Ju-Air-Absturz: Externe Untersuchung erkennt keine systemischen Defizite bei der Aufsicht

Gute Nachrichten für das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl): Eine externe Untersuchung nach dem Absturz einer Ju-Air-Maschine ergab keine systemischen Mängel. Aufpassen muss die Aufsichtsbehörde jedoch, was die Nähe zur Industrie betrifft.

Nach dem Absturz der Ju-Air-Maschine im Sommer 2018 stand neben der Betreiberfirma auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt im Fokus.

Nach dem Absturz der Ju-Air-Maschine im Sommer 2018 stand neben der Betreiberfirma auch das Bundesamt für Zivilluftfahrt im Fokus.

Keystone

Am 4. August 2018 starben beim Absturz eines historischen Passagierflugzeuges der Ju-Air 20 Menschen. Die Untersuchung zum Unfall stellte auch das Bazl und dessen Aufsichtstätigkeit in den Fokus, die laut Bericht nicht ausreichend war, um Sicherheitsprobleme zu erkennen. Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) gab daraufhin eine unabhängige Untersuchung beim niederländischen Luft- und Raumfahrtinstitut NLR in Auftrag.

Die Resultate dieser Untersuchung liegen nun vor. Wie das Uvek in einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt, seien die NLR-Experten zum Schluss gekommen, dass es in der Aufsicht des Bazl «keine systemischen Defizite oder Risiken» gebe, die ein sofortiges Handeln erfordern würden. Den Inspektorinnen und Inspektoren der Aufsichtsbehörde werde eine «grosse Fachkompetenz» attestiert.

Untersuchungsbericht schlägt Verbesserungen vor

Allerdings sieht der Bericht durchaus Verbesserungsmöglichkeiten, was die Aufsichtstätigkeit betrifft. So brauche es eine «bessere Abstimmung zwischen der technischen und der flugbetrieblichen Aufsicht» und auch «weiche» Faktoren wie die Sicherheitskultur eines beaufsichtigten Unternehmens müssten berücksichtigt werden.

Als weitere mögliche Ursache von Problemen stuft die NLR die Nähe der Aufsichtsbehörde zu den beaufsichtigten Unternehmen ein. Dies könne zwar beim Verständnis für die Abläufe in der Industrie hilfreich sein, sich aber negativ auf die kritische und unabhängige Aufsichtstätigkeit auswirken, wie das Uvek schreibt. Um solche Risiken früh zu erkennen und sicherzustellen, dass die Inspektoren kritisch und unabhängig bleiben, empfiehlt der Untersuchungsbericht «ein austariertes ‹Check and Balance›-System». Laut dem Uvek hat das Bazl bereits begonnen, die «Empfehlungen zur Optimierung der Aufsichtstätigkeit» umzusetzen.

Im Januar veröffentlichte die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (SUST) ihren Schlussbericht zum Absturz der Ju-Air-Maschine. Dieser kam zum Schluss, dass Handlungen der Piloten zum Absturz führten, welche ein viel zu grosses Risiko eingegangen seien. Zudem hätten auch Unterlassungen im Flugbetriebsunternehmen Ju-Air und Vorgänge beim Bazl dazu beigetragen, dass ein solcher Unfall passieren konnte.

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