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Die Zahnärztinnen-Schwestern Haleh und Golnar Abivardi wollen mit einem Wunder-Mittel das Bohren bei Karies-Befall überflüssig machen. Alles bloss geschicktes Marketing oder doch eine Sensation? 20 Minuten hat bei den beiden Unternehmerinnen nachgefragt.

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Die Schwestern Haleh (r) und Golnar Abivardi  finden, dass ihr neuer Gel die grösste Innovation seit Fluorid ist. 

Die Schwestern Haleh (r) und Golnar Abivardi finden, dass ihr neuer Gel die grösste Innovation seit Fluorid ist.

Anna-Tia Buss / Tamedia

Curodont Repair soll den mit Karies befallenen Zahnschmelz wieder regenerieren lassen.

Curodont Repair soll den mit Karies befallenen Zahnschmelz wieder regenerieren lassen.

AFP

Eine Behandlung des Lochs im Frühstadium soll das Bohren überflüssig machen.

Eine Behandlung des Lochs im Frühstadium soll das Bohren überflüssig machen.

© nicole pont / Tamedia AG

  • Das Mittel Curodont Repair soll das Karies-Loch im Zahn wieder reparieren.

  • Die Zahnärztinnen-Schwestern Haleh und Golnar Abivardi nennen das Gel «die nächste Generation von Fluorid».

  • In der Schweiz sind die Zahnärztinnen und Zahnärzte skeptisch.

  • Im Gespräch mit 20 Minuten sagen die beiden Unternehmerinnen, warum das so ist und wie es nun weitergeht.

Die Zahnärztinnen-Schwestern Haleh und Golnar Abivardi sind zurück. Nach ihrem Verkauf ihrer Zahnarztkette Swiss Smile vor vier Jahren wurde es ruhig um sie. Doch nun wollen sie mit Anti-Karies-Gel die Zahnmedizin revolutionieren. Curodont Repair soll den mit Karies befallenen Zahnschmelz wieder regenerieren lassen. Eine Behandlung des Lochs im Frühstadium soll das Bohren überflüssig machen.

In den USA haben die Abivardis einen Grossauftrag an Land gezogen. In der Schweiz harzt es aber. Warum, wenn das Gel doch eine Sensation sein soll? Oder ist alles bloss geschicktes Marketing? 20 Minuten hat bei Haleh und Golnar Abivardi nachgefragt.

Ein Mittel gegen Karies, dass das Bohren überflüssig macht – das klingt nach einer Sensation. Ist es das?Haleh Abivardi: Curodont ist die nächste Generation von Fluorid. Mit Fluorid ist eine Reduktion von Karies von 20 bis 40 Prozent möglich. Mit unserem Gel ist aber eine Wirkung von 90 bis 100 Prozent möglich.Golnar Abivardi: Der Unterschied ist, dass Fluorid an der Oberfläche bleibt. Curodont wirkt hingegen tiefer. Der Zahn regeneriert sich mit dem Gel selber und füllt das Loch wieder aus. Es ist in der Zahnmedizin tatsächlich eine Revolution und die grösste Innovation seit Fluorid.

Die Behandlung muss in einem Frühstadium des Kariesbefalls erfolgen. Aber bei einem richtigen Loch kommt man also immer noch nicht ums Bohren herum…Golnar Abivardi: Bei einem möglichen Loch sollte man sowieso zum Zahnarzt gehen – je früher desto besser. Haleh Abivardi: Unser Gel kann auch bei grösseren Löchern helfen. Der Zahnarzt muss dann entscheiden, was angewendet werden soll – das Bohren oder das Gel.

Haleh und Golnar Abivardi sind mit ihrer Zahnklinik-Kette Swiss Smile bekannt geworden. Gegründet haben die beiden Schwestern das Unternehmen 2002. Schon bald wurde die Klinik immer grösser, verschiedene Standorte kamen hinzu. Auch ins Ausland expandierte die Klinik. 2017 verkauften die Abivardis die Kette an Jacobs Holding und wurden zu Multimillionärinnen. Ende vergangenen Jahres haben die Unternehmerinnen die Schweizer Medtechfirma Credentis übernommen. Sie stellt das Anti-Karies-Gel Curodont Repair her. Die Firma ist nun in der Firma vVardis der beiden Schwestern integriert.

