Zwölf europäische Spitzenclubs wollen eine Superliga gründen. Die Uefa und die Fifa sind entsetzt. Alle Informationen dazu im Ticker.

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Kommt es wirklich zum Mega-Eklat in der laufenden Champions League? Jesper Moller, Mitglied des Uefa Exekutivkomitees und Präsident des dänischen Fussballverbands, sagt gegenüber DR Sport: «Real Madrid, Manchester City und Chelsea werden raus sein und ich gehe davon aus, dass es am Freitag passiert.» Somit wären drei der vier Halbfinalisten raus aus dem Rennen um den diesjährigen Champions-League-Titel und nur noch Paris Saint-Germain wäre dabei. «Und dann muss man schauen, wie die Champions League zu Ende geht», so Moller.

Trainer Jürgen Klopp hat sich gegen die unter anderen von seinem Verein FC Liverpool initiierte Superliga ausgesprochen. «Meine Meinung hat sich nicht geändert», sagte der 53-Jährige am Montag im Sender Sky Sports vor dem Premier-League-Spiel seines Teams bei Leeds United. In der Vergangenheit hatte er gesagt, dass er hoffe, dass es niemals eine Superliga geben werde. Mit Blick auf die Kritik und die Proteste meinte Klopp nun: «Die Leute sind nicht glücklich damit, ich kann das verstehen.»

Er könne nicht viel mehr zur Superliga sagen, «weil wir nicht in den Prozess involviert waren – nicht die Spieler, nicht ich – wir wussten nichts davon. Wir müssen abwarten, wie es sich entwickelt», sagte er weiter.

Leeds United setzte am Montagabend ein Zeichen beim Spiel gegen den FC Liverpool, der an der Superliga beteiligt ist. Beim Aufwärmen trugen sie T-Shirts mit der Aufschrift «Champions League – verdient es. Fussball ist für die Fans.»

Prinz William hat sich als Präsident des englischen Fussballverbands FA den kritischen Stimmen zu den Plänen für eine europäische Superliga angeschlossen. «Ich teile die Sorgen der Fans über die vorgeschlagene Super League und den Schaden, der damit dem von uns allen geliebten Spiel zugefügt werden kann», schrieb der Zweite in der britischen Thronfolge auf Twitter. Die gesamte Fussball-Gemeinschaft müsse jetzt mehr denn je geschützt werden «von ganz oben bis zur Basis – und die Werte des Wettbewerbs und der Fairness in ihrem Kern», so der Royal.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender des FC Bayern München, äusserte sich zur Superliga: «Der FC Bayern hat sich an den Planungen einer Superliga nicht beteiligt. Wir sind davon überzeugt, dass die aktuelle Statik im Fussball eine seriöse Basis garantiert. Der FC Bayern begrüsst die Reformen der Champions League, weil wir glauben, dass sie für die Entwicklung des europäischen Fussballs der richtige Schritt sind. Die modifizierte Vorrunde wird zu mehr Spannung und Emotionalität im Wettbewerb beitragen.»

Und weiter: «Ich glaube nicht, dass die Superliga die finanziellen Probleme der europäischen Clubs lösen wird, die durch Corona entstanden sind. Vielmehr sollten alle Vereine in Europa solidarisch daran arbeiten, dass die Kostenstruktur, insbesondere die Spielergehälter und die Honorare für die Berater, den Einnahmen angepasst werden, um den gesamten europäischen Fussball rationaler zu gestalten.»

Die spanische Regierung will sich im Streit um die Gründung der Superliga vorerst auf keine Seite schlagen. «Um uns eine fundierte Meinung bilden zu können, ist es glaube ich wichtig, dass wir zunächst alle Seiten hören», sagte der Kultur- und Sportminister der linken Regierungskoalition, Manuel Rodríguez Uribes, vor Journalisten in Madrid.

Er habe am Montag bereits mit den Präsidenten der spanischen Profi-Liga und des nationalen Verbandes RFEF über das umstrittene Projekt von zwölf europäischen Topclubs gesprochen, erklärte der Minister. Bald wolle er im persönlichen Gespräch auch die Ansichten und Argumente der Uefa sowie der drei verwickelten Clubs der Primera División (Real Madrid, FC Barcelona und Atlético Madrid) hören.

