Ruhiger Montagabend in der Stadt St.Gallen +++ Jungparteien schreiben Brief an Bundesrat +++ Polizei verhindert weitere Ausschreitungen

Für den Ostersonntagabend waren erneut Aufrufe lanciert worden, nach St.Gallen zu kommen und für Gewaltakte zu sorgen. Die Einsatzkräfte führten am Sonntag deshalb wie angekündigt strenge Personenkontrollen durch – mit Erfolg. Am Montagabend blieb es ruhig in der St.Galler Innenstadt.

20:25 Uhr

Ruhiger Montagabend in der Stadt St.Gallen

Ein menschenleerer Bahnhofplatz am Montagabend kurz nach 8 Uhr.

Ein menschenleerer Bahnhofplatz am Montagabend kurz nach 8 Uhr.

Bild: Marlen Hämmerli

Am Montagabend nach Ostern ist es in der Stadt St.Gallen nass, kalt und vor allem eines, was es die letzten Tage selten war; ruhig. Läuft man durch die Strassen der Innenstadt, vergisst man beinahe, was hier die letzten Tage los war. Der St.Galler Polizei Sprecher Roman Kohler bestätigt gegenüber Tagblatt-Online, dass es an diesem Abend nichts Spezielles zu vermelden gäbe.

Auch am Marktplatz trifft man an diesem Ostermontagabend niemanden an.

Auch am Marktplatz trifft man an diesem Ostermontagabend niemanden an.

Bild: Marlen Hämmerli

Der Rote Platz, gerade noch Schauplatz zweier Krawallnächte, ist wie leergefegt.

Der Rote Platz, gerade noch Schauplatz zweier Krawallnächte, ist wie leergefegt.

Bild: Marlen Hämmerli

16:06 Uhr

SP der Stadt St.Gallen verurteilt die Gewalt des Osterwochenendes

Auch die SP der Stadt St.Gallen verurteilt am Montagnachmittag in einer Medienmitteilung sowohl die Sachbeschädigungen als auch die massiven Angriffe auf die Polizei am Osterwochenende in der Stadt St.Gallen. Dies sei «in keiner Art und Weise» zu rechtfertigen.

Dass die Polizei nun jedoch «eine ganze Generation unter Generalverdacht stelle», sei unverhältnismässig. Die SP bezieht sich damit vor allem auf die 500 Jugendlichen, welche am Sonntagabend von der Polizei für 30 Tage aus der Stadt St.Gallen weggewiesen wurden. Dieses Vorgehen kriminalisiere eine grosse Anzahl Jugendlicher, welche sich nichts zu Schulden haben kommen lassen, so die Partei.

14:46 Uhr

Jungparteien wenden sich mit Offenem Brief an den Bundesrat

Als Reaktion auf die Ausschreitungen in St.Gallen haben die nationalen Jungparteien einen Offenen Brief an den Bundesrat geschrieben. Man verurteile die Gewalt, heisst es darin. Und: «In den Medienberichten gehen jedoch die Stimmen all jener Jugendlichen unter, die sich seit über einem Jahr an die Regeln halten. Unsere Generation braucht dringend wieder Perspektiven. Vor allem aber muss sie politisch gehört werden!» Die Jungparteien bitten die Landesregierung deshalb um einen Austausch.

Mehr Gehör für die junge Generation! 📣 Gemeinsam mit anderen Jungparteien fordern wir unter anderem einen Beirat mit allen Jungparteien & Jugendverbänden, um das zukünftige Krisenmanagement gemeinsam zu meistern. #Covid_19 ✉️👉🏼 https://t.co/rOmOkhYE0K pic.twitter.com/qV0h0ZCSkc

— Die Junge Mitte Schweiz | Jeunes du Centre Suisse (@DieJungeMitteCH) April 5, 2021

Unter anderem fordern die Jungparteien, dass die Anliegen der Jungen in einem Beirat mit Vertretung aller Jungparteien und Jugendverbände in die zukünftigen Entscheide des Krisenmanagements einfliessen. Weiter soll der Präsenzunterricht an Ausbildungsstätten «mit rigoroser Teststrategie und den entsprechenden Schutzkonzepten umgehend wieder ermöglicht werden», heisst es im Brief weiter.

12:08 Uhr

Alle 60 festgenommenen Personen wieder auf freiem Fuss

Festnahme am Sonntagabend.

Festnahme am Sonntagabend.

Bild: Raphael Rohner

Mittlerweile sind alle 60 Personen, die am Sonntagabend bei den rigorosen Polizeikontrollen in der Stadt St. Gallen auf den Polizeiposten gebracht wurden, wieder frei. Das sagte der St.Galler Polizeisprecher Roman Kohler am Montagmorgen gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die 500 Wegweisungen werde man noch analysieren, sagte Kohler weiter. Weggewiesene Personen, die sich ungerecht behandelt fühlten, hätten die Möglichkeit, sich schriftlich bei der Polizei zu beschweren.

