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Über zwei Wochen lang war die vierjährige Cleo Smith aus Australien verschwunden – nun wurde sie wohlauf gefunden. Ein Kinder- und Jugendpsychologe schätzt die Auswirkungen ihrer Entführung ein.

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Die kleine Cleo Smith konnte nach 18 Tagen wohlauf gefunden werden. Sie war am 16. Oktober auf einem Campingplatz im Westen Australiens aus ihrem Familienzelt entführt worden.

Die kleine Cleo Smith konnte nach 18 Tagen wohlauf gefunden werden. Sie war am 16. Oktober auf einem Campingplatz im Westen Australiens aus ihrem Familienzelt entführt worden.

West Australian Police

Cleo wurde in einem verschlossenen Haus in Carnarvon im Westen Australiens gefunden. Laut Polizei ist nun ein 36-jähriger Tatverdächtiger festgenommen worden.

Cleo wurde in einem verschlossenen Haus in Carnarvon im Westen Australiens gefunden. Laut Polizei ist nun ein 36-jähriger Tatverdächtiger festgenommen worden.

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Kinder- und Jugendpsychologe Philipp Ramming sagt, dass es nun wichtig sei, dass die Familie traumatherapeutisch begleitet werde: «Für Cleo war es eine Erschütterung der Sicherheit und des Vertrauens in die Welt, sie wird während dieser 18 Tage verzweifelt gewesen sein.»

Kinder- und Jugendpsychologe Philipp Ramming sagt, dass es nun wichtig sei, dass die Familie traumatherapeutisch begleitet werde: «Für Cleo war es eine Erschütterung der Sicherheit und des Vertrauens in die Welt, sie wird während dieser 18 Tage verzweifelt gewesen sein.»

Privat

  • Cleo Smith (4) war am 16. Oktober auf einem Campingplatz im Westen von Australien aus ihrem Familienzelt entführt worden.

  • 18 Tage später wurde sie gefunden – im Haus eines 36-jährigen Tatverdächtigen.

  • Ein Kinder- und Jugendpsychologe erklärt die möglichen Auswirkungen einer solchen Entführung auf das Kind und ihre Familie.

18 Tage nach ihrer Entführung wurde am Mittwoch die vierjährige Cleo Smith Carnarvon im Westen Australiens gefunden. Sie wurde wohlauf im verschlossenen Haus eines 36-jährigen Verdächtigen angetroffen. Cleo war während eines Camping-Urlaubs am 16. Oktober aus dem Zelt ihrer Familie verschwunden.

«Als ich am Samstagmorgen aufwachte, stand der Reissverschluss des Zeltes offen und Cleo war verschwunden; auch ihr Schlafsack war weg», sagte ihre verzweifelte Mutter Ellie Smith. Die Polizei ging relativ schnell von einem Verbrechen aus – unter anderem aufgrund der Höhe des Reissverschlusses am Zelt. Nun ist Cleo zurück. Für das kleine Mädchen und ihre Familie steht jetzt die Verarbeitung des Traumas bevor.

Herr Ramming*, welche Auswirkungen hat diese Entführung auf die vierjährige Cleo?

Dass sie von ihren Eltern getrennt war, ist das eine, die Umstände der Entführung das andere. Für Cleo war es eine Erschütterung der Sicherheit und des Vertrauens in die Welt, sie wird während dieser 18 Tage verzweifelt gewesen sein.

Nun ist vor allem wichtig, dass die Familie begleitet wird: Die Traumatherapie ist heutzutage sehr gut und nicht mehr so invasiv. Cleo selber braucht nun Stabilität, ein vertrautes Umfeld und jemanden, der ihr zuhört und ihr hilft, das Erlebte zu verarbeiten und einzuordnen.

Versteht ein vierjähriges Kind, was mit ihm geschehen ist?

Vierjährige verstehen sehr viel, es kommt aber darauf an, wie sie es einordnen können. Auch, wie ihr das Geschehen von ihrem Umfeld erklärt worden ist, ist sehr wichtig. Kinder bilden sich immer eine Geschichte um das Geschehene. Eine solche Geschichte kann dann therapeutisch genutzt werden.

Viel wichtiger ist aber die Betreuung ihrer Eltern: Weil die Welt von Cleo destabilisiert worden ist, ist es jetzt wichtig, dass ihre Welt wieder stabilisiert wird. Darauf hat ihre Familie und ihr Umfeld einen grossen Einfluss. Ausserdem müssen auch die Eltern selbst wieder Vertrauen in die Welt schöpfen.

Was könnte das für Auswirkungen haben auf ihre Zukunft?

Das kommt sehr darauf an, wie Cleo den Weg zurück in die Normalität findet. Erst dann wird sich die individuelle Verarbeitung zeigen. Diese kann auf viele verschiedene Arten geschehen: von einer erfolgreichen Verarbeitung bis zur völligen Verleugnung der Geschehnisse. Ihre Entführung wird aber sicherlich ein längerfristiges Echo haben, diese Ereignisse werden ihr Leben auf die eine oder andere Art prägen.

Welchen Effekt hat eine solche Entführung auf die Eltern-Kind-Beziehung?

Es ist möglich, dass Cleos Eltern – zu recht – anfangs sehr ängstlich sein werden. Wenn aber diese Ängstlichkeit bestehen bleibt, könnte das einen starken Einfluss auf Cleos Weg zurück in die Normalität haben. Zudem plagen die Eltern möglicherweise Schuldgefühle, obwohl sie bei einer solchen Entführung natürlich keine Schuld trifft. Das ist relativ normal.

Wie geht es Cleo wohl nun?

Sie ist froh, dass sie zurück ist, ihre Eltern wieder da sind und die Welt wieder vertraut und nachvollziehbar ist. Man darf nicht unterschätzen, dass sie versteht, was passiert ist. Aber bohrendes Nachfragen ist nicht hilfreich. Wichtig ist, dass auch ihr Umfeld wieder zu einer Normalität zurückfindet. Das ist zentral, denn Cleo kommt aus einer traumatischen Situation in ein ebenfalls traumatisiertes Umfeld zurück. Eltern und Kind brauchen nun Zeit und Unterstützung, um das Erlebte verarbeiten zu können.

Cleo ist jetzt in Sicherheit. Für sie ist das Bedrohliche überstanden, jetzt soll sie auch viel lächeln und Glace essen dürfen. Das ist ein gutes Zeichen.

*Philipp Ramming ist Kinder- und Jugendpsychologe.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, ein Trauma erlitten?

Hier findest du Hilfe:

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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«Sie braucht nun Stabilität und ein vertrautes Umfeld»
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