Die beiden Grossmütter des verstorbenen Babys treten heute in den Zeugenstand

Im Obergerichtssaal in Solothurn geht der Prozess gegen den Vater, dem vorgeworfen wird, im Juli 2010 in Breitenbach seinen acht Wochen alten Sohn getötet zu haben, weiter. Am zweiten Tag soll der Beschuldigte über die Taten, die ihm von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt werden, sprechen – er verweigert jedoch jegliche Aussage.

In Solothurn beurteilen drei Richter, ob ein Vater seinen Sohn vorsätzlich getötet hat.

In Solothurn beurteilen drei Richter, ob ein Vater seinen Sohn vorsätzlich getötet hat.

Hanspeter Bärtschi

2. Verhandlungstag: Mittwoch, 28. April, Vormittag

Nach den Befragungen der sechs verdeckten Ermittler am ersten Prozesstag werden am Mittwoch die beiden Grossmütter des verstorbenen Kindes in den Zeugenstand gerufen. Es wird spannend zu sehen sein, ob ihre Aussagen zur Aufklärung der damaligen Ereignisse in Breitenbach und Röschenz beitragen können. Ebenso muss der während der gestrigen Verhandlung geistesabwesend wirkende Beschuldigte über die Verbrechen sprechen, die ihm vorgeworfen werden.

Bevor es im Obergerichtssaal in Solothurn losgehen kann, wird der gestrige Tag erst einmal Revue passiert. Wirklich aufschlussreich waren die Schilderungen der verdeckten Ermittler nicht. In vielen Fällen antworteten sie ausweichend auf die Fragen der Gerichtspräsidentin Georgia Marcionelli Gysin und der Verteidigerin Eveline Roos. Belastendes über den Vater konnten sie während ihrer Ermittlungen nicht zu Tage fördern. Die Videoschaltung, bei der sich die Vermittler hinter einer Glasscheibe befanden und mit verzerrter Stimme sprachen, gab zudem ein ziemlich kurioses Bild ab.

Verteidigerin Roos bezeichnet die Befragung der verdeckten Ermittler als «Farce». Es habe stark den Anschein gemacht, dass sich die sechs Personen vor ihren Aussagen abgesprochen hätten. Die Anwältin des Angeklagten stellt erneut den Antrag, bei den verdeckten Ermittlern die Anonymität aufzuheben. Das Gericht lehnt den Antrag erneut ab.

Mutter und Ex-Schwiegermutter des Verdächtigen sagen aus

Im Anschluss an dieses Vorgeplänkel wird die Mutter des Angeklagten in den Zeugenstand gerufen. Sie erklärt, dass sie nicht sagen könne, wer für den Tod des Jungen und für die schweren Verletzungen des Mädchens verantwortlich sei. Sie könne sich vorstellen, dass die Kinder von der Mutter geschüttelt worden seien. «Meine Meinung über meine frühere Schwiegertochter hat sich grundlegend verändert. Vielleicht war ich ein zu lieber Trottel.» Konkreter wird sie hier nicht. Überfordert sei die Kindsmutter mit ihren Kindern nicht gewesen. «Sie war eine gute Mutter.»

Belastende Aussagen gegenüber ihrem Sohn macht sie keine. «Mein Sohn ist ruhig. Ausraster habe ich nie erlebt.» Sie liest einen Tagebucheintrag eines Tages vor, an dem ihre Enkelin in ihrer Obhut war. Als sie ihr Grosskind damals bei den Eltern abholte, habe ihr Sohn seine Tochter «liebevoll in den Kinderwagen gebettet». Verdächtiges lässt sich im gesamten Tagebucheintrag nicht finden.

Sie traue ihrem Sohn nicht zu, dass er seinen Kindern etwas antun könne.

«Niemals würde er das machen. Er arbeitete den ganzen Tag. Abends kam er nach Hause und freute sich auf seine Kinder.»

Ihr Sohn sei «ruhig, freundlich und liebenswert» gewesen. Heutzutage gehe es ihm sehr schlecht. «Er hat keinen Kontakt mehr mit der Menschheit – nur noch mit mir.» Das sei nicht erstaunlich, nach all den Dingen, die er erlebt hat. Sie ringt mit den Tränen. Der Beschuldigte habe keinen Kontakt zu seiner Tochter. Auch sie habe ihre Enkelin seit acht Jahren nicht mehr gesehen.