Nicht nur Jugendliche eingebracht

Am Freitagabend wurden 19 Personen eingebracht, eine Person wurde verhaftet. Die verhaftete Person war gemäss Stadtpolizei ein 25-jähriger Schweizer. Die Jahrgänge der eingebrachten Personen reichen von 1988 bis 2005. Einer der eingebrachten Personen wurde eine Brechstange abgenommen.

10:46 Uhr

Die Grünen rufen dazu auf, die Spirale der Gewalt zu stoppen

In einer Stellungnahme äussern sich die Grünen Stadt und Region St.Gallen zu den Vorfällen des Osterwochenendes. Die Grünen hätten Verständnis dafür, dass viele Jugendliche frustriert sind, weil ihr soziales Leben, ihr Bedürfnis nach aussergewöhnlichen Erlebnissen und auch ihre berufliche Entwicklung durch die Coronamassnahmen behindert werden, heisst es.

«Das ist aber keine Rechtfertigung, Gewalt anzuwenden, Gebäude und Fahrzeuge zu beschädigen und sogar die Gesundheit von unbeteiligten Passantinnen und Passanten zu gefährden.»

Die Polizei hat aus Sicht der Grünen angemessen und mit Augenmass interveniert. «Die Eskalation, die leider dennoch eingetreten ist, ging von wenigen Einzelpersonen aus, die aus der Anonymität der Massen heraus ihre Wut an Gegenständen und Polizistinnen und Polizisten ausliessen.» Die Partei verurteilt die Ausschreitungen.

Die Grünen anerkennen das Bedürfnis der Jugendlichen. Einige Coronamassnahmen seien in der Vergangenheit zu Recht für junge Menschen gelockert worden. Von den vielen, die nicht auf Gewalt aus sind, erhoffen sich die Grünen, dass sie sich nicht an aggressiven Aufrufen in den Sozialen Medien beteiligen und stattdessen mit friedlichen Aktionen ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen. «Es soll nicht ein drittes Mal der Rahmen geschaffen werden, aus dem heraus einige gewalttätige Einzelpersonen eine destruktive Dynamik in Gang setzen können und sich andere im Rausch des Risikos an den möglichen Ausschreitungen aufheitern können.» So könnten alle mithelfen, die Spirale der Gewalt frühzeitig zu stoppen.

08:39 Uhr

Stadtpräsidentin Maria Pappa: «Es war nötig»

St.Gallens Stadtpräsidentin Maria Pappa äussert sich am Montagmorgen via Twitter zu den gestrigen Kontrollen. Sie schreibt, das Problem sei mit den Massnahmen vom Sonntagabend noch nicht gelöst:

1/2 mi den gestrigen Massnahmen in der Stadt haben wir sicherlich das Problem noch nicht gelöst, sondern nur Schadenbegrenzung betrieben.

Diese war jedoch in der akuten Situation nötig um die Gewaltspirale zu durchbrechen. Wir haben hier eine gesellschaftliche Konflikteskalation.

— Maria Pappa (@MariaAPappa) April 5, 2021

2/2 Wir haben eine gesellschaftliche Konflikteskalation.Die über ein Jahr dauernde Krisensituation und deren Bewältigung,löst für viele Unmut und verschiedene Ängste aus.All dies müssen wir als Gesellschaft aufarbeiten.Dazu braucht es Gespräche auf kantonaler und nationaler Ebene

— Maria Pappa (@MariaAPappa) April 5, 2021


Die Ereignisse vom Sonntagabend in der Zusammenfassung – Polizei verhindert weitere Ausschreitungen

07:12 Uhr

500 Personen weggewiesen – die Bilanz von Sonntagabend

Die St.Galler Stadtpolizei zieht am frühen Montagmorgen Bilanz über die vergangene Nacht. Gesamt wurden zwischen 18 Uhr und 1 Uhr 500 Personen weggewiesen. Infolge diverser Personenkontrollen wurden 60 Personen eingebracht und Abklärungen bezüglich möglicher Straftatbestände vorgenommen:

  • Eine Personengruppe, die 2,5 Liter Brennsprit und kleine, leere Flaschen mit sich führte, die mutmasslich als Molotowcocktails hätten dienen können, wurde angehalten.
  • Eine Person, die Brennsprit mit sich führte, wurde angehalten.
  • Diverses Vermummungsmaterial, Pyro und ein Messer wurden sichergestellt.
  • 25 Wegweisungen wurden missachtet.
  • Ein Gewahrsam aufgrund Fremd- und Eigengefährdung.

