Stadler winkt eine neue Chance in Österreich – nach den SBB melden auch die ÖBB Probleme mit Bombardier-Zügen

Die ÖBB haben nichts als Ärger mit einem Auftrag, den sie an Bombardier vergeben haben und für den sich auch Stadler beworben hatte. Nun könnte doch noch die Stunde des Ostschweizer Schienenfahrzeugherstellers schlagen.

Ausser Spesen nichts gewesen: Der Talent 3 von Bombardier im Design der ÖBB.

Ausser Spesen nichts gewesen: Der Talent 3 von Bombardier im Design der ÖBB.

Bild: PD

Ende 2016 unterzeichneten die ÖBB mit Bombardier einen Rahmenvertrag für bis zu 300 elektrische Triebzüge im Volumen von 1,8 Milliarden Euro. Sehr zur Enttäuschung des Ostschweizer Schienenfahrzeugbauers Stadler, der sich ebenfalls um den Auftrag beworben hatte.

Doch nun könnte Stadler doch noch zum Zug kommen. Die ÖBB haben laut Informationen aus Bahnkreisen eine neue Ausschreibung gestartet zur Beschaffung von bis zu 540 elektrischen Triebzügen. Es gehe um maximal je 270 Kompositionen mit Längen von 103 Metern respektive 73 Metern. Der Rahmenvertrag soll eine Laufzeit von zehn Jahren haben und eine Option für die Wartung enthalten. Als potenzieller Interessent neben Stadler gilt auch Siemens. Stadler wollte sich auf Anfrage nicht äussern.

Vorarlberg und Tirol warten vergebens auf Bombardier

Hintergrund dieser Ausschreibung sind anhaltende Verzögerungen der Ablieferung der bei Bombardier bestellten Fahrzeuge. In einer ersten Tranche hatten die ÖBB bei Bombardier 46 Triebzüge des Typs Talent 3 abgerufen, davon 21 für den Bahnverkehr in Vorarlberg und 25 für Tirol. Die Züge hätten 2019 und 2020 in Verkehr gesetzt werden sollen, doch sie haben immer noch keine Zulassung der Europäischen Eisenbahnagentur erhalten, und dies könnte noch ein weiteres Jahr beanspruchen.

Seit Mitte Mai 2021 ist indessen klar: Die Talent-3-Züge werden in Vorarlberg und wohl auch in Tirol nie zum Einsatz kommen. Die ÖBB haben angekündigt, sich kurzfristig um eine Ersatzbeschaffung zu bemühen, beispiels­weise auch durch das Leasing gebrauchter Fahrzeuge. «Der Standard» vermutete zudem, die ÖBB könnten bei Siemens anklopfen und dort 46 Trieb­züge des Typs Desiro kaufen.

Fall erinnert an den Ärger der SBB mit Bombardier

ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder will sich dazu und über die angebliche Ausschreibung für bis zu 540 Triebzüge nicht äussern. Er sagt aber, «es laufen verschiedene Ausschreibungen, und eine davon wird eine Ersatz­beschaffung für Vorarlberg und Tirol sein». Die von Bombardier gelieferten Züge ohne Zulassung seien zurück beim Hersteller, und es liege auf der Hand, dass die ÖBB aus dem Rahmenvertrag von Ende 2016 keine weiteren Fahrzeuge bestellen werden, sagt Rieder.

Der als Pannenzug in die Kritik geratene Bombardier-Doppelstöcker für die SBB.

Der als Pannenzug in die Kritik geratene Bombardier-Doppelstöcker für die SBB.

Bild: PD

Der Ärger der ÖBB mit Bombardier erinnert an jenen der SBB mit dem kanadischen Bahnbauer, der gerade mit Alstom ­fusioniert. 2010 bestellten die SBB bei Bombardier 59 Doppelstöcker für 1,9 Milliarden Franken. Diese sollten ab Ende 2013 die Intercitystrecke zwischen St.Gallen und Genf-Flughafen bedienen, doch kam es wegen Problemen mit der Wanktechnik und anderer technischer Störungen zu jahrelanger Verspätung. Als Intercity sind die Züge erst seit Mitte 2020 unterwegs, zuvor dienten sie als Interregio. Noch immer sind nicht alle Züge ausgeliefert.

Stadler gilt als Favorit für neue ÖBB-Doppelstöcker

In Kürze erwartet wird zudem der Entscheid der ÖBB, welcher Anbieter den Zuschlag erhält für neue Doppelstöcker, die für den S-Bahn- und Regionalverkehr in Niederösterreich und Wien sowie für die Schnellbahn City Airport Train zwischen Wien Mitte und dem Flughafen Wien-Schwechat beschafft werden sollen. Anfang Jahr berichtete «Der Standard», als Favorit für den auf bis zu zwei Milliarden Euro taxierten Rahmenvertrag gelte Stadler.

Stadler winkt eine neue Chance in Österreich – nach den SBB melden auch die ÖBB Probleme mit Bombardier-Zügen
Source:
Source 1

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here