Nun sagt die andere Grossmutter des verstorbenen Babys aus. Die damalige Schwiegermutter des Angeklagten erzählt, dass es ihr heute gut gehe. Für sie sei unerklärlich, was damals geschah. Aufgrund der Verletzungen der Kinder sagt sie jedoch: «Jemand muss es gewesen sein.» Ihre Tochter habe ihr damals versichert, nicht für die Verletzungen verantwortlich zu sein. Ihren früheren Schwiegersohn habe sie im Umgang mit den Kindern «ganz normal» erlebt.

Gutachter: Tod durch Ersticken sei am wahrscheinlichsten

Der Sachverständige Dr. Daniel Wyler tritt in den Zeugenstand. Dieser hatte im Jahr 2016 im Auftrag der Solothurner Staatsanwaltschaft ein medizinisches Gutachten über den Tod des Babys in Breitenbach verfasst. Das Ersticken, das in der Anklageschrift als Todesursache beschrieben wird, sei zwar nicht sichtbar. «Aber ich sehe keinen anderen Grund.» Dieser Grund für das Ableben sei am wahrscheinlichsten.

Aufgrund der Rippenbrüche, die beim verstorbenen Kleinkind festgestellt wurden, sei es plausibel, dass es geschüttelt wurde. Es gebe eine Diskrepanz zwischen den Brüchen, weshalb diese wohl zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftauchten. Grundsätzlich habe es sich beim Baby um einen gesunden Säugling gehandelt.

«Ein plötzlicher Kindstod kann ausgeschlossen werden.»

Bei seinen Einschätzungen, so stellt Wyler klar, handle es sich um Hypothesen.

Im Fall des acht Wochen alten Mädchens sei es möglich gewesen, ihm nur durch wenige Sekunden langes Schütteln schwere Verletzungen beizufügen. Ein Gutachten zu diesem Fall hat Daniel Wyler jedoch nicht erstellt. Die Solothurner Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, seine Tochter in Röschenz vorsätzlich heftig geschüttelt zu haben. Wegen der Verletzungen musste das Kleinkind «zweimal neurochirurgisch operiert werden. Sie befand sich während 35 Tagen beim Universitäts-Kinderspital beider Basel in Spitalpflege», heisst es in der Anklageschrift. Seit den Ereignissen habe sie halbjährlich bei der Augenarztpraxis am Marktplatz untersucht zu werden.

Beschuldigter verweigert die Aussage am Nachmittag

Mit der Befragung des Sachverständigen endet der heutige Prozesstag abrupt. Die für den Nachmittag geplante Befragung des Beschuldigten muss ausfallen. Der Vater ist nicht bereit, auszusagen.

«Mein Mandant ist nicht in der Lage, Aussagen zu machen. Er leidet unter einer posttraumatischen Belastungsstörung»,

sagt seine Verteidigerin Eveline Roos. «Er macht von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern.» Bei früheren Befragungen habe er immer gesagt, nichts getan zu haben und unschuldig zu sein. Ebenso habe ihr Klient das Vertrauen in die Justiz und den Rechtsstaat völlig verloren.

Das Gericht akzeptiert den Entscheid des Angeklagten, nicht auszusagen. Damit geht es morgen Vormittag mit den Plädoyers der Solothurner Staatsanwaltschaft und der Verteidigerin des Beschuldigten weiter.

Der Fernsehsender TeleM1 fragte nach, warum der Vater keine Aussagen mehr machen wollte.

TeleM1

1. Verhandlungstag: Dienstag, 27. April, Vormittag

Die Geschehnisse liegen ein Jahrzehnt zurück, machen aber noch immer betroffen. In diesen Tagen soll ans Tageslicht kommen, was damals in Breitenbach und zwei Jahre später in Röschenz passiert ist. Einem heute 34-Jährigen wird vorgeworfen, seinen acht Wochen alten Sohn erstickt zu haben. Als er wieder Vater wurde, soll er seine kleine Tochter so heftig geschüttelt haben, dass sich das Mädchen schwer verletzte.