Die Polizei musste weder Gummischrot noch Reizgas einsetzen. Es kam zu keinen Ausschreitungen, keine Personen wurden verletzt und Sachschaden konnte weitestgehend verhindert werden. «Damit gelang es, die Dynamik um Gewaltaufrufe für die Stadt St.Gallen vorerst zu stoppen», heisst es in der Mitteilung der Polizei.

Die Polizei hat am Sonntagabend Präsenz markiert.

Die Polizei hat am Sonntagabend Präsenz markiert.

Bild: Sandro Büchler

Für Polizei und Stadtrat sind Wegweisungen verhältnismässig

Dem Stadtrat und der Stadtpolizei St.Gallen sei bewusst, dass die vielen Wegweisungen auch Fragen aufwerfen. «Nachdem nun schon zum dritten Mal in den Sozialen Medien sowie in Chats zu Gewalt aufgerufen wurde und es bereits zwei Mal trotz Dialogbereitschaft und anfangs zurückhaltendem Polizeieinsatz zu massiven Ausschreitungen kam, wurden die Wegweisungen in dieser ausserordentlichen Situation als verhältnismässig erachtet.»

Bei den vergangenen Ausschreitungen handelte es sich nicht um Verstösse gegen die Covid-19-Verordnung, schreibt die Polizei, «sondern um teilweise schon im Voraus gezielt vorbereitete Gewalt gegen Einsatzkräfte und Sachbeschädigungen». Die Abwägung, Personen aus der Stadt wegzuweisen oder erneut verletzte Personen und Sachschaden in Kauf zu nehmen, habe man sorgfältig vorgenommen.

Weiter seien die Personenkontrollen und Wegweisungen im Voraus klar kommuniziert worden. «Dank weniger Personen im öffentlichen Raum aufgrund der Wegweisungen, waren über den ganzen Abend gezielte Personenkontrollen und daraus resultierende Einbringungen erst möglich.»

«Begründeter Verdacht war gegeben»

Die Polizei kann vorübergehend Personen von einem Ort wegweisen oder fernhalten, wenn der begründete Verdacht besteht, dass sie oder die Ansammlung, der sie zuzurechnen sind, die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährden oder stören. «Dies war aufgrund zweier kürzlich vorangegangenen Aufrufen zu Gewalt, welche beide in Ausschreitungen, verletzten Personen und Sachschaden mündeten, gegeben.»

Die Wegweisungen stellten sicher, dass bei erneuten Aufrufen zu Gewalt, sich die betroffenen Personen nicht in der Stadt, respektive dem entsprechenden Perimeter (Innenstadt/Drei Weieren) aufhalten dürfen. Die Wegweisungen verhinderten nicht, dass betroffene Personen sich zwecks Arbeit, Schule oder Ähnlichem in der Stadt St.Gallen bewegen, sofern für diesen Zeitraum nicht ein Aufruf zu Gewalt vorliege, heisst es weiter.

23:16 Uhr

Zustrom von Menschen am Bahnhof lässt nach – bis dato keine Gewaltvorfälle bekannt

Die St.Galler Stadtpolizei hat die Lage rund um den Bahnhof und in der Stadt nach wie vor unter Kontrolle, wie es scheint. Auf Anfrage erklärt Sprecher Klaus-Dieter Mennel, bis dato seien ihm keinerlei Gewaltvorfälle bekannt.

«Aber klar, es gab Leute, die sich negativ geäussert haben. Nicht jeder hat Freude, wenn er weggewiesen wird.»

Klaus-Dieter Mennel, Mediensprecher Stadtpolizei St.Gallen.

Klaus-Dieter Mennel, Mediensprecher Stadtpolizei St.Gallen.

Bild: pd

Die Polizei hat laut Klaus-Dieter Mennel nicht nur am Hauptbahnhof, sondern auch in der Innenstadt und an den Einfallstoren zur Stadt Kontrollen durchgeführt. Wie viele Wegweisungen ausgesprochen wurden, könne er derzeit nicht sagen, so Mennel.

Der Zustrom von Menschen am Hauptbahnhof hat gemäss dem Polizeisprecher im Verlauf des Abends deutlich nachgelassen. Trotzdem markiert die Polizei weiterhin Präsenz.

22:05 Uhr

Die Polizei meldet sich in den Sozialen Medien zu Wort und erklärt sich zu aufkommenden Vorwürfen, ihr Vorgehen sei unverhältnismässig:

1/3 Diverse Wegweisungen in St.Gallen: Personen müssen glaubhaft erläutern, dass sie nicht den Gewaltaufrufen folgen oder nur in die Stadt kommen, um mögliche Ausschreitungen mitzuerleben. Wir können aufgrund der Lage keine langen Einzelgespräche führen & bitten um Verständnis.

