Nach erzwungener Landung eines Ryanair-Jets: So will die EU Weissrusslands Diktator für die Flugzeug-Entführung bestrafen

Alexander Lukaschenko hat die Landung eines Ryanair-Jets erzwungen, um einen Regimekritiker verhaften zu lassen. Die Europäische Union ringt um die richtigen Massnahmen.

Weissrusslands autoritärer Herrscher Alexander Lukaschenko: Was wird die EU dem Diktator von Minsk entgegenstellen?

Weissrusslands autoritärer Herrscher Alexander Lukaschenko: Was wird die EU dem Diktator von Minsk entgegenstellen?

Bild: Maxim Guchek / Belta Pool / Pool / EPA

Es waren dramatische Szenen, die sich am Sonntag am Flughafen von Minsk abspielten. Alle Passagiere des Ryanair-Flugs 4978 mussten das Flugzeug verlassen, sie wurden durch einen speziellen Tunnel ins Flughafengebäude geleitet und durchsucht. Beim Aussteigen wurde laut Augenzeugen ein Passagier sofort von vier Sicherheitskräften umringt, abgesondert und dann abgeführt. «Ich bin Roman Protasewitsch», soll der Mann den Passagieren zugerufen haben. «Hier wartet die Todesstrafe auf mich.»

Wie es überhaupt zur Verhaftung kommen konnte, ist ein internationaler Eklat: Eine europäische Passagiermaschine wird auf einem Flug zwischen zwei EU-Hauptstädten von einer staatlichen Macht unter Gewaltandrohung zur Landung gezwungen. Das Manöver von Weissrusslands Diktator Alexander Lukaschenko, ein MiG-29-Kampflugzeug loszuschicken und den Ryanair-Flug von Athen ins litauische Vilnius unter dem Vorwand einer Bombendrohung zu kapern, sorgte in der EU für laute Empörung.

Umgeleitet und zur Landung in Minsk gezwungen: Das ist die Route von Flug 4978.

Umgeleitet und zur Landung in Minsk gezwungen: Das ist die Route von Flug 4978.

dpa

«Luftpiraterie »und «Staatsterrorismus»

Von «Staatsterrorismus» sprach der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und von «Luftpiraterie» der französische Europaminister Clement Beaune. In einem gemeinsamen Statement verurteilten die 27 EU-Staaten die Aktion scharf und forderten die umgehende Freilassung des weissrussischen Regimekritikers und Journalisten Protasewitsch und seiner Freundin, zwecks deren Verhaftung Lukaschenko die mit über 100 Menschen besetzte Maschine nach Minsk geholt hatte.

Bei ihrem ohnehin angesetzten Sondergipfel zur Aussenpolitik berieten die EU-Staats- und Regierungschefs am Montag über Gegenmassnahmen. Der litauische Präsident Gitanas Nauseda brachte drei Forderungen aufs Tapet: Erstens soll der weissrussische Luftraum für europäische Fluggesellschaften gesperrt werden. Zweitens sollte der weissrussischen Staatsairline «Belavia» ein Flugverbot in Europa erteilt werden und drittens sollten die EU-Staaten umfassende Wirtschaftssanktionen gegen Lukaschenko und sein Regime verhängen. Unabhängig vom gemeinsamen EU-Entscheid kündigte Litauen an, die Massnahmen umzusetzen.

Der Entscheid würde auch die Swiss treffen

Würde die EU den weissrussischen Luftraum wirklich als unsicher erklären und europäische Fluggesellschaften zur Umgehung anweisen, hätte dies wahrscheinlich auch Auswirkungen auf die Schweizer Fluggesellschaft Swiss. Erstens gehört Swiss zum deutschen Lufthansa-Konzern und zweitens ist die Schweiz über das Luftverkehrsabkommen mit der EU vollständig in den europäischen Rechtsrahmen eingebunden.

Das Departement für Auswärtige Angelegenheiten beschrieb die Umleitung der Ryanair-Maschine als einen «verstörenden Vorfall» und forderte eine gründliche Untersuchung. Ob sich die EU am Schluss wirklich zu schmerzhaften Massnahmen für Lukaschenko durchringen kann war bis Redaktionsschluss am späten Montagabend unklar.

Nach erzwungener Landung eines Ryanair-Jets: So will die EU Weissrusslands Diktator für die Flugzeug-Entführung bestrafen
Source:
Source 1

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here