«Sister Simonetta» und «Sister Jeanne d’Arc»: Wie die Schweizer Bundesrätin in Glasgow zur Taktgeberin wurde

Die Schweiz spielt an der UNO-Weltklimakonferenz eine wichtige Rolle. Umweltministerin Simonetta Sommaruga hat in Glasgow den Zeitplan für alle Staaten ausgearbeitet – mit Jeanne d’Arc Mujawamariya, Ruandas Umweltministerin.

Die Schweizer Umweltministerin Simonetta Sommaruga mit Ruandas Umweltministerin Jeanne d'Arc

Die Schweizer Umweltministerin Simonetta Sommaruga mit Ruandas Umweltministerin Jeanne d’Arc

Screenshot Twitter

Sie bilden ein sehr ungleiches Paar. Hier Simonetta Sommaruga (61), Schweizer Umweltministerin und ausgebildete Klavierspielerin. Ihre Interpretation der finnischen Trance-Hymne «Sandstorm» ist auf Youtube verfügbar ist, wie selbst das Nachrichtenportal «Climate Home News» vermeldete.

Umweltministerin Simonetta Sommaruga spielt zusammen mit Gesundheitsminister Alain Berset die Trance-Hymne «Sandstorm».

Youtube

Dort Jeanne d’Arc Mujawamariya (51), Ruandas Umweltministerin. Sie hat an der russischen Universität für Völkerfreundschaft ihr Lieblingsfach Chemie studiert – einfach auch, weil ihr die Lehrerin sagte, Chemie sei nur etwas für Männer. Sie studierte auch in Indien, wurde Ruandas Botschafterin in Russland und später Bildungsministerin. 2019 übernahm sie das Umweltressort.

Boris Johnson lobt die Rolle der Schweiz

Sommaruga und Mujawamariya gehören an der UN-Weltklimakonferenz (Cop26) in Glasgow zu jenen 15 Ministerinnen und Ministern, die je einen der Verhandlungsstränge leiten. Die Schweizerin und die Ruanderin hatten den Auftrag erhalten, einen breit akzeptierten Zeitplan für den Klimaschutz der Staaten zu definieren. Eine wichtige Rolle, wie auch Grossbritanniens Premierminister Boris Johnson lobend betonte.

Wertschätzende Worte vom britischen Premier Boris Johnson. Die Schweiz führt in einem wichtigen Punkt mit Ruanda Konsultationen für COP-Präsident Alok Sharma und sie verhandelt engagiert mit. Noch ist der Ausgang der #COP26 offen – das Schweizer Team gibt sein Bestes. pic.twitter.com/Q27KR9vHVJ

— Simonetta Sommaruga (@s_sommaruga) November 10, 2021

Es geht vor allem darum, ob die Staaten ihre neuen Klimaziele künftig alle fünf oder nur alle zehn Jahre einreichen müssen. «Es gibt jetzt eine grosse Mehrheit von Staaten, die das alle fünf Jahre tun will», sagt Simonetta Sommaruga gegenüber CH Media. Dazu gehörten die ärmsten Länder, afrikanische Staaten, Lateinamerika, die USA, die EU, die Schweiz – und auch China.

Für zehn Jahre hingegen sprechen sich die arabischen Staaten, Indien und Russland aus. «Klar ist: Macht man das alle fünf Jahre, steigt der Druck auf die Länder, ehrgeizige Ziele abzuschliessen», betont Sommaruga.

Die Gesamtstrategie zum Zeitplan liegt nun beim Präsidenten

Sommaruga und Mujawamariya haben das Dossier am späten Mittwochabend eingereicht. «Das Dossier ist jetzt bei Cop26-Präsident Alok Sharma», sagt Sommaruga. «Er und sein Team machen ein Gesamtpaket. Am Schluss braucht es Einigkeit. Und diese zu erreichen ist anspruchsvoll.»

Die Schweiz spielt nicht nur wegen des Zeitplans eine bedeutende Rolle in Glasgow. Sie leitet auch eine formelle Verhandlungsgruppe in der Klimakonferenz, die sogenannte Environmental Integrity Group, die Gruppe Umweltintegrität. Sie besteht aus Georgien, Korea, Mexiko, Liechtenstein und Monaco. Die Gruppe gibt sich in allen Teilbereichen der Verhandlungen ein.