— Stadtpolizei SG (@StapoSG) April 4, 2021

2/3 Die Wegweisungen verbieten es betroffenen Personen übrigens nicht, in der Stadt St.Gallen bspw. zur Arbeit oder in die Schule zu gehen.

— Stadtpolizei SG (@StapoSG) April 4, 2021

3/3 Wir werden nach Ende des Polizeieinsatzes über Details informieren und bitten weiterhin, sich den Gewaltaufrufen nicht anzuschliessen.

— Stadtpolizei SG (@StapoSG) April 4, 2021

21:30 Uhr

Personenkontrollen auch in der Innenstadt

Neben den Kontrollen am Bahnhof werden auch Personen in der Innenstadt kontrolliert – so unter anderem vor dem Blumenmarkt.

Bild: FM1 Today

21:15 Uhr

Bislang keine Zwischenfälle in der Stadt – Polizei spricht zahlreiche Wegweisungen aus

Bislang kam es an diesem Ostersonntagabend zu keinen Zwischenfällen im Kontext der im Vorfeld getätigten Gewaltaufrufen, wie Polizeisprecher Klaus-Dieter Mennel gegenüber Tagblatt Online bestätigt. Am Bahnhof werden ankommende Jugendliche vehement kontrolliert. Wer nicht glaubhaft schildern könne, dass die Anreise in keinem Zusammenhang mit den Aufrufen steht, werde weggewiesen, so Mennel. Wegweisungen gelten für 30 Tage – begründet werden diese folgendermassen:

«Anlässlich der Ostern 2021 wurde zu Gewaltakten in der Stadt St.Gallen aufgerufen. Die genannte Person steht im Verdacht, sich an solchen Vorkommnissen aktiv oder passiv (Gafferei) beteiligen zu wollen bzw. beteiligt zu haben.»

20:53 Uhr

Empfang am Bahnhof St.Gallen: Jugendliche werden rigoros kontrolliert

Videoaufnahmen zeigen, dass Jugendliche von der Polizei ausnahmslos kontrolliert werden. Vor der Personenkontrolle bildet sich eine Schlange.

20:02 Uhr

Polizeihelikopter über der Stadt St.Gallen?

Auf Twitter kursieren Bildaufnahmen, die einen Helikopter über der Stadt St.Gallen zeigen – ob ein Polizeihelikopter im Einsatz ist, wurde bislang von der Stadtpolizei nicht bestätigt.

Jetzt geht das wieder los… 🚁 👮‍♂️🚨 👮 🚁#StGallen pic.twitter.com/CHWGIvyy8p

— Rafael Zeier (@RafaelZeier) April 4, 2021

20:31 Uhr

Die Strassen in St.Gallen sind wie leergefegt – hohe Polizeipräsenz

Die Situation in der St.Galler Innenstadt erinnert derweil an einen Lockdown. Wer unterwegs ist, trägt mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Uniform.

Unterwegs in einen hoffentlich friedlichen Abend: Die Polizei kurz nach 20 Uhr vor dem St.Galler Kloster.

Unterwegs in einen hoffentlich friedlichen Abend: Die Polizei kurz nach 20 Uhr vor dem St.Galler Kloster.

Bild: Raphael Rohner

20:18 Uhr

Polizei nimmt Gewaltaufrufe «sehr ernst» – gespenstische Stimmung in der Stadt

In der Stadt ist es bislang ruhig, sehr ruhig sogar, geradezu gespenstisch. Die Polizei markiert, vom Marktplatz bis zum Bahnhof, an allen Ecken der Innenstadt Präsenz. Man nehme die in sozialen Netzwerken getätigten Gewaltaufrufe sehr ernst, so Polizeisprecher Klaus-Dieter Mennel gegenüber Tagblatt Online. Denn diese seien, im Unterschied zu den Gewaltaufrufen für gestern, konkreter ausgefallen.

Am Marktplatz, Multertor, Roter Platz, Kornhausstrasse, Klosterhof und am Bahnhofplatz: Die Polizei ist am frühen Sonntagabend in St.Gallen omnipräsent.

Am Marktplatz, Multertor, Roter Platz, Kornhausstrasse, Klosterhof und am Bahnhofplatz: Die Polizei ist am frühen Sonntagabend in St.Gallen omnipräsent.

Bild: pd

20:00 Uhr

Stadtpolizei und Stadtrat appellieren am Nachmittag an die Jugendlichen und Eltern

(ok) Nach einem wolkenlosen Ostersonntag dunkelt es ein in der Gallusstadt. Der Samstagabend, die Nacht nach den Krawallen, blieb ohne Zwischenfälle – doch erneut kursierten für den Sonntagabend Aufrufe zur Gewalt. So appellierte die Stadtpolizei gemeinsam mit dem St.Galler Stadtrat am Sonntagnachmittag an die Jugendlichen und an deren Eltern:

«Lassen Sie Ihre Kinder heute Abend nicht nach St.Gallen.»

