Schon einmal hat die Spanische «Roja» die Nati unterschätzt – und prompt verloren. Das wollen die Stars aus Barcelona und Co. dieses Mal vermeiden. Die Öffentlichkeit blickt dem Viertelfinal am Freitag allerdings besorgt entgegen.

Kann die Schweiz die spanischen Stürmer Alvaro Morata (r) und Mikel Oyarzabal am Freitag in Schach halten?

Kann die Schweiz die spanischen Stürmer Alvaro Morata (r) und Mikel Oyarzabal am Freitag in Schach halten?

Stuart Franklin / AP

«Unterschätzen Sie die Schweizer nicht», warnt «Marca», Spaniens meistgelesene Sportzeitung. «Das Team hat genügend Niveau, um uns am Freitag einen Schrecken einzujagen.» Zumal die Eidgenossen nach dem sensationellen Sieg gegen Weltmeister Frankreich euphorisch seien. «Sie befinden sich in optimaler Stimmungslage», heisst es weiter. Das sei gefährlich, auch wenn die Alpenrepublik in dieser EM eher als Aussenseiter gelte.

«Sie sind zu schlagen, aber es dürfte nicht einfach werden.»

In unguter Erinnerung ist vielen Spaniern noch das erste Gruppenspiel bei der Fussball-WM 2010 in Südafrika: Damals überraschte die selbstbewusst auftretende Schweizer Elf mit einem 1:0-Sieg gegen den Favoriten Spanien. Doch «La Roja», wie die spanische Nationalmannschaft zu Hause wegen ihres roten Trikots genannt wird, erholte sich dann doch noch von dem Schrecken. Die Spanier drehten in den nächsten Spielen auf – und wurden schliesslich Fussballweltmeister.

«Das grösste Problem der Spanier war damals der Übermut», erinnert sich der spanische Fussballfan Javier Martínez, ein Madrider Familienvater. «Die Spanier hatten die Schweiz bei der WM 2010 als Gegner nicht ernst genommen.» Deswegen habe sie damals zu Recht gewonnen. Dies werde nun im kommenden Viertelfinal in Sankt Petersburg nicht noch einmal passieren.

«Nach dem Schweizer Triumph gegen Frankreich wissen wir, was auf uns zukommt.»

Die «Roja» im Torrausch

Nicht nur das Team von Vladimir Petkovic ist hochmotiviert. Auch Spaniens «Roja» hat sich in den letzten beiden Spielen in einen Torrausch geschossen. Die Männer um Kapitän Sergio Busquets vom FC Barcelona verloren bei dieser EM noch kein einziges Spiel. Kein anderes Team hat bisher mehr Tore als Spanien gemacht.

Voller Selbstvertrauen: Luisa Enrique, Trainer der Spanischen Nationalmannschaft

Voller Selbstvertrauen: Luisa Enrique, Trainer der Spanischen Nationalmannschaft

Stuart Franklin / AP

Die Fussballgrossmacht Spanien, die 2008 und 2012 den EM-Titel gewann, träumt deswegen wieder davon, auch dieses Jahr die Trophäe in die Höhe recken zu können. Nationaltrainer Luis Enrique sagt nicht unbescheiden: «Wir spielen gut. Und wir schiessen Tore – normalerweise mehr als unsere Rivalen.» 400’000 Euro winken jedem Teammitglied als Prämie für den EM-Sieg. 100’000 mehr pro Nase als für den letzten Titel in 2012 ausgeschüttet worden war.

«Wir müssen der Schweiz eigentlich einen Orden dafür verleihen, dass sie den Top-Favoriten Frankreich nach Hause geschickt hat», kommentierte das spanische Fernsehen. Das Lob für die Schweizer Überraschungsmannschaft ist gross im ganzen Land. «Sie haben gegen Frankreich verdient gewonnen», urteilt «Marca». Torhüter Yann Sommer wird in Spanien als «der grosse Schweizer Held von Bukarest» gefeiert, weil er den Elfmeter des französischen Superstars Kylian Mbappé hielt.

«Die Schweiz hat Frankreich erledigt und Geschichte geschrieben»

«Dank Sommer steht die Schweiz zum ersten Mal in einem EM-Viertelfinal», sagt die spanische Sportreporterin Ángela Castañeda voller Anerkennung. «Die Schweiz hat Frankreich erledigt und Geschichte geschrieben», jubeln Spaniens Medien wie etwa «La Voz de Galicia». Das nationale Blatt «La Vanguardia» spricht von der «Schweizer Wundermannschaft», die äusserst kämpferisch sei und sogar Berge versetzten könne.

Doch die grossen Komplimente mischen sich mit der Sorge, dass die Ballstürmer aus dem Alpenland nun vielleicht doch auch gegen Spanien für eine Überraschung sorgen könnten. «Glauben Sie, dass Spanien Europameister wird?», fragte das Sportblatt «Marca» seine Online-Leser. Die grosse Mehrheit scheint an der Beständigkeit der «Roja» zu zweifeln und antwortete erstaunlicherweise mit einem klaren «No».

Spaniens Angst vor den Schweizer Helden: Eine «Wundermannschaft, die Berge versetzen kann»
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