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Ein Paar trauert um seine Katze, die in der Nachbarschaft in einem offenen Pool ertrank. Pools müssten abgedeckt sein, fordern Tierschützer.

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«Streifli hatte keine Chance, die glatte Wand des Pools hochzukommen», sagt Beatrice Putz, die ihren Kater kürzlich verloren hat.

«Streifli hatte keine Chance, die glatte Wand des Pools hochzukommen», sagt Beatrice Putz, die ihren Kater kürzlich verloren hat.

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Am 27. Februar sei der anhängliche Kater nach seinem abendlichen Ausgang nicht mehr zurückgekehrt, sagt Putz.

Am 27. Februar sei der anhängliche Kater nach seinem abendlichen Ausgang nicht mehr zurückgekehrt, sagt Putz.

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Inzwischen hat das Paar den Kater im eigenen Garten beerdigt.

Inzwischen hat das Paar den Kater im eigenen Garten beerdigt.

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  • Kater Streifli fiel in der Nachbarschaft in einen Pool und ertrank.

  • Da der Pool keine Ausstieghilfe bot, war die Katze darin gefangen.

  • Die Halter prüfen rechtliche Schritte gegen die Nachbarin.

Beatrice Putz und ihr Partner Albert Scheller sind untröstlich. «Unser Kater Streifli ist qualvoll im Pool eines Nachbarhauses ertrunken», sagt Putz. Am 27. Februar sei der anhängliche Kater nach seinem abendlichen Ausgang nicht mehr zurückgekehrt, sagt das Paar aus Dietlikon ZH. «Wir riefen nach ihm und suchten bis morgens um drei Uhr vergeblich die Gegend ab», sagt Scheller. Am Sonntag hätten sie zudem alle möglichen Nachbarn befragt.

Am Montag erhielt das Paar nach einem Anruf bei der Gemeindepolizei die traurige Gewissheit. «Der Polizist sagte, dass der Unterhaltsdienst soeben mit dem Kadaver einer Katze eingetroffen sei, den sein Mitarbeiter aus dem Pool einer Frau gefischt habe», sagt Putz. «Wir erkannten Streifli kaum wieder – er war komplett durchnässt», sagt Scheller. Die Gemeindepolizei Dietlikon bestätigt den Fall. «Die Katze ertrank in einem mit ca. 60 Zentimeter Regenwasser gefüllten nicht abgedeckten Pool auf Privatgrund», sagt Polizeichef Marcel Lutz.

«Streifli hatte keine Chance»

Da der Pool nicht abgedeckt gewesen sei, sei dieser für ihr Haustier zur Fallgrube geworden, sagt das Paar. Sie vermuten, dass die Katze bei einem Revierkampf oder einer schnellen Bewegung ausrutschte und reinfiel. «Streifli hatte keine Chance, die glatte Wand des Pools hochzukommen», sagt Putz. Der Pool habe über keine Ausstiegshilfe verfügt. «Da der Pool halbvoll war, konnte Streifli auch nicht abstehen und zum Sprung ansetzen.»

Inzwischen hat das Paar den Kater im eigenen Garten beerdigt. Damit ist die Sache für die 59-jährige Ärztin und den 59-jährigen Systemadministrator aber nicht abgeschlossen. Sie hätten der Nachbarin einen Brief geschickt und sie gebeten, ihren Pool abzudecken. «Wir wollen verhindern, dass auch noch unsere beiden anderen Katzen, sonst ein Tier oder vielleicht gar ein Kind in den Pool fallen», sagt Scheller. Die Nachbarin war für 20 Minuten nicht erreichbar.

Das Paar prüft zudem rechtliche Schritte (siehe Box) gegen die Nachbarin. «Muss der Besitzer des Pools Schadenersatz zahlen, wird der Druck, den Pool abzudecken, auch bei anderen Besitzern grösser.» Das eigene Haustier auf eine solch qualvolle Weise zu verlieren, wünschten sie niemandem, sagt das Paar. Putz: «Streifli war bei uns auf die Welt gekommen und war seither immer bei uns. Wir waren einander sehr nahe. Erst recht, seitdem wir wegen Corona unser Haus sehr selten verlassen.»

Pools würden oft zur Todesfalle

Auch anderen Katzen wurden Pools schon zum Verhängnis. «Unser junger, sehr anhänglicher, erst 17 Monate alter Kater musste am Weihnachtsabend einen grausamen Tod erleiden, weil er im Dunkeln in das nicht zugedeckte Schwimmbad der Nachbarn fiel», schrieb eine Leserin 2018 dem «Schweizer Katzenmagazin».

Der Tierschutzorganisation Network for Animal Protection (Netap) ist das Problem bekannt. «Es kommt immer wieder vor, dass Pools für Katzen zur Todesfalle werden», sagt Netap-Präsidentin und Juristin Esther Geisser. Regelmässig ertränken auch Igel, Frösche und andere Tiere in offenen Swimming Pools. Regentonnen seien ebenso gefährlich. «Leider sind die Pooleigentümer oft gleichgültig und nicht bereit, ihr Becken zu sichern.» Dabei gebe es einfache Tipps (siehe Box).

Esther Geisser, Präsidentin von Network for Animal Protection (Netap), rät Haltern, die ihr Tier durch den offenen Pool eines gleichgültigen Eigentümers verloren haben, sowohl zivilrechtlich als auch strafrechtlich gegen diesen vorzugehen. Zivilrechtlich können die Tierhalter Schadenersatz und den emotionalen Wert des Tiers, den sogenannten Affektionswert, geltend machen. Ein ungesicherter Pool kann auch strafrechtliche Folgen haben. «Wenn zum Beispiel nachgewiesen werden kann, dass der Eigentümer den Pool bewusst nicht sicherte oder schon einmal ein Tier im Pool ertrank und weiterhin auf die Abdeckung verzichtet wurde.»

Tierschützer machen darauf aufmerksam, Pools immer abzudecken, wenn sie nicht beaufsichtigt sind. Geisser: «Will man darauf verzichten, müssen wenigstens angemessene Vorrichtungen wie Rampen oder Inseln vorhanden sein.» Diese ermöglichen den Tieren, sich aus dem Pool zu retten. Netap hat dazu ein Merkblatt veröffentlicht.

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

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Offener Pool wird für Kater zur Todesfalle
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