Überdies kündigte die Stadtpolizei ausgedehnte Personenkontrollen in der Innenstadt an; potenziell gewaltsuchende Jugendliche und Schaulustige hätten mit einer Wegweisung zu rechnen. Bislang ist alles ruhig in der Stadt. Wie entwickelt sich die Situation? Wir halten Sie an dieser Stelle auf dem Laufenden.

Von Menschen verlassen: Am Roten Platz halten sich am Samstagabend, 19.30 Uhr, keine Jugendlichen auf.

Von Menschen verlassen: Am Roten Platz halten sich am Samstagabend, 19.30 Uhr, keine Jugendlichen auf.

Bild: pd


Der Samstagabend in der Zusammenfassung: Am Tag und der Nacht nach den Krawallen bleibt es ruhig in der St.Galler Innenstadt

Das derzeitige Zentrum des St.Galler Nachtlebens: Jugendliche versammeln sich auch am Samstagabend am Roten Platz – es bleibt bislang friedlich.

Das derzeitige Zentrum des St.Galler Nachtlebens: Jugendliche versammeln sich auch am Samstagabend am Roten Platz – es bleibt bislang friedlich.

Bild: Raphael Rohner

(ok) Es ist die Ruhe nach dem Sturm, der am Freitagabend zwei Verletzte und 50’000 Franken Schaden verursachte. Aber bleibt es am Samstagabend tatsächlich still in der St.Galler Innenstadt?

Bei der Stadtpolizei St.Gallen geht man davon aus, so Sprecher Roman Kohler gegenüber Tagblatt Online am frühen Samstagabend. Gleichzeitig habe die Polizei von erneuten Aufrufen zu Gewalt Notiz genommen. Am Samstag kursierten in sozialen Netzwerken Mitteilungen, in denen unter anderem dazu aufgerufen wurde, am Abend des Ostersonntags «noch einmal, aber so richtig zu eskalieren».

Sie waren gestern dabei: Zwei Jugendliche posieren mit Aufnahmen ihrer gestrigen Verhaftung.

Sie waren gestern dabei: Zwei Jugendliche posieren mit Aufnahmen ihrer gestrigen Verhaftung.

Bild: Raphael Rohner

Am Samstag bleibt eine solche Eskalation vorerst aus. Gemäss der Stadtpolizei, welche die Situation laufend beurteilt, ist es bis am Ostersonntag zu keinen Zwischenfällen gekommen. «Es hielten sich Jugendgruppen in der Stadt auf, die aber keine Probleme bereiten», so Polizeisprecher Roman Kohler. Unter anderem versammeln sich die Jugendlichen am Roten Platz, auf dem Gallusplatz und auf Drei Weieren.

Kurz vor 23 Uhr knallt es doch noch in St.Gallen – anscheinend wurde ein Böller gezündet. Die Stadtpolizei St.Gallen bestätigt dies, spricht aber weiterhin von einer insgesamt ruhigen Lage. So klingt der Abend aus, wie er eingeläutet wurde: Mit einer beschwichtigenden Stadtpolizei und – trotz lauter Musik – friedlichen Jugendlichen. Ein alltägliches Bild, das am Karfreitag jäh durcheinandergewirbelt wurde.


Die Ereignisse vom Karfreitag in der Zusammenfassung: Zu Beginn fliegen Feuerwerkskörper, später Molotow-Cocktails

Chaotische Zustände am Karfreitag in der Stadt St.Gallen.

Video: Raphael Rohner

«Wir lassen uns nicht mehr einsperren – Corona und die Regierung können uns endgültig», schreit eine 17-Jährige am Karfreitagabend am Roten Platz in St.Gallen. Gleich neben ihr wirft ein junger Mann eine Glasflasche gegen eine Kette aus Polizisten. Den zweiten Freitag in Folge ist es in der Stadt St.Gallen zu Krawallen zwischen der Polizei und Jugendlichen gekommen. Fliegen am Anfang noch Feuerwerkskörper, sind es am Ende Molotow-Cocktails, Steine und Blumentöpfe. Die Polizei ist mit einem Grossaufgebot vor Ort und begegnet den Krawallen mit Gummischrot und Tränengas.

Bis 21 Uhr sammeln sich mehr und mehr Jugendliche auf dem Roten Platz. Dort wo es eine Woche zuvor schon zu Gewaltausbrüchen gekommen war. Am Ende sind es mehrere hundert Personen. Dann, kurz nach 21 Uhr eskaliert die Situation ein erstes Mal. Jugendliche, die auf Gewalt aus sind, verteilen sich in kleinen Gruppen in der St.Galler Innenstadt, um sich Scharmützel mit der Polizei zu liefern.

