Schoggi-Glacé und ein halbes Thunfisch-Sandwich: Wir lagen am Strand, an dem Präsident Joe Biden seine Ferien verbringt

Am Badeort Rehoboth Beach an der amerikanischen Atlantikküste ist alles vorbereitet für die Familie von Joe Biden. Hier macht der Präsident Ferien. Und der Ort ordentlich Kasse.

US-Präsident Joe Biden und Ehefrau Jill beim Velo-Ausflug in Rehoboth: Hier verbringen die Bidens traditionell ihre Ferien.

US-Präsident Joe Biden und Ehefrau Jill beim Velo-Ausflug in Rehoboth: Hier verbringen die Bidens traditionell ihre Ferien.

Key/AP

Der Mann mit dem Kopfhörer im Ohr zögert nicht lange. «Kann ich Ihnen helfen?», fragt er, kaum hat er an diesem warmen Sommermorgen den ungebetenen Gast gesehen. Die Stimme des Sicherheitsbeamten verrät: Er hat keinesfalls die Absicht, dem Fremden zu helfen. Vielmehr will er, dass der Gast verschwindet. «Das ist ein gesichertes Areal», sagt er, als sei dies angesichts der anwesenden, bewaffneten Agenten des Secret Service nicht offensichtlich.

Schauplatz dieser Szene: Eine ruhige Quartierstrasse in der Nähe des Badeortes Rehoboth Beach (Delaware). Hier, fünf Minuten Fussmarsch vom Atlantik entfernt, besitzt Präsident Joe Biden seit vier Jahren eine Strandvilla – die er und Gattin Jill mit den Vergütungen für einen lukrativen Buchvertrag kauften.

Auf der einen Seite der Fassade der Villa, die 2,7 Millionen Dollar kostete, steht seither geschrieben: «Beau’s Gift», das Geschenk von Beau. Denn eines dieser Bücher drehte sich um den Todeskampf von Beau Biden, dem älteren Sohn Joes. Auf der anderen Seite ist eine Liebeserklärung auf die heutige First Lady zu lesen: «Forever Jill», für immer Jill.

Das Haus, das trotz des stolzen Preises nicht protzig wirkt, wird rund um die Uhr von mehreren Polizisten und Secret Service-Agenten bewacht – selbst wenn sich die prominenten Bewohner anderswo aufhalten, weil die Bidens die lange geplanten Strandferien verschoben haben.

Das gut bewachte Ferienhaus von Joe Biden in Rehoboth Beach.

Das gut bewachte Ferienhaus von Joe Biden in Rehoboth Beach.

Renzo Ruf

Dieses massive Sicherheitsaufgebot ist «Standard Operating Procedure», wie das auf Englisch so schön heisst. Und obwohl die Anwohnerinnen und Anwohner deshalb Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen müssen, verzeihen sie dies den Bidens. Sie freuen sich über das Scheinwerferlicht, in dem Rehoboth Beach steht. «Wir sind mächtig stolz, dass wir für den Präsidenten die Rolle des Gastgebers übernehmen können», sagt Gemeindepräsident Stan Mills.

«Und wir finden: Auch ein Präsident hat es verdient, mal einige Tage lang auszuspannen.»

Der Boardwalk von Rehoboth Beach, auf dem sich im Sommer Tausende von Touristinnen und Touristen tummeln.

Der Boardwalk von Rehoboth Beach, auf dem sich im Sommer Tausende von Touristinnen und Touristen tummeln.

Renzo Ruf

Rehoboth Beach ist eigentlich klein, auch wenn die Ortschaft im Sommer einige Zehntausend Feriengäste anzieht. An guten Tagen zählt die Ortschaft vielleicht 1500 ständige Bewohner. Und als Ferienort ist Rehoboth Beach höchstens regional eine Destination– so gilt der Boardwalk direkt am Sandstrand im knapp drei Autostunden entfernten Washington als einer der bevorzugten Rückzugsorte.

Eine Visite der Bidens, wie zuletzt im Juni während Jills 70. Geburtstag, ist da Gold wert, und jeder Besuch hilft, den Ort im Rest des Landes und rund um die Welt zu vermarkten, wie Carol Everhart sagt, die Präsidentin der lokalen Handelskammer. «Ich weiss nicht, wie man das überbieten kann», sagt Everhart.

Halb Fisch, halb Poulet: Ein Sandwich für Joe und Jill

Von diesem Biden-Boom wollen auch lokale Geschäfte profitieren. So verkauft der Buchladen «Browseabout Books» an der Hauptstrasse nicht nur ein Fotoband über die Amtseinführung Bidens, sondern auch eine Action-Figur des 46. Präsidenten. «Lori’s Oy Vey! Cafe» wiederum, ein quirliges Restaurant an einer Nebenstrasse, serviert neuerdings ein Sandwich mit dem Namen «The Bidens’». Die eine Hälfte des belegten Brots ist mit Thunfisch, die andere mit Pouletsalat gefüllt. Der Grund für diese schräge Kombination: Joe liebt Fisch, und Jill bevorzugt Geflügel, wie Besitzerin Lori Kline erklärt.

Joe Mack (rechts) mit seinem berühmtesten Stammgast.

Joe Mack (rechts) mit seinem berühmtesten Stammgast.

ZVG

Und natürlich ist Biden gern gesehener Kunde in einem «Ice Cream Parlors», die es in einem echten amerikanischen Badeort gibt wie Sand am Meer. So ist er Stammgast bei Joe Mack, seit 23 Jahren Besitzer von «Double Dippers».

Bidens Lieblingsaroma sei Chocolate Chips, sagt Mack, und er esse seine Glacé jeweils in einem knusprigen Cornet. Seit der Wahl des Demokraten zum Präsidenten heisst Bidens Favorit intern nun «The 46 Special». Mack räumt allerdings auch ein, dass er den Präsidenten schon lange nicht mehr persönlich gesehen habe, zuerst wegen der Pandemie und nun aufgrund der neuen Sicherheitsvorkehrungen.

Kein Interview, «aus Angst um die Sicherheit des Personals»

Einigen Geschäften geht der Rummel um den Präsidenten allerdings zu weit, auch weil in Rehoboth Beach nicht nur Demokraten, sondern auch Anhängerinnen und Anhänger des abgewählten republikanischen Präsidenten Donald Trump Ferien machen. Und nach dem verpatzten Abzug der US-Streitkräfte aus Afghanistan hat Biden in dieser Wählergruppe keine neuen Freunde gemacht. Eine Angestellte eines Ladens an der Hauptstrasse jedenfalls weist eine Interview-Anfrage barsch zurück, «aus Angst um die Sicherheit des Personals», wie sie sagt.

Bleibt die Frage, wann die Bidens denn endlich nach Rehoboth Beach reisen, und ihren aus politischen Gründen mehrmals verschobenen Strandaufenthalt beginnen. An der Atlantikküste scheint dies niemand so genau zu wissen. Oder, besser gesagt: Wer Kenntnisse über die genauen Reisepläne der Präsidentenfamilie hat, der schweigt. So wie der Sicherheitsbeamte vor Bidens Ferienhaus.

Schoggi-Glacé und ein halbes Thunfisch-Sandwich: Wir lagen am Strand, an dem Präsident Joe Biden seine Ferien verbringt
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