Ab Dienstag steht der Beschuldigte vor dem Richteramt Dorneck-Thierstein. Da es die Platzverhältnisse in Dornach nicht erlauben, findet der Prozess am Obergericht in Solothurn statt. Das Medieninteresse an den Verhandlungen, die bis und mit Donnerstag dauern, ist gross. Die Anklage der Solothurner Staatsanwaltschaft lautet im Fall des verstorbenen Babys auf vorsätzliche Tötung. Der Vater soll am 26. Juli 2010 in Breitenbach seinem im Laufgitter liegenden Sohn mit einem «unbekannten Gegenstand die äusseren Atemwege» bedeckt haben, so dass das Kleinkind erstickte.

Im Frühling des Jahres 2012 wurden Vater und Mutter des verstorbenen Jungen erneut Eltern eines gemeinsamen Kindes. Mittlerweile in Röschenz wohnhaft, habe der Vater seine ebenfalls acht Wochen alte Tochter vorsätzlich heftig geschüttelt, «so dass der Kopf der Geschädigten mehrmals mit hoher Energie vor- und zurückgeschleudert wurde», wie es in der Anklageschrift heisst.

«Die Geschädigte erlitt durch die verursachten Schütteltraumata mindestens zweimal Subduralblutungen und Netzhautblutungen in beiden Augen.»

Als Folge davon habe sich die Fontanelle gespannt und der Kopfumfang erheblich vergrössert. «Ausserdem entwickelte sich die Sehschärfe verzögert.» Dem Beschuldigten sei das hohe Risiko tödlicher Folgen bekannt gewesen. «Nach den Übergriffen unterliess es der Beschuldigte, die Geschädigte fachärztlich untersuchen zu lassen.» In Fall seiner Tochter muss sich der Vater wegen mehrfacher versuchter vorsätzlicher Tötung verantworten. Ein Dreiergericht unter dem Vorsitz von Georgia Marcionelli Gysin wird den Fall beurteilen.

Verteidigerin übt harsche Kritik an den verdeckten Ermittlungen

Der Fall hatte im Vorfeld für Aufsehen und Kritik gesorgt, da bei den Untersuchungen sechs verdeckte Ermittler eingesetzt wurden. Diese schleusten sich ins Leben der Eltern ein und gaben sich teilweise als vermeintlich neue Freunde aus. Im Jahr 2016 erklärte das Solothurner Obergericht die verdeckten Ermittlungen für unzulässig. Das Bundesgericht beurteilte dies anders: Der Verdacht auf «massive Kindsmisshandlungen» hätte die Observationen gerechtfertigt.

Am ersten Tag des Prozesses steht die Befragung der sechs verdeckten Ermittler auf dem Programm. «Diese Personen werden mit verzerrter Stimme und hinter einer Glasscheibe via Video zugeschaltet», erklärt Gerichtspräsidentin Marcionelli Gysin. Von Anfang an nimmt der Beschuldigte, für den die Unschuldsvermutung gilt, die Verhandlung teilnahmslos zur Kenntnis. Die Frage der Gerichtspräsidentin, ob er den Inhalt der Anklageschrift verstanden habe, muss seine Verteidigerin Eveline Roos bejahend für ihn beantworten.

Verteidigerin Roos übt massive Kritik an den Undercover-Ermittlungen, die sie als «invasiv und perfid» bezeichnet. Ihr Antrag, dass bei den verdeckten Ermittlern die Anonymität während der Verhandlung aufgehoben werden soll, lehnt Gerichtspräsidentin Marcionelli Gysin ab.

«Die verdeckten Ermittler stehen andernorts noch immer im Einsatz, weshalb ihnen die Anonymität zugesichert werden muss»,

begründet sie ihren Entscheid. Zum Schutz dieser Personen sei es nicht möglich, deren Identität preiszugeben.

Auch der Basler Anwalt Christian von Wartburg, der den neuen Lebenspartner der Mutter vertritt, kritisiert die Methoden der Ermittlungsbehörden. «Mein Mandant war auch von den verdeckten Ermittlungen betroffen und hat sie als schrecklich empfunden.» Die Mutter wiederum wird nicht als Zeugin befragt, da sie aufgrund eines Arztzeugnisses vom Prozess dispensiert wurde.

TeleM1 fragt nach, warum die Verteidigung findet, dass die verdeckten Ermittlungen zu weit gingen.