Diese hatte zum Beginn des Abends am Hauptbahnhof und am Roten Platz Präsenz markiert. Über der Stadt kreist ein Polizeihelikopter, um die Lage von oben zu beobachten. Im Einsatz stehen Polizeikorps aus der ganzen Ostschweiz.

1000 Jugendliche aus der ganzen Deutschschweiz

Zwischenzeitlich kühlt sich die Stimmung wieder ab. Die Zahl der Jugendlichen steigt aber weiter an. Durch die ganze Innenstadt ziehen geschätzt 1000 Personen. Sie sind aus der ganzen Deutschschweiz nach St.Gallen gereist. Zwei junge Männer aus Bern und Thun sagen:

«Hier läuft etwas. Darum sind wir hier her gekommen.»

Ein grosser Teil der Jugendlichen ist nicht auf Gewalt aus. Viele sind Mitläufer, solche, die etwas erleben möchten oder einfach neugierig sind. Vom Randalieren halten sich viele der jungen Leute gegenseitig ab. In der Multergasse will ein Jugendlicher einen Stein gegen ein Schaufenster werfen, doch halten ihn andere davon ab:

«Das ist blöd: Schiess lieber auf die Polizei!»

Trotzdem: Einige wenige Chaoten genügen, um die Stimmung kippen zu lassen. Um 22.30 Uhr eskaliert die Lage erneut beim Neumarkt. Molotow-Cocktails fliegen, einer landet in einem Fenster an der Teufener Strasse. Auf dem Vadianplatz legen Vandalen Feuer. Es brennen ein Einkaufswagen und zwei Velos. Und auf der St.Leonhard-Strasse, zwischen Tibits, UBS und St.Galler Kantonalbank, zünden die Chaoten einen Container an.

Beim Bahnhofplatz zündeten Chaoten einen Container an.

Beim Bahnhofplatz zündeten Chaoten einen Container an.

Bild: Michel Canonica

Beim Bahnhofplatz ist Schluss

Stück für Stück gelingt es der Polizei, die Jugendlichen beim Bahnhofplatz zusammen zu drängen. Es kommt zu einer Strassenschlacht. Petarden fliegen. Die Polizei setzt sich mit Gummischrot und Tränengas zur Wehr.

Gegen Mitternacht legt sich der Rauch aber. Viele Junge haben die Gelegenheit ergriffen und sind nach Hause gegangen. Langsam kehrt wieder Ruhe ein. Zurück bleibt ein Bild der Zerstörung.

19 Personen wurden «zwecks Abklärung von Straftatbeständen» auf den Polizeiposten gebracht. Zwei Personen wurden verletzt. Zur Höhe des Sachschadens konnte die Stadtpolizei am Samstagmorgen auf Anfrage keine Angaben machen. Auch auf die Frage, ob übers Osterwochenende mit weiteren Krawallen zu rechnen ist, konnte Mediensprecher Roman Kohler noch keine Antwort geben.

Um 13 Uhr informiert die St.Galler Stadtpolizei an einer Medienkonferenz über die Geschehnisse der vergangenen Nacht. Tagblatt.ch tickert live.

Der Liveticker zum Nachlesen

00:40 Uhr

Der Bahnverkehr am Hauptbahnhof war während den Krawallen praktisch nicht beeinträchtigt. Auch die Appenzeller Bahnen fuhren noch. Jedoch ist der Bahnhofplatz für sämtlichen Busverkehr gesperrt. Die Busse fahren stattdessen über die Rosenbergstrasse und halten auch dort.

00:31 Uhr

Das Geknalle ist verstummt. Trotzdem halten sich auf dem Bahnhofplatz und am Bahnhof Nord noch rund 100 Personen auf. Die Stimmung ist aber nicht mehr so angespannt wie noch vor wenigen Minuten. Auch die Menge beruhigt sich wieder.

00:16 Uhr

Bild: Dinah Hauser

Der Garten des Vegi-Restaurants Tibits ist verwüstet. Am Boden liegen Tränengas-Kartuschen und Gummischrot. Von den Geleisen am Hauptbahnhof her knallt es noch, sonst ist es ruhig. Auch der Helikopter, der während Stunden über der Stadt kreiste, ist nicht mehr zu hören.

Bild: Dinah Hauser

00:12 Uhr

Vor einer Stunde hat sich die Situation beruhigt. Die St.Leonhard-Strasse ist vor dem Kornhausplatz scherbenbedeckt. An jeder Ecke stehen Polizisten, sonst aber sind deutlich weniger Leute zu sehen. Nur am Bahnhofplatz ist noch etwas los.

