Neuer Präsident: Die UBS bricht mit einem ungeschriebenen Gesetz

Die Schweizer Grossbank UBS hat einen neuen Präsidenten, den Investmentbanker Colm Kelleher. Damit sind beide Spitzenfunktionen im Konzern auf Jahre hinaus mit Ausländern besetzt. Weshalb der Personalentscheid trotzdem richtig ist.

Bei den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse sollte mindestens einer der beiden Spitzenposten – also Präsident des Verwaltungsrates und Chef der Konzernleitung – in Schweizer Hand bleiben. Die Credit Suisse hat sich an dieses ungeschriebene Gesetz gehalten, als es seine beiden Spitzenposten neu besetzte. Die UBS hat seine Nachfolge nun langfristig anders geregelt. Auf den Deutschen Axel Weber folgt als Präsident der Ire Colm Kelleher. Auf den Schweizer Sergio Ermotti folgt als CEO der Niederländer Ralph Hamers. Damit werden die beiden Spitzenpositionen auf Jahre hinaus mit zwei Ausländern besetzt sein.

Hinter dem ungeschriebenen Gesetz stand vor allem eine Idee: Im schwer regulierten Bankengeschäft sei es matchentscheidend, gute Beziehungen zur nationalen Politik, den Regulatoren und der Industrie zu haben. Die Finanzkrise schien diese Idee bestätigt zu haben. Schlimmeres konnte damals abgewendet werden, weil das Zusammenspiel der nationalen Akteure gut funktionierte, als die UBS sich 2008 vom schweizerischen Staat retten lassen musste. Hat die UBS also diese Lehren der Finanzkrise schon wieder vergessen?

Nein, das hat sie nicht. Aber sie hält sie nicht ganz so hoch, wie dies sonst zuletzt getan wurde. Und das zu Recht.


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Das zeigt sich daran, dass der gut vernetzte Schweizer Banker Lukas Gähwiler den Posten des Vizepräsidenten bekommt. Ob im Krisenfall ein Schweizer Vizepräsident genügen würde, darf bezweifelt werden. Um das Zusammenspiel mit nationalen Akteuren zu gewährleisten, müsste am Ende doch der Präsident auf Seiten der UBS die zentrale Rolle spielen. Aber immerhin, die UBS versucht, beides im Verwaltungsrat zu haben: einen Kenner der Schweiz mit Gähwiler und einen Kenner der USA mit Kelleher.

Damit gewinnt sie einen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Mit Kelleher hat sie an der Spitze einen profunden Kenner des US-Finanzplatzes, noch immer der wichtigste Finanzplatz der Welt. Der 64-jährige Kelleher war bis zu seinem Rücktritt 2019 bei der Investmentbank Morgan Stanley als Präsident verantwortlich für Institutional Securities Business und Wealth Management. Wenn die nächste globale Finanzkrise wiederum in den USA ausbrechen sollte, würde die UBS hoffentlich nicht wieder ähnlich über den Tisch gezogen wie im Jahr 2008. Damals erhöhte sie ihre Abhängigkeit noch von vermeintlich sicheren Finanzpapieren, als vieler der grossen und besser vernetzten amerikanischen Investmentbanken ihre Risiken längst abbauten.

Und schliesslich kann das ungeschriebene Gesetz getrost in Frage stellen. Die Credit Suisse hat sich daran gehalten. Und war dennoch – und vielleicht gar deswegen – zuletzt so gut wie an jedem Finanzskandal in führender Rolle beteiligt. Und nicht zu vergessen ist, dass die UBS damals in der Finanzkrise ebenfalls mit einer schweizerischen Doppelspitze in den Abgrund geflitzt ist. Wobei diese Spitze damals nicht einmal erkannte, welch grosse Risiken sich auftürmen. Man glaubte, gut schweizerisch vorsichtig und kontrolliert unterwegs zu sein. So gesehen kann man sich fragen, wie das ungeschriebene Gesetz überhaupt jemals diesen Status erreichen konnte.

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