Missbrauchsskandal: 330’000 Opfer leiden teils bis heute – doch die katholische Kirche macht viel zu wenig gegen pädosexuelle Priester

Das Beichtgeheimnis und die geltenden Verjährungsfristen schützen pädosexuelle Priester. Eine Vorlage für die jetzt richtigen Schritte liefert die Schweiz.

Alles andere als unschuldig: Die Vorwürfe lasten schwer auf den mächtigen Schultern der katholischen Kirche in Frankreich.

Alles andere als unschuldig: Die Vorwürfe lasten schwer auf den mächtigen Schultern der katholischen Kirche in Frankreich.

AP

Nach Irland, USA und Deutschland muss auch Frankreich anerkennen, dass sexuelle Missbräuche von Minderjährigen durch Priester in dem einst sehr katholischen Land gang und gäbe waren und vielleicht bis heute sind. 330’000 Opfer in den letzten Jahrzehnten, das ist eine kolossale Zahl.

«Ihr seid eine Schande für die Menschheit»,

rief am Dienstagmorgen ein Opfer in den Saal, wo die unabhängige Kommission ihren erschütternden Bericht vorstellte und einzelne Bischöfe die Augen senkten.

Die Massnahmen, die die katholische Kirche auf die Enthüllung hin angekündigt hat, gehen viel zu wenig weit. Das geplante kanonische Strafgericht für pädokriminelle Priester soll etwa weiterhin ohne die Opfer tagen. Am Beichtgeheimnis, von dem auch Kinderschänder profitieren, wird ebenso festgehalten wie an der Verjährungsfrist, die in Frankreich zwanzig Jahre (ab Volljährigkeit) für Sexualattacken und 30 Jahre für Vergewaltigung beträgt.

Wie ein missbrauchter Mann in einem Buch schilderte, brauchte er mehr als 35 Jahre, bis er sich auch nur an die Schandtat seines Priesters an ihm, dem Zehnjährigen, zu erinnern vermochte.

Die Schweiz hat die Verjährung in solchen Fällen 2013 abgeschafft. Warum geschieht das nicht in grösseren Ländern wie Frankreich? Letztlich wohl, weil die Kirche dort noch ein entscheidender Machtfaktor ist.

Sexueller Missbrauch von Kindern, das heisst Gewaltausübung, hat auch mit Kontrolle und Macht zu tun. Der Weg zum Gegenteil, der Demut, ist lang, wie in der Bibel nachzulesen wäre. Der französische Klerus ist erst auf halbem Weg ans Ziel.

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