23:54 Uhr

Die Bilder der Nacht in unserer Galerie:

23:52 Uhr

Es sieht aus als wäre das Gröbste vorbei. Der Bahnhof ist grösstenteils geräumt. Ein kleines Grüppchen treibt sich noch in der Merkurstrasse herum, verstreut sich aber.

23:23 Uhr

Die Polizei hat die Jugendlichen am Bahnhofplatz zusammengetrieben und den Platz abgeriegelt.

23:11 Uhr

Auf der Kreuzung zwischen St.Galler Kantonalbank und UBS brennt es. Jugendliche haben sich hier zusammengerottet, wie früher am Abend auf dem Roten Platz. Petarden fliegen durch die Luft. Die Polizisten sind mit Gasmasken ausgerüstet, einige der Jungen haben sich mit Skimasken vermummt. Im Hintergrund stehen Jugendliche, die jene vorne anfeuern.

23:09 Uhr

Beim Bushof wird wieder gezündet:

23:03 Uhr

Jugendliche rennen über den Bahnhofsplatz. Dann sammeln sich 50 bis 100 junge Leute an der Kornhausstrasse, vor der UBS. Sie werfen Petarden und singen Sprechchöre.

22:56 Uhr

Die Polizei wird mit Molotowcocktails beworfen:

Polizei wird mit Molotowcocktails beworfen. Gegenstände werden in Brand gesetzt. Wir rufen eindringlich dazu auf, keine Gewalt gegen Polizisten auszuüben und keine Sachbeschädigungen zu begehen.

— Stadtpolizei SG (@StapoSG) April 2, 2021

22:53 Uhr

Kurz vor 23 Uhr scheint der Rote Platz wie leergefegt. Nur noch ein paar Dutzend Jugendliche stehen in Kleingruppen herum, es ist ruhig. Die Versammlung hat sich hier aufgelöst.

Ein Bild des Roten Platzes, aufgenommen um kurz vor 23 Uhr.

Ein Bild des Roten Platzes, aufgenommen um kurz vor 23 Uhr.

Bild: Daniel Wirth

22:48 Uhr

Es brennen ein Einkaufswagen und zwei Velos:

Bild: Dinah Hauser

22:48 Uhr

Einige der Jugendlichen, die auf Krawall aus sind, haben auf dem Vadianplatz zwischen Brunnen und Veloständern ein Feuer angezündet und füttern es. Auf der anderen Seite des Platzes bezieht die Polizei Stellung. Im Einsatz stehen übrigens nicht nur Stadt- und Kantonspolizei St.Gallen, sondern Korps von Schaffhausen bis Graubünden.

22:34 Uhr

Oberhalb vom Neumarkt, an der Teufener Strasse, halten Stadtbusse und ein Postauto. Denn weiter unten versperren Jugendliche die Weiterfahrt. Polizisten mit Schutzschilden rücken vor, um die jungen Leute nötigenfalls von der Teufener Strasse wegzudrängen:

Bild: Dinah Hauser

22:26 Uhr
22:25 Uhr

Die Lage ist sehr fragil, könnte ruhig bleiben oder auch wieder kippen. Auf dem Roten Platz bewegt sich die Menschenmenge langsam in Richtung Neumarkt. Vereinzelt fliegen Feuerwerkskörper und Flaschen. Vor dem Neumarkt nehmen einzelne Jugendliche Teile einer Strassenbaustelle mit.

22:19 Uhr

Die Reaktionen in den Sozialen Medien sind deutlich. Die Junge-Mitte-Präsidentin Sarah Bünter schreibt:

Manchmal muss man etwas einfach beim Namen nennen.

Einfach nur RESPEKTLOS und SCHEISSE. pic.twitter.com/SdPZ9ptLGW

— Sarah Bünter (@SarahBuenter) April 2, 2021

22:16 Uhr

Inzwischen haben sich die beginnenden Krawalle wieder beruhigt. Daraus entstanden ist eine grosse Versammlung. Geschätzt sind gegen 1000 Personen aus der ganzen Deutschschweiz in den Gassen von St.Gallen unterwegs.

22:06 Uhr

Aus Richtung des Roten Platzes knallt es. Derweil ist es auf dem Klosterplatz still, geradezu friedlich. Auch hier haben sich einige Jugendliche eingefunden. «Wir wollen den Abend geniessen und ein wenig zusammen sein.»

21:54 Uhr

Stadtpräsidentin Maria Pappa war heute Abend auch vor Ort. Das Interview:

21:51 Uhr

Die ersten Bilder aus der zweiten Krawallnacht:

21:49 Uhr

Die Stadtpolizei bittet Schaulustige derweil, nach Hause zu gehen.

