Publiziert

Zwei Polizisten haben Fotos von Leichen in Chatgruppen geteilt. Dafür müssen sie ins Gefängnis. Es ist der nächste Polizeiskandal, der Grossbritannien erschüttert.

1 / 9

Deniz Jaffer ist einer der beiden Polizisten, der für die Verbreitung der Leichenfotos in Whatsapp-Chats zu einer Freiheitsstrafe veruteilt wurde. 

Deniz Jaffer ist einer der beiden Polizisten, der für die Verbreitung der Leichenfotos in Whatsapp-Chats zu einer Freiheitsstrafe veruteilt wurde.

REUTERS

Die beiden 46 und 27 Jahre alten Schwestern wurden in einem Londoner Park von einem damals 18-Jährigen ermordet.

Die beiden 46 und 27 Jahre alten Schwestern wurden in einem Londoner Park von einem damals 18-Jährigen ermordet.

REUTERS

Das Motiv des Täters: Er wollte «Satan» Opfer darbringen. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

Das Motiv des Täters: Er wollte «Satan» Opfer darbringen. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.

REUTERS

  • Die Londoner Polizei steckt in einer tiefen Vertrauenskrise.

  • Polizeibeamte wurden jüngst wegen Mordes und Vergewaltigung verurteilt.

  • Nun müssen zwei weitere Polizisten ins Gefängnis, weil sie Leichenfotos von Mordopfern in Whatsapp-Chats geteilt haben.

Vergewaltiger und Mörder statt Freund und Helfer? Das Vertrauen in die britische Polizei ist auf einem Tiefpunkt, und bisher ist ein Ende der Krise nicht abzusehen. Im Mittelpunkt steht die grösste Polizeikraft des Landes, die Londoner Metropolitan Police (Met). Einst als Scotland Yard mit einem Ruf wie Donnerhall, deren Beamte und Beamtinnen als Helden gelten und in der Literatur besungen werden, hat das Image dramatisch gelitten. Es sind gleich mehrere Fälle, die das gesamte Land erschüttert haben, und in allen geht es um weibliche Opfer.

Auslöser ist vor allem der Mord an Sarah Everard. Im März verschwindet die 33-Jährige in Südlondon spurlos, eine Woche später wird ihre Leiche entdeckt. Der Täter: Ein Polizist der Met. Er hatte die junge Frau unter Vorspielung einer Kontrolle verschleppt, vergewaltigt und ermordet. In derselben Einheit diente ein Mann, gegen den derzeit ein Verfahren läuft – er soll mehrere Frauen sexuell misshandelt haben.

Polizisten teilten Fotos von Leichen

Am Montag folgte nun das Urteil gegen zwei Met-Beamte, die nach einem internen Verfahren bereits gefeuert wurden. Die Männer waren eingeteilt, um den Ort eines satanistischen Doppelmords an zwei Schwestern abzuschirmen – und nutzten ihre Position, um mit ihren Handys Fotos der Leichen zu machen und in Chatgruppen zu teilen. «Tote Vögelchen», schrieben sie unter anderem dazu. «Ihre Handlungen sind beschämend», kritisierte Assistant Commissioner Helen Ball, die dritthöchste Beamtin der Met Police, die beiden Ex-Beamten. Die Männer müssen jeweils zwei Jahre und neun Monate ins Gefängnis.

Trotz der internen Aufklärung: Die Mutter der ermordeten Schwestern ist empört und hat sich Londons Polizeichefin Cressida Dick vorgeknöpft. Die Entschuldigung Dicks komme nicht von Herzen und sei unprofessionell gewesen, kritisiert Mina Smallman. «Es ist Zeit für sie, zu gehen.» Es ist nicht das erste Mal, dass Dick, sowohl die erste Frau als auch die erste offen homosexuell lebende Person in diesem Amt, in der Kritik steht.

Vertrauen in Polizei ist auf Tiefpunkt

Doch die Bobby-Krise geht weit über London hinaus. «Das schmälert das Vertrauen der Öffentlichkeit», zitierte die Zeitung «Guardian» unlängst eine Regierungsquelle. «Die Met strahlt ins ganze Land.» Ein ranghoher Polizeibeamter sagte dem Blatt: «Das Vertrauen sinkt seit 18 Monaten.»

Umfragen füttern diese Einschätzung. Anfang Oktober ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Yougov, dass erstmals seit Beginn der Erhebung im Juni 2019 mehr Briten und Britinnen kein Vertrauen als Vertrauen in die Polizei hatten. Auslöser ist aber auch hier die Met: Nur ein Drittel der Befragten vertraute der Hauptstadtpolizei.

Polizeichefin geniesst Rückendeckung

Für Kritiker und Kritikerinnen ist klar, dass Polizeichefin Dick es nicht schafft, ihre Behörde zu reformieren. Immer wieder gibt es Vorwürfe, die Met sei frauenfeindlich, homophob und rassistisch. In den vergangenen elf Jahren gab es gegen mehr als 750 Beschäftigte der Met Police Vorwürfe wegen sexuellen Fehlverhaltens. Dutzende wurden entlassen. Die Kultur sei verdorben, heisst es. Als nach dem Mord an Sarah Everard Hunderte gegen Gewalt gegen Frauen demonstrierten, wurden die Proteste gewaltsam aufgelöst. Dick verteidigte das Vorgehen.

Die Polizei löste eine Mahnwache zum Gedenken an die ermordete Sarah Everard auf: Ein Handyvideo zeigt, wie die Polizei eine Frau festhält und Protestierende zurückdrängt.

AP/Deborah Hermanns

Hinzu kommt, dass die Aufklärungsraten bei Vergewaltigungen extrem niedrig sind, die Zahl der Messerattacken auf einem Rekordstand. Doch bisher geniesst Dick parteiübergreifende Rückendeckung. Sowohl der Labour-Bürgermeister von London, Sadiq Khan, als auch die konservative Innenministerin Priti Patel stellten sich nach scharfer Kritik hinter Dick. Ihr Vertrag wurde erst in diesem Jahr verlängert.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

(DPA/job)

Leichenfotos von Satanisten-Opfern geteilt – Gefängnisstrafen für Polizisten
Source:
Source 1

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here