Schweiz zieht Mitarbeitende aus Kabul ab – afghanisches Personal erhält Visum

Die Sicherheitslage Afghanistan verschlechtert sich kontinuierlich infolge der Taliban-Offensive. Nun zieht die Schweiz ihr Personal vor Ort ab. Rund 40 afghanische Mitarbeitende und ihre Familien sollen ein humanitäres Visum erhalten.

«Die Sicherheitslage in Afghanistan verschlechtert sich täglich», sagt Staatssekretärin Livia Leu.

Keystone-sda

Die Lage in Afghanistan verschlechtert sich täglich. Die radikalislamischen Taliban erobern eine Stadt nach der anderen, die Zahl der zivilen Opfer nimmt zu. Staatssekretärin Livia Leu rief am Freitag vor den Medien in Bern alle Seiten zum Stopp der Kampfhandlungen auf.

Das Aussendepartement EDA zeigt sich aber auch mit Blick auf das eigene Personal vor Ort besorgt. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen hat das Aussendepartement sein Personal in der Hauptstadt Kabul bereits um die Hälfte reduziert, wie Livia Leu ausführte. Derzeit arbeiteten drei Mitarbeitende im Kooperationsbüro der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA in Afghanistan. «Auch sie werden Kabul so rasch wie möglich verlassen», so Staatssekretärin Leu weiter.

Afghanisches DEZA-Personal erhält Visum

Im Kooperationsbüro der DEZA arbeiten aber auch 38 afghanische Staatsangehörige. Gemäss Mario Gattiker, Staatssekretär für Migration, hat Justizministerin Karin Keller-Sutter am Freitag entschieden, dass diese lokalen Mitarbeitenden und ihre engsten Angehörigen in der Schweiz aufgenommen werden. «Sie erhalten ein humanitäres Visum», so Gattiker.

Es handle sich dabei um Personen, die sehr lange für die DEZA arbeiten und daher bestens bekannt seien, sagte Gattiker weiter. Die genaue Zahl der aufgenommenen Personen konnte der Staatssekretär für Migration nicht beziffern. «Es könnten insgesamt gegen 200 Personen sein.» Aufgrund ihrer Arbeit für die Schweiz könnten sie als «westliche Kollaborateure» angesehen werden und seien daher besonders gefährdet. Auch andere westliche Staaten wie die USA und Deutschland verfolgten diesen Ansatz.

Schweiz stoppt Ausschaffungen

Das Schweiz hat bereits am Mittwochabend entschieden, dass sie bis auf weiteres keine Rückführungen von abgewiesenen Asylbewerbern nach Afghanistan durchführen und keine neuen Wegweisungen verfügen wird. Der Grund dafür ist die sich rapide verschlechternde Situation vor Ort, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) mitteilte. Letzte Woche hielten die Schweizer Behörden Ausschaffungen noch für zumutbar.

Bei Personen, die schwere Straftaten begangen haben, wird das SEM gemäss Mario Gattiker die Vorbereitungen für den Vollzug fortsetzten. Diese Personen werden prioritär behandelt, sobald der Vollzug wieder möglich sei.

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