Die Technologie gibt es schon seit 2012. Warum ist bisher nicht gross rausgekommen, wenn es doch eine Sensation ist?Haleh Abivardi: Die Firma hat bereits seit über zehn Jahren Studien, Patente und die Weiterentwicklung vorangetrieben. Weltweit gibt es unterdessen über 200 Studien zu unserer Technologie und allein im deutschsprachigen Raum über 60’000 behandelte Kariesfälle. Der Fokus lag bisher auf der Forschung und nicht auf Verkauf und Aufklärung.

Oder Sie vermarkten das Mittel nun einfach sehr geschickt…Haleh Abivardi: Wenn wir schon so ein revolutionäres Produkt haben, dann müssen wir auch die notwendige Aufklärung betreiben. Nur aufgeklärte Zahnärzte und Patienten können diese weltweit verbreitetste Krankheit heilen helfen. Golnar Abivardi: Ob das Produkt angewendet wird, hängt von den Zahnärzten und Zahnärztinnen ab. Diese wollen wir angehen und überzeugen. Es geht um Aufklärung und Bewusstseinsmachung. Wir sind selber Zahnärztinnen und wollen nur das Beste für die Patienten und Patientinnen.

Dann kann ich jetzt Süsses essen so viel ich will und dann das Gel anwenden?Golnar Abivardi: Das würde ich nicht empfehlen. Zucker ist sowieso ungesund. Haleh Abivardi: Eine sorgfältige Mundhygiene bleibt das A und O. Um die Technologie auch für jedermann zugänglich zu machen, haben wir die Basis des Gels aber auch in unsere Mundpflegelinie vVardis integriert. Diese ist für jedermann rezeptfrei erhältlich.

Im Gegensatz zu den USA sind in der Schweiz die Zahnärztinnen und Zahnärzte beim Einsatz von Curodont Repair zurückhaltend. Denkbar ist, dass dabei wirtschaftliche Überlegungen eine Rolle spielen, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Eine Behandlung mit dem Gel kostet gemäss offiziellem Tarif rund 80 Franken. Bohren und Füllung belaufen sich dagegen rasch auf 150 bis 300 Franken. Zahnärztinnen und Zahnärzte fordern ein Umdenken und eine Anpassung der Tarife. Der Nachteil beim Gel ist, dass die Behandlung nur in einem frühen Stadium von Kariesbefall möglich ist.

Sie arbeiten nun mit dem grössten Zahnversicherer in den USA zusammen. Warum klappts in der Schweiz nicht?Haleh Abivardi: In den USA wurde das Gel seit 2018 bei Tausenden Patienten und Patientinnen erfolgreich angewendet. Die Wirksamkeit des Gels hat die Zahnärzte und -ärztinnen, aber auch die Versicherungen überzeugt. Es ging dort also auch nicht von heute auf morgen. Die Zahl der anwendenden Zahnarztpraxen beginnt jetzt auch in der Schweiz zu wachsen.

Die Behandlung ist viel günstiger als Bohren. Sehen Sie wirtschaftliche Überlegungen der Zahnärzte und Zahnärztinnen, dass diese das Mittel noch nicht gross anbieten in der Schweiz? Haleh Abivardi: Wir sind uns einig, dass es noch mehr Aufklärung braucht. Eine Behandlung mit Gel kostet leicht weniger als eine kleine Zahnfüllung. Die Entscheidung sollte in jedem Fall beim Patienten und der Patientin liegen – dazu braucht es aber auch aufgeklärte Patienten und Patientinnen. Golnar Abivardi: Für die Zahnärzte und Zahnärztinnen steht das Wohl der Patienten und Patientinnen zuoberst . Wir sind überzeugt, dass mit unserer Technologie am Schluss alle gewinnen werden, auch die Zahnärzte und Zahnärztinnen.

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«Unser Gel ist eine Revolution in der Zahnmedizin»
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