Machtkampf bei Rieter: Verwaltungsrat reicht Strafanzeige gegen zwei Mitglieder ein – diese wehren sich

Turbulente Tage beim Winterthurer Maschinenbauer: Der Verwaltungsrat geht mit auf dem juristischen Weg gegen seinen zweitgrössten Investor vor.

Bei Rieter treten Aktionäre gegen Aktionäre an – und das nicht etwa hinter verschlossenen Fenstern.

Bei Rieter treten Aktionäre gegen Aktionäre an – und das nicht etwa hinter verschlossenen Fenstern.

Machtkämpfe innerhalb von Firmen werden meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgefochten. Unliebsame Verwaltungsräte etwa werden intern so lange unter Druck gesetzt, bis sie ihren Stuhl «freiwillig» räumen. Gegen aussen gibt es dann ein paar nette Floskeln.

Doch nicht bei Rieter: Der Textilmaschinenbauer hat gestern bei der Staatsanwaltschaft Zürich Strafanzeige gegen zwei seiner eigenen Verwaltungsräte eingereicht, gegen Luc Tack und Stefaan Haspeslagh. Die beiden hätten «verwaltungsratsinterne Informationen dazu benutzt», um mit einem eigenen Kauf­angebot für die Saurer-Firmen Rieter zu konkurrenzieren.

Strafanzeigen sind selten in der Unternehmenswelt

Allzu gross dürfte der finanzielle Schaden nicht sein, sonst hätte Rieter eine Verantwortlichkeitsklage eingereicht. Die Strafanzeige ist hingegen in Wirtschaftsbelangen ein eher ungewöhnliches Instrument. Vom Gesetz her jedenfalls ist ein Verwaltungsrat nicht verpflichtet, eine solche einzureichen, wie Ines Pöschel, Expertin für Gesellschaftsrecht und Partnerin bei der Anwaltskanzlei Kellerhals Carrard, erklärt. «Der Verwaltungsrat muss immer im Gesamtinteresse des Unternehmens handeln.»

Strafrechtliche Auseinandersetzungen gehören selten dazu: Diese kosten in der Regel Geld, binden Ressourcen und halten die Firma in den Schlagzeilen, was selten gut fürs Image ist. Zudem sind strafrechtliche Prozeduren in der Unternehmenswelt selten von Erfolg gekrönt. Der berühmteste Schweizer Strafrechtsprozess gegen die früheren Swissair-Verwaltungsräte jedenfalls endete mit einer Reihe von Freisprüchen.

Dennoch schlägt Rieter diesen Weg ein. Es sieht so aus, als wolle der Verwaltungsrat auf diesem Weg Tack und Haspeslagh zum Rücktritt zwingen. Er spricht von einer «nachhaltigen Störung des Vertrauensverhältnisses innerhalb des Verwaltungsrates, die eine weitere Zusammenarbeit unmöglich macht». An einer ausserordentlichen Generalversammlung sollen die beiden «abberufen werden».

Aktionär versus Aktionär: Peter Spuhler versus Luc Tack

Grösster Aktionär bei Rieter ist Peter Spuhler, der über seine PCS Holding rund 22 Prozent hält und auch im Verwaltungsrat sitzt. Tack und Haspeslagh vertreten den zweitgrössten Rieter-Aktionär, den belgischen Industriekonzern Picanol.

Dieser hatte im Frühjahr das Aktienpaket von Michael Piepers Artemis-Gruppe übernommen und hält nun 11,7 Prozent an Rieter. Tack ist Chef und Mehrheitsaktionär von Picanol, ­Haspeslagh, der erst im April in den Rieter-Verwaltungsrat gewählt wurde, dessen Finanzchef und Verwaltungsratspräsident.

Die Verwaltungsräte wehren sich

Es ist also eine Anzeige des Unternehmens gegen einen seiner Besitzer. Und dieser denkt erst gar nicht daran, klein beizugeben. In einem am Abend veröffentlichten Communiqué bestreitet Picanol, ein förmliches Angebot für die Saurer-Firmen gemacht zu haben und betont, dass Tack und Haspeslagh «jederzeit die im Rahmen eines möglichen Interessenkonflikts geltenden Governance-Regeln beachtet» hätten.

Weiter bedauern sie die «von Rieter unternommenen Schritte zutiefst», beteuern ihr «volles Vertrauen in die Strategie von Rieter» und sichern gleichzeitig ihre volle Kooperation bei allen Untersuchungen zu.

Es sieht nicht so aus, als ob Picanol respektive Luc Tack sein Rieter-Aktienpaket abstossen möchte. Damit ist klar: Der Rieter-Machtkampf hat erst begonnen und dürfte die involvierten Unternehmen und die Öffentlichkeit noch eine Weile beschäftigen.

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