Salt lanciert ein neues Billig-Abo, Sunrise und Swisscom greifen ebenfalls an – doch die Schnäppchen-Angebote haben Haken

Für unter 10 Franken pro Monat bringt Salt ein Abo mit allen Leistungen inklusive. Sunrise UPC hält mit Swype dagegen, Swisscom mit Wingo. Doch alle Abos haben ihre Fallstricke.

Der Kampf um günstige Mobil-Abos geht in eine neue Runde.

Der Kampf um günstige Mobil-Abos geht in eine neue Runde.

Heather McKean / Unsplash

Salt ziert sich nicht mit falscher Bescheidenheit. Der Telekom-Anbieter verspricht in einer Medienmitteilung «Revolutionäres» – die «wichtigste Telekom-Produkteinführung des Jahres». Doch was am Montagmorgen kam, war eher unspektakulär: Ein dreiminütiger Werbefilm informierte über ein neues Abo-Modell namens «Go-Mo», das Salt in der Schweiz lanciert.

Spektakulär mutet immerhin die Kampagne an: Die ersten 50’000 Kunden erhalten unlimitiertes Internet, Anrufe und SMS innerhalb der Schweiz für 9.95 Franken pro Monat, und zwar lebenslang. Danach steigt der Preis – auf welche Höhe, gab Salt nicht bekannt. Er dürfte aber im Bereich vergleichbarer Abos bei 15 bis 20 Franken pro Monat zu liegen kommen.

Abstriche im Service

Mit Go-Mo bekommt nun auch Salt ein Günstig-Abo für die preisbewusste Kundschaft und lanciert den Wettbewerb neu. Mit viel Werbung versucht derzeit vor allem die Swisscom, mit ihrem Billig-Angebot «Wingo» Kunden zu gewinnen. Bis Ende November erhalten es Neukunden für 19.95 Franken pro Monat. Mit 20 Franken pro Monat nur unmerklich teurer, dafür ohne Anmeldegebühr zieht Sunrise UPC mit dem Abo «Swype» in den Preiskampf.

Die Günstigangebote kommen dank Abstrichen beim Service zusammen. Anmelden können sich Kunden nur online, der Kundendienst besteht entweder aus Online- oder Whatsapp-Chats, die nur zu Bürozeiten bedient sind, oder einer kostenpflichtigen Hotline. Inklusivleistungen im Ausland gibt es nicht. Diese müssen entweder dazu gekauft werden oder werden zu stolzen Tarifen abgerechnet. Salt verrechnet ein Gigabyte Internet im europäischen Ausland im Go-Mo-Abo mit 25 Franken.

Die Billig-Abos der drei Grossen

Kriterium Wingo Go-Mo Swype
Anbieter Swisscom Salt Sunrise UPC
Leistungen Daten, Anrufe, SMS in der Schweiz inklusive Daten, Anrufe, SMS in der Schweiz inklusive Daten, Anrufe, SMS in der Schweiz inklusive
Zusätzliche Kosten 40 Fr. Aktivierungsgebühr 39.95 Fr. Aktivierungsgebühr
Tarife Ausland Internet in Europa: 15.90 Fr./GB, Anrufe: 0.60 Fr./Min Internet in Europa: 25 Fr./GB, Anrufe 0.45 Fr./Min Internet/Anrufe in Europa für 3 Fr./Tag
Anmeldung online online online
Kundendienst Hotline Mo-Sa für 1.50 Fr./Min Online-Chat werktags Whatsapp-Chat werktags
Preis

Hinzu kommt: Alle Anbieter limitieren die Internetgeschwindigkeiten. So können Kundinnen und Kunden mit ihren Smartphones zwar auf den 4G-Netzen von Swisscom, Sunrise UPC und Salt surfen. Das schnellere 5G-Netz bleibt ihnen aber vorenthalten – auch wenn Sunrise UPC für Go-Mo demnächst eine zubuchbare 5G-Option anbieten will.

Zudem legen die Anbieter selbst fest, was als «normaler Gebrauch» gilt. Bei Go-Mo gehört etwa die Verwendung eines Handys als WLAN-Hotspot zum Arbeiten unterwegs nicht dazu. Im Ausland ist dieser Verwendungszweck gemäss Vertrag untersagt.

Salt verkauft fast immer mit Rabatt

Doch auch mit diesen Einschränkungen sind die Günstig-Angebote preislich deutlich attraktiver als die normalen Einsteiger-Abos im Markt. Bei Salt kostet das vergleichbare Angebot «Smart» im Normalfall 59.95 Franken pro Monat, auch wenn es Salt fast immer mit Rabatten verkauft. Aktuell wird das Abo etwa für 17.95 Franken pro Monat angeboten.

Bei Sunrise kostet das mit Swype vergleichbare «We Mobile M» 39 Franken pro Monat, bei der Swisscom gibt es das «in One Mobile Basic» für 50 Franken pro Monat. Aber wieso unterbieten sich die Anbieter mit eigenen Günstig-Abos selbst?

Abos sollen Kunden locken

Entscheidend sein dürften zwei Gründe. Einerseits ist der Mobil-Markt in der Schweiz gesättigt. Marktanteils-Verschiebungen sind fast nur noch mit tiefen Preisen möglich. So sagt ein Sunrise-Sprecher, Swype sei «sehr beliebt» und habe zum Kundenwachstum beigetragen, «das jenes der Mitbewerber deutlich übertrifft.»

Zudem können mit Günstig-Abos auch Nutzerinnen und Nutzer der geschätzt noch etwa 2,5 Millionen Prepaid-Verträge in ein Abo gelockt werden. Ein Abo bringt ohne weiteres Zutun der Anbieter monatlich Erträge, die Grenzkosten tendieren gegen Null.

Swisscom will Marktanteile verteidigen

«Wir haben einen sehr intensiven Markt», sagte Sunrise-UPC-Chef André Krause Mitte September im Gespräch mit CH Media. «Neukunden können häufig von zeitlich begrenzen Angeboten profitieren. Die Idee dahinter ist natürlich, grössere Kundenbeziehungen aufzubauen und weitere Produkte verkaufen zu können.»

Andererseits ist mit der Übernahme von Sunrise durch UPC-Mutter Liberty Global im vergangenen Jahr ein stärkerer Konkurrent für Swisscom entstanden, der Marktanteile gewinnen will. Dem müssen Swisscom und Salt etwas entgegensetzen. «Aktuell werden in der Schweiz Neukunden hohe Rabatte gewährt, um Marktanteile zu gewinnen», sagte Swisscom-Chef Urs Schaeppi im Juni zu CH Media. «Wir stellen uns diesem Wettbewerb.» Die Swisscom wolle ihre Marktanteile verteidigen. Ob Salt mit seinem «revolutionären» Go-Mo daran etwas ändern kann, wird sich zeigen.

Salt lanciert ein neues Billig-Abo, Sunrise und Swisscom greifen ebenfalls an – doch die Schnäppchen-Angebote haben Haken
Source:
Source 1

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here