Kurz nach 21 Uhr wurden Einsatzkräfte mit Gegenständen beworfen und mussten aus Notwehr Gummischrot einsetzen. Wir rufen die betroffenen Personen auf, sich friedlich zu verhalten. Die vielen Schaulustigen bitten wir, nach Hause zu gehen.

— Stadtpolizei SG (@StapoSG) April 2, 2021

21:42 Uhr

Inzwischen ist die Stimmung auf dem Roten Platz wieder etwas abgekühlt, ist nicht mehr so aggressiv. Was aber nicht heisst, dass weniger Personen vor Ort sind. Im Gegenteil, es sind gar mehr als vergangenen Freitag. Etwa 300 bis 350 Jugendliche haben sich eingefunden und drängen sich in einer Menschenmasse vor der Pizzeria Mamma Assunta. Es scheint, sie haben sich nach ihrem Streifzug durch die Innenstadt wieder zusammengefunden. Die Polizei beobachtet die Situation. Mitten hindurch bahnen sich zwei Reisende mit Koffern ihren Weg.

21:30 Uhr

Hunderte Jugendliche sind am Roten Platz versammelt.

Hunderte Jugendliche sind am Roten Platz versammelt.

Bild: Raphael Rohner

Natürlich sind nicht alle Jugendlichen auf Krawall aus. Es gibt auch welche, die sagen, von Sachbeschädigung hielten sie nichts. An der Multergasse will ein junger Mann die Scheibe eines Kleidergeschäftes einschlagen. Sein Kollege ruft: «Nein, nein, nein!» Und zieht ihn weiter.

21:26 Uhr

Über St.Gallen dreht inzwischen ein Polizeihelikopter seine Runden. Am Boden setzt sich die Polizei mit Gummischrot zur Wehr.

21:23 Uhr

Vor Ort sind nicht nur Jugendliche aus St.Gallen oder der Ostschweiz. Auch Junge aus Bern und Thun sind gekommen. Es gefalle ihnen in der Stadt St.Gallen. «Hier läuft etwas.» Die Nacht wollen sie durchmachen. Nach Hause kommen sie ja mit dem ÖV sowieso nicht mehr.

21:22 Uhr

Die Jugendlichen ziehen durch die Stadt, bewaffnet mit Knüppeln und Feuerwerk. Die Polizei ist überfordert. Zwar kann sie die Jungen einkesseln, aber jeweils nur kurz.

21:18 Uhr

Um kurz nach 21 Uhr beginnt die Lage zu eskalieren.

Was bisher geschah

Rund 200 Jugendliche haben sich am Karfreitagabend in St.Gallen auf dem Roten Platz versammelt – wie vergangene Woche. Erst ist die Stimmung ruhig. Die Jugendlichen stehen in Gruppen beieinander, reden. Auch die Polizei ist vor Ort. Wie angekündigt markiert sie Präsenz und beobachtet die Situation. Einige Jungen haben Feuerwerkkörper gezündet, begleitet von Applaus anderer Jugendlicher.

Dann eskaliert die Stimmung plötzlich. Die Menschenmasse teilt sich in mehrere Gruppen auf. Eine zieht durch die Multergasse gen Marktplatz. Eine andere bleibt auf dem Roten Platz. Jugendliche schiessen mit Böllern. Polizeisirenen ertönen. Die Polizisten vor Ort wirken überfordert, weil die Jugendlichen in kleinen Gruppen in mehrere Richtungen abhauen.

Stadtpräsidentin Maria Pappa und Karin Winter-Dubs, Fraktionspräsidentin der SVP im St.Galler Stadtparlament, sind ebenfalls auf dem Roten Platz – um das Gespräch zu suchen, damit die Lage nicht eskaliert. Winter-Dubs sagt: «Gewalt ist keine Lösung, auch nicht bei Frust.» Als die Situation zu eskalieren scheint, gehen beide in Deckung.

Hoher Sachschaden nach Krawallen

Vor einer Woche hatten sich rund 100 Personen auf Drei Weieren eingefunden für eine Party. Die Polizei löste die Versammlung auf, friedlich. Dann aber artete es aus. Gegen 22.30 Uhr versammelten sich über 200 Jugendliche auf dem Roten Platz. Die Stimmung wurde immer aggressiver. Am Ende bezifferte die Polizei den Sachschaden mit mehreren 10’000 Franken. Ein Polizist wurde verletzt, es gab zahlreiche Wegweisungen, neun Festnahmen und 60 Personen wurden kontrolliert. Für das Osterwochenende kursierten auf diversen Kanälen in den Sozialen Medien Aufrufe für erneute Krawalle.

Polizei verhindert weitere Ausschreitungen +++ 500 Personen weggewiesen +++ Alle 60 Festgenommenen wieder auf freiem Fuss
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