Unruhe im Schweizer Gewerbeverband: Der Vizedirektor wirbt zuerst für ein Ja zum Covid-19-Gesetz – nun engagiert er sich im gegnerischen Komitee

Der Schweizerische Gewerbeverband unterstützt das Covid-Gesetz. Henrique Schneider, stellvertretender Verbandsdirektor, überzeugte Mitglieder von einem Ja. Nun empfiehlt er in Inseraten ein Nein. Beim Präsidenten des Verbandes, Fabio Regazzi, kommt das nicht gut an.

Redet von einer «Impfreligion»: Henrique Schneider, Vizedirektor des Gewerbeverbandes, stösst Verbandsmitglieder vor den Kopf.

Redet von einer «Impfreligion»: Henrique Schneider, Vizedirektor des Gewerbeverbandes, stösst Verbandsmitglieder vor den Kopf.

Keystone

Ende Oktober kam die Gewerbekammer zusammen. Das ist das Parlament des Schweizerischen Gewerbeverbandes. Henrique Schneider, der stellvertretende Direktor des Verbandes, legte den 100 Mitgliedern dar, warum der Vorstand die Ja-Parole zum Covid-19-Gesetz empfehle. Die Kammer schloss sich dieser Haltung klar an – und empfiehlt den Stimmberechtigten ein Ja.

In den vergangenen Tagen erschienen dann in mehreren Zeitungen Inserate eines Komitees, welches das Covid-19-Gesetz ablehnt. Titel: «Nein zur Spaltung der Gesellschaft.» Gezeichnet: Rahel Blocher, Martin Janssen und – neben anderen – Henrique Schneider.

Einmal Verbandsfunktionär, dann privater Bürger

Seine Funktion im Gewerbeverband erwähnt Schneider im Inserat nicht. Er präsentiert sich als «Professor für Volkswirtschaftslehre.» Schneider unterrichtet an einer privaten Fachhochschule im norddeutschen Bundesland Schleswig-Holstein.

War nicht im Bild: Fabio Regazzi, der Präsident des Verbandes.

War nicht im Bild: Fabio Regazzi, der Präsident des Verbandes.

KEYSTONE

Fabio Regazzi, der Präsident des Gewerbeverbandes und Nationalrat der Mitte-Partei, ist nicht erbaut. Es sei «an der Grenze», was Schneider tue. «Über sein Engagement gegen das Covid-Gesetz hat er mich nicht informiert.» Es wäre besser gewesen, wenn er das nicht gemacht hätte. Entscheidend sei aber, dass sich der Verband klar für ein Ja ausgesprochen habe.

Warum setzt sich der stellvertretende Direktor des Gewerbeverbandes einmal für und einmal gegen das Covid-19-Gesetz ein? «In der Gewerbekammer habe ich erklärt, warum der Verband für die Ja-Parole ist», sagt Henrique Schneider. Aber er sei auch Bürger dieses Landes und dürfe sich politisch engagieren, wie es ihm passe. Mit der Ausweitung des Covid-Zertifikats habe der Bundesrat seiner Meinung nach «einen Gesetzesbruch begangen». Die Schutzkonzepte, die gut funktioniert hätten, das Testen, das Contact Tracing – sie zählten alle nicht mehr. «Es geht nur noch um das Impfen. Das ist aus meiner Sicht falsch. Darum trete ich für ein Nein am 28.November ein.»

Schneider spricht von «totalitärer Tendenz» in der Schweiz

In einem Gespräch mit dem «Nebelspalter» kritisierte Schneider Mitte Oktober die «Impfreligion» der Behörden und sprach von einer «totalitären Tendenz» in der Schweiz: Bundesrat Alain Berset sei im Management der Pandemie alleine federführend, und seine Kollegen in der Landesregierung nickten alles ab.

Im Gewerbeverband kommen diese Äusserungen nicht gut an. Ein Exponent meint, was Schneider erzähle, sei völlig überzogen. Eine kantonale Sektion nach der anderen hat die Ja-Parole zum Covid-Gesetz beschlossen. Eine Ausnahme ist der Zürcher Gewerbeverband, der sich auf eine Stimmfreigabe festlegte.

Hansjörg Brunner (FDP), der Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes, sagt: «Zwei Argumente gaben den Ausschlag für die Ja-Parole: die finanzielle Unterstützung der Betriebe durch den Bund sowie das Covid-Zertifikat, das vielen Unternehmen wieder eine ungehinderte Tätigkeit ermöglicht.»

Was meint Verbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler (FDP) zum Nein seines Vizes? «Das ist die Position von Herrn Schneider als Privatperson», sagt Bigler.

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