Mammut vor eisigen Zeiten? Die fünf wichtigsten Fragen zum Verkauf der Traditionsmarke aus Seon

Die Schweizer Traditionsmarke Mammut soll an die britische Investmentfirma Telemos Capital verkauft werden. Was bedeutet das für das Aargauer Unternehmen? Gehen Jobs verloren oder stürmt der Outdoor-Spezialist auf neue Gipfel?

Mammut hat schwierige Jahre hinter sich, hat aber zugleich stark in die Digitalisierung des Geschäftsmodells investiert.

Mammut hat schwierige Jahre hinter sich, hat aber zugleich stark in die Digitalisierung des Geschäftsmodells investiert.

Thomas Monsorno

Der Deal ist schon fast in trockenen Tüchern. Seit Ende 2019 ist bekannt, dass Conzzeta aus Zürich die Traditionsmarke Mammut verkaufen will. Jetzt ist klar, wer der neue Besitzer ist.

Die fünf wichtigsten Fragen und Antworten zum Verkauf

1. Wer ist der neue Besitzer?

Als Telemos Capital 2018 den englischen Erotik-Onlinehändler Lovehoney aufkaufte, wurde die Investment-Firma von einigen englischen Journalisten als Schweizer Unternehmen bezeichnet. In der Schweiz ist aber derzeit überall zu lesen, Mammut würde an eine englische Investmentgesellschaft verkauft. Was stimmt nun? Irgendwie beides. Telemos Capital hat seinen Sitz in London. Aber das Unternehmen wurde von einem gewissen Philippe Jacobs 2017 ins Leben gerufen, einem Spross der deutschen Jacobs-Familie, die ihr Geld wiederum mit Kaffee machte.

Das Geld der Familie Jacobs wird von der Jacobs Holding mit Sitz in Zürich verwaltet und wird von Philippe Jacobs und dessen Bruder Nicolas co-präsidiert. Die Holding alimentiert mit ihren Einkünften aus verschiedenen Beteiligungen (u.a. an Schokoladenriese Barry Callebaut) die Jacobs-Stiftung. Nebenher haben sich die beiden Brüder aber eigene Investmentgesellschaften aufgebaut. Während sich Nicolas auf Gastroketten und Getränke spezialisiert hat, investiert Philippe mit Telemos in Unternehmen aus den Bereichen Konsumgüter, Gesundheits- und Unternehmensdienstleistungen in ganz Europa.

Amorana-Mitgründer Alan Frei und sein Partner Lukas Speiser verkauften ihr Portal im Herbst 2020 an die Firma Lovehoney, die wiederum im Besitz von Telemos Capital ist.

Amorana-Mitgründer Alan Frei und sein Partner Lukas Speiser verkauften ihr Portal im Herbst 2020 an die Firma Lovehoney, die wiederum im Besitz von Telemos Capital ist.

Alex Spichale

So hat sich Telemos unter anderem die Mehrheit an den beiden Erotikanbietern Lovehoney (England) und via Lovehoney an Amorana (Schweiz) gesichert. Zusammen setzen die beiden Onlinehändler mehr als 200 Millionen Franken pro Jahr um. Darüber hinaus ist Telemos beteiligt an Maxbau, einem Baustoffhändler aus Rumänien, Sanoptis, einer Betreibergesellschaft von Augenarztkliniken in der Schweiz und Deutschland mit Sitz in Pfäffikon, sowie an Medeuropa mit Sitz in Epalinges bei Lausanne und Betreiberin von medizinischen Zentren in Rumänien, Deutschland und Frankreich.

Der Kauf von Mammut ist der jüngste Coup der noch jungen Investmentgesellschaft mit Sitz in London und starken Links in die Schweiz.

2. Wie viel hat Telemos Capital für Mammut bezahlt?

Über den Preis haben die beiden Unternehmen laut Medienmitteilung Stillschweigen vereinbart. In der Mitteilung von Verkäuferin Conzzeta steht lediglich, dass der Verkaufspreis die starke Positionierung als eine weltweit führende Outdoor-Marke reflektiere. Doch es gibt Hinweise. Zum einen gibt es bei Unternehmensverkäufen eine Daumenregel, die besagt, dass der Verkaufspreis irgendwo zwischen einem und anderthalb Jahresumsätzen liege. Mammut hat im Coronajahr 218 Millionen Franken umgesetzt und dabei einen Verlust von 25 Millionen gemacht.

Zum anderen ist da das kaufende Unternehmen, also Telemos Capital. Eine Investmentfirma, die laut eigener Website darauf abzielt, sich mit Beträgen zwischen 50 und 200 Millionen Euro an Firmen zu beteiligen. Es darf daher von einem Verkaufspreis von um die 200 Millionen Franken ausgegangen werden.

