Trump prahlt mit seiner Impf-Erfindung – doch die Republikaner hören für einmal kaum hin

Im ländlichen Amerika sorgt die Delta-Variante für eine starke Zunahme der Covid-19-Erkrankungen – auch weil sich eine Mehrheit der Bevölkerung standhaft weigert, sich impfen zu lassen. Nun geben republikanische Amtsträger Gegensteuer.

Wer hats erfunden? Er, natürlich: Donald Trump prahlt damit, die Covid-Impfung möglich gemacht zu haben.

Wer hats erfunden? Er, natürlich: Donald Trump prahlt damit, die Covid-Impfung möglich gemacht zu haben.

AP

Asa Hutchinson ist ein beharrlicher Mann. Seit Tagen nun schon tingelt der republikanische Gouverneur von Arkansas durch seinen konservativen Bundesstaat, um mit den Wählerinnen und Wählern über die Vorzüge der Corona-Impfung zu diskutieren.

Das ist, gelinde gesagt, kein einfaches Unterfangen – angesichts der vielen falschen Informationen, die über die Vakzine kursieren. So wurde der Gouverneur am Montag während eines Auftrittes in einem Provinzstädtchen angebrüllt, als er sagte, es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Impfung gegen Covid-19 negative Auswirkungen auf die Fortpflanzungsfähigkeit habe.

Gov. Asa Hutchinson (R-AR) and state vaccine official Dr. Jennifer Dillaha berated by crowd with boos, groans and shouts for saying there is no medical evidence at this time that the COVID vaccines impact fertility. pic.twitter.com/LpUpHVJxbO

— The Recount (@therecount) July 26, 2021

Das Beispiel zeigt: Im konservativen Teil Amerikas ist es nicht einfach, die Skeptiker von der Wirksamkeit der drei in Amerika zugelassenen Impfstoffe (Pfizer/Biontech, Moderna, Johnson&Johnson) zu überzeugen. «Der Widerstand ist stärker geworden», räumte Gouverneur Hutchinson kürzlich in einem Fernsehinterview ein.

Weil in Arkansas aber nur etwas mehr als 36 Prozent der 3 Millionen Einwohner vollständig geimpft sind, hält der Gouverneur an seinen öffentlichen Auftritten fest. Wer demokratisch wählt, lässt sich eher impfen Er argumentiert dabei auch mit dem gesunden Verstand: Die tiefe Impfquote halte seinen Staat zurück, sagt er, gerade im Hinblick auf das neue Schuljahr.

Die Statistik gibt dem Gouverneur recht: In Arkansas sind rund 90 Prozent der fast 1000 Menschen, die wegen Covid-19 im Spital liegen, ungeimpft. Landesweit sind fast 97 Prozent der schweren Verläufe derzeit auf Ungeimpfte zurückzuführen. Hutchinson ist deshalb im ländlichen Amerika nicht der einzige Republikaner, der mehr oder weniger sanften Druck auf die Bevölkerung ausübt, sich die Spritze versetzen zu lassen.

So sorgte Kay Ivey, Gouverneurin von Alabama, in der vorigen Woche für Schlagzeilen, als sie sagte:

«Die Zeit ist gekommen, die Schuld auf die ungeimpften Leute zu schieben. Die Ungeimpften sind es, die uns hängen lassen.»

Alabama trägt im Umzug der 50 Bundesstaaten die rote Laterne. Nur gerade 34 Prozent der Bevölkerung sind vollständig geimpft. Zum Vergleich: In Vermont im Nordosten Amerikas haben sich 67 Prozent der Bevölkerung impfen lassen.

Diese Zahlen sind fast deckungsgleich mit dem Wahlergebnis des Demokraten Joe Biden im vorigen November. In Alabama gewann er 37 Prozent der Stimmen, in Vermont 66 Prozent. Der Impf-Widerstand in den Hochburgen der Republikaner ist umso erstaunlicher, als dass der nominelle Anführer der Partei fast keinen Tag verstreichen lässt, an dem er sich nicht selbst für die schnelle Entwicklung der Coronaimpfungen lobt. So sagte der abgewählte Präsident Donald Trump am vorigen Wochenende während eines Wahlkampfauftrittes: «Ich habe mir die Impfung ausgedacht.»

Die Kritik von Bidens Sprecherin Trump ist der Meinung, dass sein Nachfolger die Verantwortung dafür trägt, dass die Coronafallzahlen und die Hospitalisierungen auch in Amerika wieder steigen. Die Amerikaner «trauen dem Präsidenten nicht», behauptete er. Einige seiner Parteikollegen, die ein Interesse daran haben, dass mehr Menschen sich impfen lassen, sind deshalb dazu übergegangen, öffentlich nur noch von der «Trump-Impfung» zu sprechen.

Read my column in today’s @ArkansasOnline on why I decided to get the Trump vaccine. https://t.co/CmDd1Onqhu

— Sarah Huckabee Sanders (@SarahHuckabee) July 25, 2021

Interessanterweise scheint das Weisse Haus mit dieser Einschätzung der Republikaner einig zu gehen. So sagte Jen Psaki, die Sprecherin von Präsident Biden, zu Wochenbeginn über ihren Chef: «Er ist nicht immer die richtige Stimme für jede Gruppe von Menschen.» Deshalb setze das Weisse Haus auf vertrauenswürdige, lokale Aushängeschilder, die im Gespräch die Vorzüge der Impfung hervorheben könnten.

Treffend formulierte es kürzlich Chris Christie, der ehemalige Gouverneur von New Jersey: Republikanische Wählerinnen und Wähler seien nicht per se Gegner der Corona-Vakzine. «Sie wollen aber nicht indoktriniert werden.»

Trump prahlt mit seiner Impf-Erfindung – doch die Republikaner hören für einmal kaum hin
Source:
Source 1

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here