TeleM1

Die verdeckten Ermittlungen dauerten eineinhalb Jahre

Bevor die sechs Personen einzeln befragt werden, gibt Urs Schaufelberger, der die verdeckten Ermittlungen koordinierte, Auskunft über die Arbeit der Ermittler. Er erklärt, dass die verdeckten Ermittler bei ihrem Einsatz keine Aufnahmen erstellen oder Notizen machen durften. Ihre anschliessenden Aussagen über die Treffen mit Vater und Mutter machten die verdeckten Ermittler lediglich aus der Erinnerung heraus.

Die verdeckten Ermittlungen dauerten gemäss Schaufelberger insgesamt eineinhalb Jahre lang. Die verdeckten Ermittler hätten bei ihren Einsätzen nicht von sich aus die mutmasslichen Taten ansprechen dürfen. Wegen technischer Probleme konnte mit der Befragung der verdeckten Ermittler am Vormittag noch nicht begonnen werden. Nach der Mittagspause sollen die Probleme gelöst sein.

1. Verhandlungstag: Dienstag, 27. April, Nachmittag

Nach der Mittagspause sind die technischen Probleme behoben und die verzerrten Stimmen der verdeckten Ermittler gut zu verstehen. Die Befragung dieser Personen wirkt surreal: Zugeschaltet sprechen sie hinter einer Glasscheibe mit Roboterstimme nüchtern über ihre Einsätze.

Wo sich die verdeckten Ermittler befinden, ist unklar. Am Montag haben sich die Gerichtspräsidentin und die Amtsgerichtsschreiberin bereits mit den verdeckten Ermittlern zur Feststellung der Identität der Ermittler getroffen. Alle verdeckten Ermittler treten unter dem Vornamen auf, mit dem sie sich damals Mutter und Vater vorgestellt haben. Ebenfalls trägt jeder verdeckte Ermittler und jede verdeckte Ermittlerin eine Kombination aus Buchstaben und Zahlen, etwa: VEA 2080.

Als erster verdeckter Ermittler wird «Andy» befragt. Er ist einer von drei Personen, die sich von März 2014 bis April 2015 ins Leben der Mutter und ihres neuen Lebensgefährten einschlichen und in dieser Zeit zu engen Freunden wurden. Dasselbe gilt auch die folgenden zwei verdeckten Ermittler: «Sophie» und «Sandra».

«Andy» erzählt, dass die Mutter des verstorbenen Babys in den Gesprächen sehr offen gewesen sei und auch aus dem Tod ihres Kindes keinen Hehl gemacht habe. Bei seiner Arbeit als verdeckter Ermittler, die er seit mehreren Jahren ausübe, sei eine solche Offenheit selten. Während der gesamten Ermittlungen habe die Mutter nie jemanden namentlich beschuldigt, für den Tod ihres Sohnes verantwortlich zu sein. Der Auftrag der verdeckten Ermittlung sei gewesen, den Tod des Knaben und die schweren Verletzungen des Mädchens aufzuklären.

Auftrag der verdeckten Ermittler: Vertrauen gewinnen

Als zweites spricht «Sophie» über ihre Arbeit. Auf die Frage von Staatsanwalt Raphael Stüdi, welche Instruktionen sie zur Gesprächsführung erhalten habe, sagt die Deutsche: «In der ersten Instruktion ging es um den Sohn, in der zweiten um die Tochter. Wir durften jedoch keinen Druck und keinen Zwang ausüben.» Angeordnet wurden die verdeckten Ermittlungen von der Solothurner Staatsanwaltschaft, ausgeführt vom Bundesamt für Polizei Fedpol.

Verteidigerin Eveline Roos liest «Sophie» einige SMS vor, die diese an die Mutter geschickt hat, etwa: «Es tut mir einfach weh, wenn es dir so schlecht geht. Aber das ist normal in einer Freundschaft. Freunde sind füreinander da.» Die verdeckte Ermittlerin sagt, dass ihr Auftrag gewesen sei, das Vertrauen der Mutter zu gewinnen.

Auch «Sandra» arbeitete als Undercover-Ermittlerin, um die mutmasslichen Verbrechen in Breitenbach und Röschenz aufzuklären. Ihre Auftraggeberin sei die Solothurner Staatsanwaltschaft gewesen, berichtet sie. Gerichtspräsidentin Marcionelli Gysin befragt sie nach den wichtigsten Ergebnissen ihrer Ermittlungen.

«Die Mutter konnte nicht ausschliessen, dass der Vater die Taten, die ihm vorgeworfen werden, begangen hat. Sie sagte mir, dass er zwei Gesichter habe und wütend werden könne.»

