Keine Eier, keine Gurken, keine Kürbisse: Die wichtigsten Antworten zur hohen Dioxinbelastung in Lausanne

In Lausanne haben Untersuchungen gezeigt, dass die Dioxinbelastung in grossen Teilen der Stadt zu hoch ist. Die Bevölkerung in den am stärksten verseuchten Gebieten ist nun angehalten, die Empfehlungen des Kantons zu befolgen: Unter anderem sollen ab sofort keine Kürbisgewächse aus dem eigenen Garten mehr konsumiert werden.

In den stark verseuchten Gebieten in der Stadt Lausanne weisen Plakate auf die Sicherheitsmassnahmen hin.

In den stark verseuchten Gebieten in der Stadt Lausanne weisen Plakate auf die Sicherheitsmassnahmen hin.

Bild: Keystone

Was genau ist das Problem in Lausanne?

Der Kanton Waadt hat bereits im Mai zu hohe Dioxinbelastungen in der Gemeinde Lausanne entdeckt. Daraufhin wurden an 126 Standorten Bodenproben entnommen und untersucht. Der nun am Montag veröffentlichte Bericht aus Lausanne zeigt, dass die Dioxinverschmutzung in grossen Teilen des Stadtgebietes sehr hoch ist. In den am stärksten betroffenen Gebieten wurden Werte von mehreren hundert Nanogramm pro Kilogramm Boden festgestellt. Ab 20 Nanogramm wird der Prüfwert überschritten.

Wie gefährlich ist Dioxin für die Menschen?

Dioxin löst bei übermässigem Verzehr Vergiftungen aus. Es können entzündliche Hautveränderungen auftreten. Da sich die Dioxine im Körperfett anreichern, werden sie nur sehr langsam abgebaut. In Tierversuchen wurde festgestellt, dass Dioxin zu Störungen der Fruchtbarkeit, des Immunsystems, des Nervensystems und des Hormonhaushalts führen kann. Einige Dioxine stehen zudem im Verdacht, dass sie das Krebsrisiko erhöhen. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, täglich nicht mehr als 0,3 Piktogramm pro Kilogramm Körpergewicht aufzunehmen.

Markus Zennegg ist Chemiker an der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA. Er hat sich auf Dioxine spezialisiert und sagt, dass die Belastung der Böden zwar sehr hoch sei, aber:

«Es wird in Lausanne mit grosser Wahrscheinlichkeit keine akuten gesundheitlichen Probleme aufgrund der Dioxinbelastung geben. Dafür müsste man schon Unmengen an Eiern oder Kürbissen von belasteten Böden essen.»

Die nachgewiesenen Werte befänden sich noch nicht in einem Bereich, in dem sie gesundheitlich kritisch seien, obwohl die erlaubten Höchstkonzentrationen für Lebensmittel wie beispielsweise Eier klar überschritten werden.

Wie entsteht Dioxin?

Dioxine entstehen unter anderem bei der Verbrennung von Abfällen. Die Ursache liegt meist bei Abgasen, Kehrichtverbrennungen oder anderen Verbrennungsprozessen. Dioxine verbreiten sich über die Luft in die Umwelt, reichen sich vor allem im Boden an und sind sehr langlebig. In Lausanne ist die Wahrscheinlichkeit sehr gross, dass die hohe Dioxinbelastung der Böden mit der ehemaligen Kehrichtverbrennungsanlage Vallon zusammenhängt. Deren Betrieb wurde 2005 eingestellt.

Was müssen Personen, die in den stark verseuchten Gebieten wohnen, nun beachten?

Der Kanton Waadt empfiehlt den Bewohnerinnen und Bewohnern der betroffenen Gebiete, keine Gurken, Kürbisse und Zucchini aus dem eigenen Garten zu essen. Dies, da insbesondere Kürbisgewächse Dioxine anreichern. Zudem weist der Kanton darauf hin, dass auch der Konsum von Eiern einzuschränken sei, wenn die Hühner in den betroffenen Gebieten gehalten wurden, da landwirtschaftliche Nutztiere die Dioxine über Bodenpartikel aufnehmen. Weiter mahnt der Kanton die Eltern, darauf zu achten, dass deren Kinder beim Spielen im Freien keine Erde verschlucken. Zudem werden die Bewohner darauf hingewiesen, sich die Hände nach der Gartenarbeit oder anderen Aktivitäten im Freien gründlich zu waschen. Die Empfehlungen des Kantons unterscheiden sich je nach Betroffenheit der Gebiete. Zennegg weist darauf hin, dass es sich bei diesen Empfehlungen um Vorsichtsmassnahmen handelt: «Die Regierung will damit eine Gefährdung ausschliessen und die Bevölkerung vor theoretisch möglichen negativen Auswirkungen schützen.»

Die Karte der Stadt Lausanne zeigt das Ausmass der Verseuchung: Je dunkler die Verfärbung, desto stärker die Dioxinbelastung.

Die Karte der Stadt Lausanne zeigt das Ausmass der Verseuchung: Je dunkler die Verfärbung, desto stärker die Dioxinbelastung.

Karte: Kanton Waadt

Welche Massnahmen hat der Kanton Waadt ergriffen?

Nebst den Empfehlungen an die Bevölkerung hat der Kanton beschlossen, die Nutzung jener Flächen einzuschränken, bei denen mehr als 100 Nanogramm pro Kilogramm Boden nachgewiesen wurden. Zudem will er an anderen Orten im Kanton Untersuchungen durchführen. Gleichzeitig prüft der Kanton, inwiefern die Böden saniert werden können und wer für die Kosten aufkommen soll. Da sich die Dioxine meist in den ersten zehn bis zwanzig Zentimetern des Bodens befinden, müsste laut EMPA-Chemiker Zennegg bei einer Sanierung lediglich die oberste Bodenschicht abgetragen werden. Doch auch dies wäre mit sehr hohen Sanierungskosten verbunden.

Ist die Dioxinbelastung nur in Lausanne ein Problem?

Es gibt aktuell keine Hinweise darauf, dass auch in anderen Kantonen die Dioxinbelastung zu hoch ist. Dies hängt allerdings damit zusammen, dass die Kantone bis anhin in potenziell betroffenen Gebieten noch kaum Bodenanalysen entnommen haben. Die Untersuchungen in Lausanne sind die ersten dieser Art. Die Resultate dürften viele Kantone dazu veranlassen, in der Nähe von Kehrichtverbrennungsanlagen Proben zu entnehmen und Analysen durchzuführen. Dies empfiehlt auch Markus Zennegg: «An Orten, wo alte Kehrichtverbrennungsanlagen stehen, die schon lange in Betrieb sind, lohnt sich eine Bodenanalyse definitiv.» Denn die grösste Anreicherung von Dioxin in Schweizer Böden sei zwischen 1960 und 1980 erfolgt.

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