Migros kann aufatmen: Weko wischt Vorwürfe wegen Preisdruck und Produkte-Rausschmiss vom Tisch

Über ein Jahr lang stand die grösste Schweizer Detailhändlerin wegen einer Anzeige unter Marktbeobachtung. Jetzt kommt die Weko zum Schluss: Die Migros hat sich korrekt verhalten.

Eine Migros-Filiale am Flughafen Zürich.

Eine Migros-Filiale am Flughafen Zürich.

Melanie Duchene / KEYSTONE

Hat die Migros ihre Marktmacht missbraucht oder nicht? Diese Frage hat die Wettbewerbskommission (Weko) über ein Jahr lang untersucht. Konkret geht es dabei um Vorwürfe über Preisdruck und Auslistungen von Produkten aus dem Sortiment: Gestützt auf eine Anzeige, wonach die Migros ab dem Frühling 2019 eine grössere Anzahl ihrer Lieferanten dazu aufgefordert habe, die Verkaufspreise an Migros ohne entsprechende Gegenleistung substanziell zu senken, eröffnete die Weko eine Marktbeobachtung.

Eingereicht wurde die Anzeige vom Verband der Markenhersteller Promarca, demzufolge es sich jeweils nicht um echte Preisverhandlungen gehandelt hat, sondern um Drohungen: Wird der Preis eines Produkts nicht gesenkt, fällt es aus dem Sortiment.

Nun ist die Entscheidung gefallen. Auf Anfrage bestätigt die Weko entsprechende Informationen von CH Media, dass die Marktbeobachtung abgeschlossen wurde. Mit folgendem Resultat: Die Behörde wischt sämtliche Vorwürfe gegen die Migros vom Tisch. «Die Marktbeobachtung ergab keine konkreten Hinweise, dass Migros sich im Rahmen der fraglichen Verhandlungsrunde gegenüber ihren Lieferanten missbräuchlich verhalten hat», sagt Andrea Graber. Sie ist Vizedirektorin des Dienstes Produktemärkte und leitete die Marktbeobachtung.

Rivella-Rausschmiss war nicht Gegenstand der Beobachtung

Die Beobachtung stützt sich auf Stellungnahmen der Migros und auf Dokumentationen der einzelnen Preisverhandlungen. Bei jedem betroffenen Lieferanten wurden so die Verhandlungen angeschaut. «Gestützt auf diese Analyse konnten keine Hinweise auf Marktmissbrauch festgestellt werden. Die Preise kamen durch Verhandlungen zustande», sagt Andrea Graber. Dass es Preisdruck gebe, sei normal, er dürfe nur nicht missbräuchlich werden. Eine konkrete Schwelle gebe es diesbezüglich nicht.

Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen.

Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen.

Severin Bigler

Die einzelnen Produkte-Auslistungen habe die Migros ebenfalls sachlich begründen können. Graber betont, dass Auslistungen im Detailhandel regelmässig vorkämen und notwendig seien, um neue Produkte im Sortiment aufnehmen zu können. Der Regalplatz sei schliesslich beschränkt.

Welches die betroffenen Hersteller sind, gibt die Weko nicht bekannt. Klar ist aber, dass der Getränkehersteller Rivella, dessen Produkte-Rausschmiss jüngst für Schlagzeilen sorgte, nicht Gegenstand der Beobachtung war. Aufgrund der Ergebnisse verzichtet die Weko darauf, weitere Ermittlungen zu tätigen und ein Verfahren zu eröffnen.

Die Migros zeigte sich über den Entscheid erleichtert: «Die Anzeige von Promarca erwies sich als haltlos. Die Weko kommt zum Schluss, dass weder Hinweise auf unfaire Preisverhandlungen noch auf missbräuchliche Sortimentsauslistungen vorliegen.» Promarca-Geschäftsführerin Anastasia Li-Treyer schrieb auf Anfrage: «Ich bin überrascht, dass das Sekretariat der Weko zu diesem Ergebnis kommt, angesichts der bekannten Sachverhalte, die sich zwischen Lieferanten und Migros ereignet haben.»

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