Es liege nicht an ihr, zu beurteilen, wer für den Tod des Jungen und die schweren Verletzungen des Mädchens verantwortlich sei. «Sandra» sagt: «Mein Auftrag war es, belastende und entlastende Fakten zu finden.»

«Zu Beginn hatte ich Verfolgungswahn»

Nach dem Abschluss der Befragungen der drei verdeckten Ermittler schildert der neue Lebenspartner der Mutter das Erlebte. Er ist verfahrensbeteiligter Dritter, der Schadensersatz für die verdeckten Ermittlungen verlangt. «Am meisten hat mich gestört, dass man uns hinter das Licht geführt hat.» Seither meide er neue Beziehungen, und es gebe nur noch sehr wenige Leute in seinem Umfeld, denen er vertraue. «Zu Beginn hatte ich Verfolgungswahn.» Heute sei es nicht mehr so schlimm wie damals.

Ihr neuer Lebensgefährte erzählt, dass seine Frau bis heute nicht wisse, was damals in Breitenbach und später in Röschenz passiert ist. Sein Anwalt Christian von Wartburg sagt: «Die verdeckten Ermittlungen nahmen ein Ausmass an, das nicht mehr verhältnismässig ist.» So sehr er die Absicht, den Fall aufzuklären, stütze: «Dieser Weg war der falsche. Er führte zu Kollateralschäden.»

Wenn sich vermeintlich enge Freunde als kaltherzige Polizisten entpuppten, sei dies äusserst traumatisierend. «Das ist erlebter Verrat.» Gehe man so mit Menschen um, zerstöre man auch ihr Vertrauen in den Rechtsstaat und die Institutionen, findet von Wartburg. Die Emotionslosigkeit, mit der die verdeckten Ermittler sprachen, habe ihn erstaunt.

Der Angeklagte gab kaum etwas von sich preis

Zum Abschluss des ersten Prozesstages werden die verbliebenen drei verdeckten Ermittler einvernommen. Ihr Auftrag war es, das Vertrauen des Vaters zu gewinnen. Sie bewegten sich von Oktober 2014 bis April 2015 in seinem Umfeld.

Der erste Undercover-Ermittler «Marcel» kann die Persönlichkeit des Angeklagten nur wie folgt beschreiben: «Er ist zurückhaltend.» Über die Kinder des mutmasslichen Täters hätten die beiden kaum miteinander gesprochen. Auch als der frühere Bekannte über ihn spricht, reagiert der Beschuldigte kaum und wirkt ähnlich geistesabwesend wie während der gesamten Verhandlung.

Gerichtspräsidentin Marcionelli Gysin fragt «Esther», die nächste verdeckte Ermittlerin, nach entlastenden und belastenden Beweisen über den Vater. Sie könne dies kaum beantworten, sagt diese.

«Wir haben nur sehr wenig über persönliche Angelegenheiten gesprochen.»

Verteidigerin Eveline Roos will wissen, ob sich die Zeuginnen und Zeugen vor dem Prozess abgesprochen hätten, da ihrer Ansicht nach die Antworten vieler verdeckten Ermittler ähnlich daher kommen: «Esther» antwortet: «Definitiv nicht.»

Beim letzten verdeckten Ermittler handelt es sich um «Roberto». «Die Zeitdauer, in der ich auf den Beschuldigten angesetzt war, war relativ kurz», sagt er. Der Vater des verstorbenen Babys habe sich zwar teilweise widersprochen. Belastende Fakten habe der verdeckte Ermittler jedoch keine finden können. Hingegen sagte er einmal, dass er beim Tod seines Sohnes «nichts getan habe».

Zusammengefasst brachten die Aussagen dieser drei verdeckten Ermittler kaum Ergiebiges. Der Angeklagte hatte während den Gesprächen mit diesen Personen kaum etwas von sich preis gegeben. Zudem belastete er sich selber nicht.

Mit der Einvernahme des letzten Undercover-Ermittlers endet der erste Prozesstag in Solothurn. Morgen Mittwoch geht es mit der Befragung der beiden Grossmütter des verstorbenen Kleinkindes und des Beschuldigten weiter.

Vater von verstorbenem Baby steht vor Gericht – er soll seinen Sohn erstickt haben
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