prelicz-Huber: «Für den Ausbau der IPS-Kapazitäten braucht es die Armee sicher nicht.»

  • Sie sieht die Kantone in der Verantwortung.

Die Schweizer Intensivstationen füllen sich weiter. Wegen der hohen Belastung müssen Spitäler nun improvisierte Ad-Hoc-Betten (siehe Box) aufbauen. Bei diesen leide aber die Betreuungsqualität und die Sterberate werde beeinflusst, wie es beim Berner Inselspital heisst.

Beim Aufbau dieser Kapazitäten soll der Bund eine Führungsaufgabe übernehmen, fordert nun der Gesundheitsökonom Heinz Locher: «Am besten geeignet dafür wäre der Koordinierte Sanitätsdienst (KSD) der Armee.» Derzeit ist dieser etwa für die Überwachung der IPS-Kapazitäten und überregionale Verlegungen von Patienten zuständig.

Die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) gibt verschiedene Richtlinien für Intensivbetten vor. Erfüllt ein IPS-Platz diese, gilt er als SGI-zertifiziert. Dabei geht es etwa um die Ausstattung des Bettes, die Anzahl Pflegender oder deren Ausbildung. Improvisierte IPS-Plätze, die diese Kriterien nicht erfüllen, werden als «Ad-Hoc-Betten» bezeichnet. Dort ist die Betreuungsqualität oft schlechter. Trotzdem soll die höchstmögliche Behandlungsqualität geboten werden.

Armee soll koordinieren

Gemäss Locher müsste der KSD aber eine weit aktivere Rolle übernehmen: «Er sollte den Aufbau von zusätzlichen IPS-Kapazitäten in der Krise koordinieren.» Dort würden alle Fäden zusammenlaufen: «Er wäre die ideale Anlaufstelle für Bund, Kantone und Spitäler.»

Generell müsse der Fokus weg von den IPS-Betten: «Ein Spital ist ein komplexes Gesamtsystem, das es in der Krise zu optimieren gilt.» Dabei müssten etwa auch die Überwachungsstationen berücksichtigt werden, auf denen Patienten weniger intensive Betreuung brauchen als auf der IPS.

Konkret ist laut Locher nun wichtig, möglichst sofort mehr spezialisiertes Fachpersonal zusammenzuziehen: «Man könnte etwa Berufsaussteiger und Pensionierte reaktivieren.» Diese könnten dann vom KSD zu Teams für die Betreibung zusätzlicher Intensivbetten zusammengestellt werden.

Bessere Koordination

Anderer Meinung ist Gesundheitspolitikerin Katharina Prelicz-Huber: «Grundsätzlich braucht es die Armee für den Ausbau der IPS-Kapazitäten sicher nicht.» Die Grünen-Nationalrätin sieht die Kantone in der Verantwortung: «Das ist die Aufgabe der Gesundheitsdirektorenkonferenz (GDK) in Zusammenarbeit mit dem Bund.»

Auch für Prelicz-Huber ist eine bessere nationale Koordination im Gesundheitswesen nötig: «Dabei geht es aber nicht nur um die IPS-Betten, sondern etwa auch um Fragen der Versorgungssicherheit von wichtigen Medikamenten und Schutzmaterial.»

KSD hält sich bedeckt

«Die Kantone erhöhen die Intensivkapazitäten für die Behandlung der Covid-19-Patientinnen und -Patienten nach Möglichkeit», sagt GDK-Sprecher Tobias Bär dazu. Dem seien aber Grenzen gesetzt: «Ein solch starker und kurzfristiger Ausbau wie im Frühling 2020 ist nicht mehr möglich.»

Eine Anfrage von 20 Minuten zum Thema beantwortet der KSD auch nach mehrmaligem Nachhaken nicht. Wie zu hören ist, baue man derzeit eine Medienstelle auf. «Aufgrund der grossen Anzahl von Anfragen kann es bei der Bearbeitung zu Verzögerungen kommen», heisst es zudem in einer automatisierten Antwortmail.

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

«Jetzt muss die Armee den Aufbau neuer IPS-Betten übernehmen»
Source:
Source 1

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here