Die spanische Regierung äusserte sich zwar zurückhaltend, aber auch auf der iberischen Halbinsel war der Aufschrei der Superliga-Gegner gross. Die spanische Liga verurteilte das Projekt «aufs Schärfste». Das Vorhaben sei elitär und egoistisch und werde «die Reichen noch reicher machen». Zahlreiche Vereine kritisierten das Vorhaben, darunter der FC Porto in Portugal sowie in Spanien der FC Valencia, Europa-League-Halbfinalist FC Villarreal und Betis Sevilla.

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin glaubt Fifa-Präsident Gianni Infantino im Kampf gegen die neue Superliga auf seiner Seite. «Ich glaube, ja», antwortete der Slowene am Montag während eines Mediengespräches auf die Frage, ob er Infantino noch vertraue. Der Schweizer habe seine volle Unterstützung zugesagt. «Ich freue mich darauf, ihn morgen zu hören», sagte Ceferin mit Blick auf den Uefa-Kongress an diesem Dienstag, bei dem Infantino eine Rede halten wird.

Die Uefa konterte die Superliga-Pläne der zwölf Abtrünnigen mit ihrer weitreichenden Reform der Champions League und sprach eine beispiellose Drohung aus. «Die Spieler, die in diesen Teams spielen, die vielleicht in einer geschlossenen Liga spielen, werden von der Weltmeisterschaft und Europameisterschaft ausgeschlossen», sagte Uefa-Präsident Aleksander Ceferin am Montag. Wann dies geschehen werde, liess der Slowene allerdings noch offen. Es sei «zu früh», um über rechtliche Konsequenzen zu sprechen. Es solle aber «so früh wie möglich» geschehen.

«Wir stehen alle gemeinsam gegen dieses Nonsens-Projekt. Alle 55 Verbände sind gegen die zynischen Pläne», sagte Ceferin und griff die abtrünnigen Clubs scharf an. «Solidarität ist etwas, das für immer steht. Für manche ist Solidarität, Einheit etwas, was nicht existiert. Das einzige, was für sie zählt, ist ihre eigene Tasche.» Er wolle die Vereine nicht «dreckiges Dutzend» nennen – und implizierte mit seinen anderen Worten doch genau das. Weiter meinte er: «Die Clubs spucken den Fans ins Gesicht.»

Ceferin attackierte zudem den mächtigen Funktionär Andrea Agnelli wegen der Pläne für die Superliga massiv. «Ich möchte nicht viel über Agnelli sprechen. Er ist die grösste Enttäuschung von allen», sagte Ceferin über den Präsidenten von Juventus Turin am Montag nach einer Sitzung der Exekutive der Europäischen Fussball-Union. «Ich habe noch nie eine Person getroffen, die so viel gelogen hat wie er es tat.»

Das wäre für das Schweizer Nationalteam der Supergau: Wenn Captain Granit Xhaka und Schlüsselspieler Xherdan Shaqiri nicht mehr für die Nati auflaufen dürften. Dieses Szenario ist möglich, denn die Uefa schreibt in ihrem Statement: «Wie bereits früher von der Fifa und den sechs Kontinentalverbänden kommuniziert, werden die betreffenden Clubs für alle anderen Wettbewerbe auf nationaler, europäischer und weltweiter Ebene gesperrt. Und ihren Spielern könnte die Option verweigert werden, ihr Land als Nationalspieler zu vertreten.»

Wenn also Arsenal und Liverpool bei der Superliga mitmachen würden, könnten Xhaka und Shaqiri gesperrt werden. Es wäre ein herber Rückschlag für die Nati — an der EM, aber auch in der WM-Quali.

Der Schweizerische Fussballverband SFV äussert sich bisher wie folgt zu diesem Thema: «Betreffend Nationalmannschaften ist es für uns noch zu früh, uns dazu zu äussern, zumal uns noch zu wenig konkrete Informationen vorliegen.»

Uefa-Präsident Aleksander Ceferin bestätigte derweil die angekündigten Sperren gegen Nationalspieler: «Die Spieler, die in der Superliga spielen werden, werden für die WM und die EM gesperrt.» Wann dies geschehen werde, liess der Slowene allerdings noch offen. Es sei «zu früh», um über rechtliche Konsequenzen zu sprechen. Es solle aber «so früh wie möglich» geschehen.

