Stellenabbau geht weiter: Alle SRF-Abteilungen müssen bluten

Der Abbau von 145 Vollzeitstellen beim Schweizer Fernsehen bis Ende 2023 stösst nicht nur extern auf Kritik. Auch unter den Mitarbeitenden macht sich Unzufriedenheit breit.

SRF-Direktorin Nathalie Wappler muss über alle Abteilungen hinweg weitere 145 Stellen abbauen.

SRF-Direktorin Nathalie Wappler muss über alle Abteilungen hinweg weitere 145 Stellen abbauen.

Severin Bigler

Dass das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) sparen muss, ist bekannt. Auch weiss man bereits seit einem Jahr, dass dafür rund 250 Stellen abgebaut werden müssen. 88 davon hat SRF bereits in der ersten Jahreshälfte gestrichen. Am Mittwoch nun hat SRF-Direktorin Nathalie Wappler mitgeteilt, wie der Abbau von weiteren 145 Stellen umgesetzt wird.

Das SRF lässt sich für den gestaffelten Abbau bis Ende 2023 Zeit. Bis dahin sollen 70 Stellen durch Anpassungen im Angebot und durch eine «Reduktion der Produktionsstandards» reduziert werden, wie SRF in einer Mitteilung schreibt. Der Abbau der restlichen 75 Stellen erfolgt über die Abteilungen hinweg. Das heisst: Alle Bereiche des Unternehmens sind betroffen.

Erste Kündigungen bereits im November

Wie viele Stellen pro Abteilung abgebaut werden, hänge von der Grösse der Organisationseinheit, deren Struktur sowie der Ausrichtung auf die Strategie «SRF 2024» ab. Mit der neuen Strategie verfolgt SRF das Ziel, vermehrt auch jüngere Menschen anzusprechen und das digitale Angebot auszubauen.

So muss beispielsweise die Abteilung Sport bis Ende des nächsten Jahres vier ihrer 88 Vollzeitstellen abbauen, in der Produktion sind es gar sieben Vollzeitstellen, die gestrichen werden.

So viele Vollzeitstellen müssen die Abteilungen bis Ende des nächsten Jahres einsparen.

So viele Vollzeitstellen müssen die Abteilungen bis Ende des nächsten Jahres einsparen.

Tabelle: SRF

Der Abbau soll möglichst über ordentliche und frühzeitige Pensionierungen sowie die natürliche Fluktuation erfolgen. Nichtsdestotrotz könne SRF nicht vermeiden, dass auch Entlassungen vorgenommen werden, heisst es von Seiten der Unternehmenskommunikation. Bereits in diesem Monat komme es zu Kündigungen, da im Dezember bei SRF generell keine Kündigungen erfolgen. Nicht zu vergessen: Parallel zum Abbau findet ein Stellenaufbau statt. Wie SRF auf Anfrage mitteilt, seien aktuell bereits drei Viertel der 110 neu geschaffenen Stellen besetzt.

Rytz findet Stellenabbau «bedauerlich», Rutz «grundsätzlich richtig»

Grund für den massiven Stellenabbau ist eine Sparvorgabe von 50 Millionen Franken, welche die Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) wegen rückgängigen Werbeeinnahmen und der Strategie «SRF 2024» zwischen 2021 und 2024 beschlossen hat.

Nicht nur den betroffenen Angestellten ist der Sparplan ein Dorn im Auge, auch von manchen Politikern wird der Stellenabbau kritisiert: Regula Rytz, Nationalrätin der Grünen aus Bern sagt:

«Es ist äusserst bedauerlich, dass ein öffentlich finanziertes Medienunternehmen journalistische Stellen abbauen muss.»

Gerade auch weil die privat finanzierten Medienunternehmen sparen müssten, sei es wichtig, dass das SRF als gebührenfinanziertes Unternehmen den «Basisdienst für die Demokratie» auch künftig leisten könne.

Anders argumentiert Gregor Rutz, SVP-Nationalrat aus Zürich:

«Grundsätzlich ist es richtig, dass SRF Stellen abbaut. Dies muss aber dort passieren, wo die SRG Aktivitäten ausserhalb des Grundversorgungsauftrags tätigt.»

Er spricht damit die Konzession an, in welcher der staatliche Auftrag der SRG festgehalten ist. Dieser müsse erfüllt werden. Laut Rutz könne man aber beispielsweise darüber diskutieren, ob eine Castingshow oder ein eingekaufter Spielfilm tatsächlich Sache des SRF sei.

Die Gewerkschaft der Medienschaffenden sieht im Stellenabbau ein weiteres Problem, wie Silke Treusch sagt: «Wenn weniger Leute ähnliche Aufgaben erledigen müssen, dann steigt der Druck auf alle, die noch im Unternehmen tätig sind.» Das führe dazu, dass die Qualität der Arbeit leide und die Zufriedenheit der Mitarbeitenden abnehme.

Befragung zeigt: Viele sind unzufrieden

Der Stellenabbau beim SRF löst auch intern Unzufriedenheit aus, wie die am Mittwoch veröffentlichten Ergebnisse der Personalbefragung zeigen, die SRF im Spätsommer dieses Jahres durch die Firma Fehr Advice durchführen liess. Von den rund 3000 Mitarbeitenden haben knapp 40 Prozent an der Befragung teilgenommen. Es zeigt sich: Mit 54 Prozent sieht nur etwas mehr als die Hälfte der Mitarbeitenden SRF als attraktive Arbeitgeberin. Jeder vierte Angestellte gab zudem an, dass er mit der direkten Vorgesetzten nicht zufrieden sei.

Allgemein werden gemäss Befragungsergebnissen die Gleichbehandlung bei Entwicklungsmöglichkeiten sowie die Kommunikation von Entscheidungen der Geschäftsleitung von Führungskräften an die Mitarbeitenden negativ wahrgenommen. Letzterer Aspekt dürfte mit den Informationen rund um den Stellenabbau in Verbindung stehen. Aufgrund des Verbesserungspotenzials, das die Befragung aufzeigt, habe die Geschäftsleitung fünf Ansatzpunkte für Massnahmen definiert. Anpacken und verbessern will das SRF die Vorbildfunktion der Geschäftsleitung und der Vorgesetzten, die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls, die Weitergabe von Informationen, die Personalentwicklung sowie die Entwicklung einer Feedbackkultur. Wie genau, ist noch unklar.

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