3. Welche Pläne verfolgt Telemos Capital mit dem Schweizer Traditionsbrand?

Zu den genauen Plänen äussert sich derzeit noch niemand, denn noch steht die behördliche Genehmigung des Deals aus. Der Abschluss wird auf Mitte 2021 erwartet, wie es in der Mitteilung heisst. Doch von Telemos Capital ist bekannt, dass sich das Unternehmen auf starke Familienwerte, unternehmerische Investmenterfahrung und einen langfristigen partnerschaftlichen Ansatz stützt. Man sei daran interessiert, in leistungsstarke, Cashflow generierende und gut geführte Unternehmen mit Potenzial für nachhaltiges Wachstum zu investieren, heisst es bei Telemos.

Oliver Pabst trat Ende 2016 die Nachfolge von Rolf Schmid als Mammut-CEO an. Unter seiner Führung endet die Conzzeta-Ära von Mammut. Das Zürcher Familienunternehmen kaufte die Marke 1982.

Oliver Pabst trat Ende 2016 die Nachfolge von Rolf Schmid als Mammut-CEO an. Unter seiner Führung endet die Conzzeta-Ära von Mammut. Das Zürcher Familienunternehmen kaufte die Marke 1982.

Zvg

Kommt hinzu, dass sich Conzzeta, die Verkäuferin, mit dem Verkauf lange Zeit gelassen hat. Schon Ende 2019 wurde bekannt, dass man Mammut verkaufen will. Bis Ende 2020 hätte der Verkauf – so der ursprüngliche Plan – über die Bühne gehen sollen. Corona aber machte der Conzzeta einen dicken Strich durch die Rechnung. Dass man sich länger Zeit gelassen hat, deutet aber auch darauf hin, dass man sehr bewusst nach einem Investor gesucht hat, der das Geschäft mit Outdoor-Artikeln weiterbringen kann.

All dies deutet darauf hin, dass es sich um ein langfristiges Investment handeln sollte. Mit dem Ziel Mammut weiter voranzubringen. Darauf deuten auch die Aussagen von Mammut-CEO Oliver Pabst hin: «Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Telemos, um gemeinsam die führende Position von Mammut als Premium-Marke in bestehenden und neuen Märkten weiter auszubauen und mit nachhaltigen, innovativen sowie digitalen Produktlösungen zu überzeugen.»

4. Was ist mit dem Hauptsitz in Seon?

Ein Investor mit starken Schweizer Wurzeln (Philippe Jacobs lebt zwar in London, hat aber hier in der Schweiz seine Kindheit verbracht und an der Uni St.Gallen studiert), eine Schweizer Outdoor-Marke mit Weltrenommee – es gibt nichts, das dafür sprechen würde, den Hauptsitz von Seon in ein anderes Land zu verlagern. Umso mehr, als dass Mammut vom Image der Schweiz als Land der Berge stark profitiert.

«Mammut ist fest in der Schweiz verwurzelt, hier liegt unsere Geschichte, unser Erbe und die Schweizer Alpen. Die Schweiz, deren Berge und unsere knapp 160-jährige Schweizer Geschichte gehören zur Marke Mammut – darauf sind wir stolz. Dieses Erbe ändert sich auch nicht bei einem Besitzerwechsel», sagt Oliver Pabst, CEO von Mammut. Die Verwurzelung in der Schweiz mache das Unternehmen und die Marke zusätzlich attraktiv und glaubhaft. Auch habe Telemos ein klares Bekenntnis zu der von Mammut eingeschlagenen Strategie abgegeben, kenne die Schweizer Herkunft des Unternehmens und glaube an die Traditionsmarke. Pabst:

«Wir werden daher weiterhin aus dem Herzen der Schweiz operieren.»

5. Gehen durch den Verkauf Jobs verloren?

Das ist schwer zu prophezeien. Mammut ist derzeit in rund 40 Ländern aktiv und beschäftigt rund 800 Mitarbeitende weltweit. Aber Fakt ist, dass Telemos Capital investiert, um das Unternehmen weiterzubringen. Mammut hat in den letzten Jahren stark auf das digitale Geschäft gesetzt und ist im Onlinehandel im Coronajahr noch einmal stark gewachsen und hat allein über den Onlineshop rund 40 Millionen umgesetzt. Zudem hätten die sehr erfolgreichen Zahlen der letzten Monate den Verkaufsprozess zusätzlich unterstützt. So konnte Mammut im ersten Quartal die Umsätze in den digitalen Verkaufskanälen im Vergleich zum Vorjahr verdoppeln.

Die Digitalisierung wird das Unternehmen auch künftig stark beanspruchen. Ob es im Verlauf dieser Entwicklung zu Veränderungen im Personalbereich kommt, ist schwer abzuschätzen. Stand heute ist auf jeden Fall mit keiner Entlassungswelle zu rechnen. Dies bestätigt auch Oliver Pabst:

«Es ist kein Stellenabbau geplant.»

Telemos glaube nicht nur an die Marke und die Strategie von Mammut, sondern auch an das Team dahinter. Mit Telemos als Eigentümer wolle Mammut den Kern und den Premium-Anspruch bewahren sowie die bisher erfolgreiche Transformation zusätzlich beschleunigen. Die Zeichen stehen somit eher auf Kontinuität und Wachstum.

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