Vor allem auch, wenn es um die Umsetzung von Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens geht. Internationale Kooperation und der Handel mit Emissionsrechten sind darin das Thema. Die Staaten wollen sich am Klimagipfel auf Standards einigen, um diesen Handel zu ermöglichen.

Sommaruga zeigt der Welt, wie sich Doppelzählungen verhindern lassen

Eine entscheidende Frage dabei ist: Lässt es sich verhindern, dass gehandelte CO₂-Reduktionen doppelt gezählt werden? Umweltministerin Sommaruga zeigte am Donnerstag der ganzen Welt an einer Medienkonferenz, dass das sehr wohl funktionieren kann.

Mit Sommaruga traten Vertreter jener sechs Staaten auf, mit denen die Schweiz bislang ein bilaterales Klimaschutzabkommen abgeschlossen hat: Peru, Ghana, Senegal, Georgien, Dominica (Karibik) und Vanuatu (Pazifik). Die Verträge mit Vanuatu und Dominica wurden am Donnerstag unterzeichnet, direkt vor und nach der Medienkonferenz.

Simonetta Sommaruga (rechts) an der Medienkonferenz in Glasgow mit der Umweltministerin von Georgien (links) und dem Umweltminister der Karibikinsel Dominica.

Simonetta Sommaruga (rechts) an der Medienkonferenz in Glasgow mit der Umweltministerin von Georgien (links) und dem Umweltminister der Karibikinsel Dominica.

Screenshot

Die Regeln sollen auch multilateral eingeführt werden

In den Abkommen haben sich die Länder bilateral auf Regeln zur Anrechnung von Treibhausgas-Reduktionen geeinigt. Umweltministerin Sommaruga sprach von einem «Meilenstein» bei der Umsetzung des Pariser-Abkommens. «Wir haben den Beweis erbracht, dass Investitionen zur Verminderung von CO2-Emissionen im Ausland jeweils beiden Staaten dienen können, der Bevölkerung und dem Klima», sagt sie. «Das ist ein starkes Argument, um diese Regeln auch auf multilateraler Ebene einzuführen.»

Hauptpunkt bleibt der Zeitplan, den Sommaruga und Mujawamariya entwickelt haben. Sommaruga spricht von einem «Vertrauensbeweis» und einer «Wertschätzung» der Schweiz gegenüber.

Es war Alok Sharma, Präsident der Klimakonferenz, der die beiden Umweltministerinnen zusammenbrachte. Er hatte Sommaruga im Sommer an der Juli-Ministerkonferenz in London angefragt, ob sie bereit sei, den Zeitplan zu übernehmen.

Die zwei Frauen verstanden sich auf Anhieb

Da Sommaruga als Schweizerin aus dem Norden stammt, suchte Sharma noch eine Ergänzung aus dem Süden und fand sie in Mujawamariya. Die beiden kannten sich nicht persönlich. Doch bei einem virtuellen Kennenlernen waren sich die beiden Frauen auf Anhieb sympathisch.

Seither haben sie intensiv an einem breit abgestützten Zeitplan gearbeitet. So fand am 7. September ein virtuelles Treffen mit Umweltministerinnen und -ministern aus 40 Ländern statt. Und Ende September informierten die beiden in Mailand eine ausgewählte Gruppe von Ländern über die Lösungsansätze.

«Sister Jeanne d’Arc»

«In Glasgow führten wir zum Teil sehr schwierige Gespräche, haben Länder herausgefordert, die sich vor klaren Regeln scheuen», sagt Sommaruga. «Doch wir zwei Frauen konnten eine gute Grundstimmung schaffen.»

Die beiden sagen sich Sister – und den Vornamen:«Sister Simonetta» und «Sister Jeanne d’Arc». Das ist auch den internationalen Regeln geschuldet. Aber Sommaruga gibt lachend zu, dass das beiden entgegenkommt. Der Nachname von Ruandas Umweltministerin – Mujawamariya – ist für europäische Zungen genauso schwer auszusprechen wie ihr Nachname – Sommaruga – für afrikanische.

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