Jetzt sollen Schweizer Popstars mithelfen, die Impfquote zu erhöhen – und auch die Kantone werden kreativ

Fünf Tage vor Beginn der nationalen Impfwoche stellen Bund und Kantone erste Details vor. Doch auf konkrete Ziele gehen sie nicht ein.

Baschi, Stefanie Heinzmann oder Stress (v.l.n.r.): Sie sollen mithelfen, die Impfquote in der Schweiz zu erhöhen.

Baschi, Stefanie Heinzmann oder Stress (v.l.n.r.): Sie sollen mithelfen, die Impfquote in der Schweiz zu erhöhen.

Stefanie Heinzmann, Stress oder Baschi: Diese und andere Musikstars treten nächste Woche in fünf Schweizer Städten auf. Die Gratiskonzerte der Eventreihe «Back on Tour» soll im Rahmen der nationalen Impfwoche Unentschlossene vom Piks überzeugen. Den Startschuss gibt Bundespräsident Guy Parmelin mit den Musikern am Montag auf dem Berner Bundesplatz. Gespielt wird auch in Luzern (Freitag) und St.Gallen (Samstag).

Gemeinsam mit Gesundheitsminister Alain Berset (SP) und den kantonalen Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (Mitte/BS) und Natalie Rickli (SVP/ZH) informierte Parmelin am Mittwoch über die nationale Impfwoche. Der Bundespräsident nannte die Impfung den «wichtigsten Pfeiler im Kampf gegen die Pandemie». Und appellierte an die Ungeimpfen: «Teil einer Gemeinschaft zu sein bedeutet auch, sich solidarisch zu erhalten». Die Impfung sei Ausdruck dieser Solidarität.

Bund und Kantone halten weiteren Effort für nötig

Gesundheitsminister Alain Berset bezeichnete die Impfquote als weiterhin zu tief, um eine Überlastung der Intensivstationen ausschliessen zu können: «Der Bund und die Kantone sind überzeugt, dass ein weiterer Effort bei den Impfungen dem vor den kalten Wintermonaten nötig ist».

Alain Berset sagt, die Impfquote in der Schweiz sei noch immer zu tief.

Alain Berset sagt, die Impfquote in der Schweiz sei noch immer zu tief.

Keystone

Wie genau dieser Effort aussehen wird, bleibt auch kurz vor Beginn der Impfwoche noch vage. Die eingangs erwähnte Konzertwoche generiert Aufmerksamkeit, doch grosse Sprünge bei der Impfquote sind von ihr nicht zu erwarten. Zu jedem Konzert sind 500 Personen zugelassen. Das ergibt bei fünf Anlässen im allerbesten – und sehr unwahrscheinlichen – Fall 2500 Impfungen.

Das Zahlenspiel zeigt, dass die grosse Arbeit anderswo erledigt werden muss: in den Kantonen. Mit neuen mobilen Angeboten und Beratern, die jene, die bisher gezögert haben, doch noch von der Impfung überzeugen.

Kaffee und Berliner im Impfdorf im Zürcher Hauptbahnhof

Als er seine Impfoffensive lancierte, warf der Bundesrat dazu zwei Zahlen in den Ring: Er sprach Anfang Oktober von 170 zusätzlichen mobilen Impfstellen und 1700 Beratern. Der Bund erklärte sich bereit, den Kantonen dafür mit bis zu 100 Millionen Franken unter die Arme zu greifen.

Doch wie viel wird davon tatsächlich abgerufen? Letzten Monat, im Oktober, wies die Konferenz der Gesundheitsdirektoren darauf hin, dass Fachkräfte fehlten, um die Impfoffensive wie geplant über die Bühne zu bringen. Was die Kantone tatsächlich auf die Beine gestellt haben, muss sich noch zeigen. Die meisten werden erst in den nächsten Tagen über ihre Pläne zu informieren. Bis am Mittwoch hatten sich 14 Kantone bereits beim Bund gemeldet – und 44 zusätzliche mobile Impfeinheiten angekündigt. Wie viele neue Berater sie stellen wollen, ist unklar.

«Jede Impfung ein Erfolg», sagt Bundesrat Berset

Es zeichnet sich aber ab, dass die Kantone sich einiges einfallen lassen. Zürichs Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli kündigte etwa ein «Impfdorf» in der Halle des Zürcher Hauptbahnhofs an. Dort könne man sich ohne Voranmeldung impfen lassen. Den Besuchern würden Kaffee und Berliner spendiert, «aber kein Glühwein», stellte Rickli auf eine Nachfrage hin klar. Bundespräsident und Ex-Winzer Guy Parmelin sorgte für Lacher, als er anmerkte, ihm sei nichts von einer Kontraindikation von Weinkonsum und der Covid-Impfung bekannt.

Im Impfdorf am Zürcher HB werde es keinen Glühwein geben, sagte die kantonale Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli.

Im Impfdorf am Zürcher HB werde es keinen Glühwein geben, sagte die kantonale Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli.

Keystone

Gesundheitsminister Berset bezeichnete die Impfoffensive als eine Art «last call». Doch was liegt überhaupt noch drin? Einige Antworten liefert eine Umfrage der Forschungsstelle Sotomo, die letzte Woche publiziert wurde. Demnach zieht ein Viertel der Ungeimpften – das sind sechs bis sieben Prozent der Bevölkerung – eine Impfung zumindest noch in Betracht. Bei der Frage, ab wann die Aktion ein Erfolg sei, wollte Berset sich nicht festlegen. Er nannte keine Zahl. Sondern sagte, dass «jede zusätzliche Impfung schon ein Erfolg» sei.

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