Roberto Cirillo schafft, was seinen drei Vorgängern nicht gelungen ist – er darf die Preise erhöhen

Sie hat es in den vergangenen 18 Jahren immer wieder versucht, doch jetzt klappt es: Die Preise für A- und B-Post steigen per Januar 2022.

Nur ein bisschen hebt die Post die Preise für Briefe. Im Bild: Roberto Cirillo, neuer CEO der Schweizerischen Post.

Nur ein bisschen hebt die Post die Preise für Briefe. Im Bild: Roberto Cirillo, neuer CEO der Schweizerischen Post.

Keystone

Im Frühjahr wurde noch gefeiert, wenigstens offiziell. Und mit einer eigenen Briefmarke. Respektive mit zwei: je eine für die beiden Buchstaben, die seit immerhin 25 Jahren das Schweizer Postsystem mit seinen zwei Geschwindigkeiten prägen, die wiederum zu zwei unterschiedlichen Preisen zu haben sind. Hinter den Kulissen hingegen wurde schon heftig gefeilscht, und zwar genau um diese Preise. Und ihre Erhöhung.

Monatelang sollen sich die Verhandlungen mit dem Preisüberwacher hingezogen haben. Ursprünglich wollte die Post die Preise für die A-Post um 20 Rappen und jene für die B-Post um 10 Rappen erhöhen, musste sich aber dann letztlich mit der Hälfte zufriedengeben – und zusätzlich Preisabschläge im Paketbereich hinnehmen.

Die Briefpost ist noch immer ein Milliardengeschäft

Der Vorvorvorvorgänger von Roberto Cirillo, Ulrich Gygi, hat die letzte Preiserhöhung in der Briefpost durchgeboxt.

Der Vorvorvorvorgänger von Roberto Cirillo, Ulrich Gygi, hat die letzte Preiserhöhung in der Briefpost durchgeboxt.

Und so steigt ab 2022 das Porto für die A-Post von 1 auf 1.10 Franken, für die B-Post von 85 auf 90 Rappen. Damit hat Post-Chef Roberto Cirillo das geschafft, was bis heute nur seinem Vorvorvorvorgänger Ulrich Gygi gelungen ist: Dieser durfte 2004 den Preis für A-Briefe von 90 Rappen auf 1 Franken, jenen für B-Briefe von 70 auf 85 Rappen erhöhen. Das war vor 18 Jahren, seitdem sind alle Post-Chefs mit ihren Begehren bei den Behörden gescheitert. Und es ist nicht so, dass sie es nicht versucht hätten.

Wie hoch die dadurch gewonnenen Zusatzeinnahmen sind, will die Post nicht verraten. Sie dürften sich derzeit aber auf ein paar Dutzend Millionen Franken summieren – und dann über die Jahre sinken, weil das Briefvolumen stetig sinkt, gemäss Post-Angaben um rund fünf Prozent pro Jahr.

Im vergangenen Jahr wurden 508 Millionen A-Post-Briefe und knapp 1,2 Milliarden B-Post-Briefe verschickt. Das heisst: Auch wenn alle das Ende des Briefes herbeireden, er ist noch immer ein Milliardengeschäft – und die Haupteinnahmequelle des Postkonzerns.

Das zeigt auch der Vergleich mit der Paketpost. Die steilen, von Zalando und Co. getriebenen Wachstumszahlen von mehr als 15 Prozent bei den Päckchen im ersten Halbjahr 2021 können gemäss Post den vergleichsweise moderaten Rückgang von 0,9 Prozent bei den Briefen in der gleichen Periode «nicht vollständig» kompensieren.

Die Logistiksparte, welche die per Anfang Jahr zusammengelegte Brief- und Paketpost umfasst, ist das Fundament des Postkonzerns. Hier erwirtschaftet der Bundesbetrieb rund zwei Drittel seines Umsatzes sowie praktisch den gesamten Gewinn.

Unter dem Strich bleibt für den Gesamtkonzern in den ersten sechs Monaten ein Profit von 247 Millionen Franken. Das ist eine massive Verbesserung gegenüber der Vorjahresperiode, damals lag der Gewinn – coronabedingt – bei bescheidenen 30 Millionen Franken. Die Post habe sich von der Krise erholt, sagt Konzernchef Cirillo.

Wachstum ist angestrebt

Doch die Post will mehr, sie will wieder wachsen. «Wachstum» ist denn auch Cirillos Hauptbotschaft, die er bei jeder Gelegenheit wiederholt, und sein Hauptziel, das er mit seiner neuen Strategie zu erreichen hofft. Die Post-Realität jedenfalls sieht heute anders aus: In den letzten fünf Jahren ist der Umsatz des Staatskonzerns um über eine Milliarde Franken geschrumpft, und der Betriebsgewinn hat sich im gleichen Zeitraum mehr als halbiert.

Grösstes Wachstumspotenzial ortet Cirillo in der Logistiksparte, weshalb er in den Ausbau der Sortier- und Zustellinfrastruktur investieren will. Und das nicht zu knapp. Budgetiert sind bis 2030 insgesamt 1,2 Milliarden Franken. Zu den Investitionen gehören auch Übernahmen, auch im benachbarten Ausland: So hat die Post im ersten Halbjahr mehrere Güterlogistikfirmen übernommen, etwa in Como, Italien, oder in Stuttgart, Deutschland.

Digitales Geschäft macht weniger Umsatz als Verlust

Faktisch inexistent ist das zweite Standbein der Post, das Cirillo unter dem Namen «Kommunikations-Services» ausbauen will und in welchem die digitalen, neuen Geschäftsfelder gebündelt werden sollen. Dieses konzerninterne, stark defizitäre Start-up-Becken trägt im laufenden Jahr nach sechs Monaten gerade mal bescheidene 16 Millionen Franken zum Umsatz bei, muss aber gleichzeitig einen Verlust von 31 Millionen Franken verbuchen. Damit vernichtet dieser Zweig fast gleich viel Geld wie das Poststellennetz (-41 Millionen Franken), das aber immerhin einen Beitrag zum Service Public leistet.

Auch bei den «Kommunikations-Services» will Cirillo investieren, und auch hier wird die Post in den nächsten Monaten und Jahren immer wieder Übernahmen tätigen. Und immer wieder eine politische Diskussion entfachen zur Frage, in welche privatwirtschaftlichen Gefilde sich ein Bundesbetrieb vorwagen darf oder eben nicht.

Das Geld für all die geplanten Investitionen und Zukäufe muss die Post selber aufbringen: Durch Verkäufe, etwa von der aufs digitale Dokumentenmanagement spezialisierten Swiss Post Solutions (SPS), durch Sparprogramme – und eben auch durch Preisaufschläge, wie jetzt bei der A- und B-Post.

Auch wenn der Deal, den die Post jetzt mit Preisüberwacher Stefan Meierhans ausgehandelt hat, «ergebnisneutral» ist, wie Letzterer betont. Unter dem Strich dürfte die Rechnung für die Post und ihren Chef aufgehen, sonst hätten sie nicht solange dafür gekämpft.

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