Mit diesen Schock-Bildern von Intensivstationen will Tschechien die Ungeimpften doch noch überzeugen

Mit einer neuen Schockkampagne will Tschechien Corona-Impfgegner zum Umdenken bewegen. Auch andernorts legen Regierungen die Samthandschuhe ab.

«Er glaubte den Fehlinformationen», steht auf dem Plakat.

«Er glaubte den Fehlinformationen», steht auf dem Plakat.

Tschechisches Gesundheitsministerium

Tschechien hat die Geduld mit den Impfverweigerern verloren. Die Neuansteckungen im 10-Millionen Land steigen rasant an (derzeit liegen sie bei fast 10’000 Fällen pro Tag). Die Intensivstationen in den Spitälern geraten an ihre Grenzen. Deshalb setzt das Gesundheitsministerium in Prag jetzt auf radikale Abschreckung.

Im ganzen Land werden seit Dienstag Fotos von verstorbenen Covid-Patienten in Zeitungen abgedruckt und auf Online-Kanälen publiziert. «Er glaubte den Fehlinformationen», heisst es da etwa auf einem Foto eines Toten, der von Spitalmitarbeitern in einen blauen Leichensack gepackt wird. «Sie hat die Impfung immer wieder verschoben», steht unter einem anderen Bild, das einen Sarg auf einer Intensivstation zeigt. «Er hatte seine eigene Wahrheit», prangt auf einem dritten Foto, auf dem ein Pfleger den Todeszeitpunkt auf einen Verstorbenen schreibt.

«Er hatte seine eigene Wahrheit», steht auf diesem Plakat.

«Er hatte seine eigene Wahrheit», steht auf diesem Plakat.

Tschechisches Gesundheitsministerium

Tschechien ist das erste Land, das mit solch radikalen Bildern vor den Gefahren der Covid-Erkrankung warnt. Noch-Ministerpräsident Andrej Babis sagt, die Kampagne sei die einzige Möglichkeit, die noch immer sehr tiefe Impfquote von nur rund 57 Prozent schnell zu erhöhen. Er betonte am Dienstag:

«Endlich kommt diese brutale Kampagne.»

Facebook unterstützt die Schock-Kampagne

Vorbild für die tschechische Schock-Werbung sind die Gruselbilder von Teer-zerfressenen Lungen und abgestorbenen Luftröhren auf Zigarettenpackungen, mit denen EU-weit seit Jahren vor den tödlichen Gefahren des Rauchens gewarnt wird.

«Er glaubte den Fehlinformationen», heisst es hier.

«Er glaubte den Fehlinformationen», heisst es hier.

Tschechisches Gesundheitsministerium

Um den gewünschten Effekt zu erzielen, hat das tschechische Gesundheitsministerium mehrere hundert Fotos aus den Covid-Abteilungen lokaler Spitäler gesichtet und letztlich zwölf Schock-Bilder ausgewählt. Die Kampagne erhält nicht nur von der Regierung finanzielle Unterstützung, sondern auch vom Social-Media-Giganten Facebook.

Der neue Tonfall im Kampf gegen die Pandemie mag für manche Tschechen überraschend kommen. Bislang setzte das mitteleuropäische Land auf sanfte Botschaften, um die Menschen von der Notwendigkeit der Impfung zu überzeugen.

Singapur bittet die Verweigerer zur Kasse

Auch anderswo haben Regierungen inzwischen die Samthandschuhe abgelegt. In Singapur etwa müssen ungeimpfte Personen, die an Covid erkranken, die Kosten für ihre Behandlung ab dem 8. Dezember selber übernehmen. Die Ungeimpften seien eine unnötige Belastung für das Gesundheitssystem, begründet die Regierung die Massnahme. Nötig sei sie trotz der hohen Impfquote von rund 86 Prozent.

Auch Dänemark will die Schrauben wieder anziehen. Die nordische Nation hatte als erstes Land in Europa das Covid-Zertifikat wieder abgeschafft und war zur vor-pandemischen Realität übergegangen. Ab Freitag aber tritt die Zertifikatspflicht teilweise wieder in Kraft. Die Begründung: Die kleine Gruppe der Ungeimpften verschlechtere die Lage für alle.

Dramatisch spitzt sich die Lage derzeit in Deutschland zu. Am Dienstag wurden landesweit 39’676 Neuansteckungen gemeldet – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie vor mehr als anderthalb Jahren. Auch die Zahl der Hospitalisierungen steigt rasch an.

Auch Österreich hat am Dienstag mit 11’398 Neuansteckungen einen neuen Tagesrekord vermeldet. Innert einer Woche haben sich die Fälle praktisch verdoppelt. Die Spitäler kommen in bestimmten Landesteilen ans Limit. Seit Anfang der Woche gilt in Österreich deshalb die 2G-Pflicht: Wer nicht geimpft oder genesen ist, darf nicht mehr in Restaurants, zum Coiffeur oder in andere öffentliche Einrichtungen. Dass sich das bald ändern wird, ist nicht abzusehen. «Das werden 2G-Weihnachten», sagte der österreichische Kanzler Alexander Schallenberg.

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