Mit dieser App können Private ihren Parkplatz vermieten – rechtlich tappen sie damit in eine Grauzone

Baloise hat mit «Parcandi» ein Start-up gegründet, das Privaten die Vermietung ihrer Parkplätze ermöglicht. Doch die Versicherung könnte die Rechnung ohne die Politik gemacht haben.

Mit Parkplätzen lässt sich Geld verdienen.

Mit Parkplätzen lässt sich Geld verdienen.

Keystone

In Städten liefern sich Autofahrer häufig unfreiwillig ein Wettrennen. Gewinner ist, wer zuerst einen freien Parkplatz erspäht und die Lücke besetzt. Das muss nicht sein, findet die Versicherung Baloise – und hat nun das Startup «Parcandi» gegründet, welches das Knappheitsproblem entschärfen soll.

Besitzer von Parkplätzen können diese auf der Plattform anbieten. Autofahrer können diese auf der Website bis zu zwei Stunden im Voraus reservieren oder spontan direkt parkieren. Dazu brauchen sie kein Login, sondern nur das Kontrollschild und eine Handynummer. Die Bezahlung erfolgt per Kreditkarte, berechnet wird nur die effektiv genutzte Parkzeit. Die Preise variieren.

«Der Suchverkehr entfällt»

Zurzeit umfasst das Angebot private Parkplätze in Parkhäusern. Signalisiert werden sie mit Plakaten mit dem Logo von Parcandi. «Wir schaffen eine Win-win-Situation sowohl für die Parkplatzsuchenden wie auch für die Besitzer, die ihre Räumlichkeiten effizient verwerten können», wird CEO Corsin Sulser in einer Mitteilung zitiert. «Durch das gezielte Anfahren des Parkhauses entfällt der Suchverkehr, was besonders in Wohnquartieren bemerkbar ist.»

Ob künftig private Parkplätze ausserhalb von Parkhäusern in das Angebot aufgenommen werden, gibt Parcandi nicht bekannt. Ein solches Modell hatte die Firma Parku erprobt, die in der Schweiz zwischen 2015 und Ende 2019 aktiv war. Erfolg war Parku keiner beschieden. Zu wenige nutzten das Angebot, das deswegen eingestellt wurde.

Einnahmenverteilung bleibt geheim

Was macht Parcandi besser? Man könne schnell und ohne grossen Aufwand das Angebot erweitern, antwortet eine Sprecherin. Durch die Verbindung mit der Baloise und diversen Partnern stehe ein breites Immobilienportfolio zur Verfügung. Zudem habe Parcandi durch die Partnerschaft mit dem TCS eine grosse Reichweite. Zurzeit zähle Parcandi 600 aktive Nutzer und vermiete 140 Parkplätze in 12 Parkhäusern. Wie viele Einnahmen die Vermieter erhalten und welchen Anteil Parcandi behält, verrät die Firma nicht.

In der Vergangenheit waren solche Konzepte keine Strassenfeger. So sagt Roger Schaad, Sprecher des Stadtzürcher Tiefbauamts (TAZ): «Die Nachfrage nach Privatparkplätzen, die via eine App öffentlich gemacht werden, hielt sich bisher in Grenzen». Freie Wohnparkplätze seien untertags oft nicht begehrt, weil sie sich in Wohngebieten befinden. «Dies gilt ebenso für freie Angestellten-Parkplätze ausserhalb der Arbeitszeiten: Abends und am Wochenende hat es meist viel Platz in den Parkhäusern der Innenstadt», sagt er. «Aus diesen Gründen haben sich bisherige Anbieter wie Parku aus dem Geschäft zurückgezogen.»

Zwar seien Mehrfachnutzungen von Parkplätzen eigentlich ein Mittel, die Effizienz zu steigern, sagt Schaad. Zumindest in Zürich stellt das Recht die Anbieter aber vor Probleme. «Private Parkplätze sind nutzungsbezogen bewilligt worden. Sie können grundsätzlich nicht durch Dritte genutzt werden», sagt Schaad. Da der Vollzug dieses Grundsatzes im Einzelnen nicht kontrolliert werde, bestehe «ein gewisser Graubereich», in welchem sich die Anbieter bewegten. Allzu erfolgreich dürfen sie nicht werden: «Die Stadt Zürich sagte bisher: Solange nicht mehr als 1000 private Parkplätze involviert sind, wird nicht interveniert.»

Mit dieser App können Private ihren Parkplatz vermieten – rechtlich tappen sie damit in eine Grauzone
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