Im Streit um eine europäische Super League hat die Spielervereinigung Fifpro davor gewarnt, Fussballer als Druckmittel zu nutzen. «Wir werden uns energisch gegen Massnahmen beider Seiten aussprechen, die die Rechte der Spieler beeinträchtigen würden, beispielsweise den Ausschluss aus ihren Nationalmannschaften», teilte die Fifpro am Montag mit. Der Präsident des europäischen Fussballverbands Uefa, Aleksander Ceferin, hatte angekündigt, Spieler, die mit ihren Mannschaften in der Super League antreten, würden von Europa- und Weltmeisterschaften ausgeschlossen. «Spieler werden weiterhin als Werte und Hebel bei diesen Verhandlungen missbraucht», kritisierte die Fifpro. Dies sei inakzeptabel.

Die Swiss Association of Football Players bläst ins gleiche Horn. «Der vorgeschlagene Schritt könnte die Stärke und Leidenschaft für die nationalen Fussballmeisterschaften beeinträchtigen und das Interesse für die grosse Mehrheit der europäischen Ligen und Fans auf dem gesamten Kontinent negativ tangieren», so Dr. Lucien Valloni, Präsident der SAFP. Und: «Die Spieler dürfen weder für die eine noch für die andere Seite zum Spielball der Interessen degradiert werden.» Die SAFP werde mit den Spielern, dem SFV, der SFL und über die FIFPRO mit anderen Spielergewerkschaften zusammenarbeiten, um die besten Interessen des Fussballsports zu vertreten.

Claudius Schäfer, der CEO der Swiss Football League, kritisiert die Superliga-Pläne. Im Interview mit 20 Minuten sagt er: «Die Pläne widersprechen jeglichen Werten, die wir eigentlich vorleben. Es geht nur noch um das kommerzielle Produkt Fussball. Nur noch darum, dass die Clubs ihre riesigen Schulden mit dem vielen Geld aus der Superliga tilgen können. Für den internationalen Club-Fussball sind die Pläne absolut verheerend, aber natürlich auch für den nationalen. Insbesondere die Ligen in England, Spanien und Italien sind derzeit betroffen.»

Italiens Fussballverband (Figc) hat sich gegen die Superliga ausgesprochen. Fussball sei kein elitärer Club, er gehöre den Fans, sagte Figc-Chef Gabriele Gravina am Montag in Montreux. «Ich bekräftige unser Nein zur Superliga», erklärte er weiter. Die einzige gangbare Reform sei die der Champions League. Jeder Versuch nach vorne zu fliehen, sei schädlich für den europäischen Fussball.

Auch nach der Ankündigung von Topclubs zur Gründung einer eigenen Superliga hat die Europäische Fussball-Union Uefa eine weitreichende Reform der Champions League beschlossen. Ab der Saison 2024/25 werden 36 statt bislang 32 Teams teilnehmen, zudem wird es deutlich mehr Spiele geben, wie die Uefa am Montag mitteilte.

In der Champions League wird so ab 2024 nicht mehr wie gewohnt in acht Vorrundengruppen gespielt werden. Anstelle dessen wird es eine Liga geben, in der aber nicht Jeder gegen Jeden antritt. Dabei bestreitet jedes Team zehn statt bislang sechs Vorrundenspielen. Die acht topplatzierten Mannschaften ziehen direkt in das Achtelfinale ein. Die Teams auf den Rängen neun bis 24 treffen in Playoffs aufeinander, um die weiteren acht Teilnehmer an der K.o.-Runde zu ermitteln.

Änderungen wird es auch in den weiteren internationalen Wettbewerben geben. Die zweitklassige Europa League wird im selben Format wie die Champions League ausgetragen, allerdings mit nur acht Gruppenspielen pro Team. In der kommende Saison eingeführten Conference League soll es sechs Vorrundenpartien pro Mannschaft geben. Die Reform wird von organisierten Anhängern stark kritisiert.

Immer elitärer

Weiter wird die Champions League elitärer. Die Top-5-Ligen teilen zwar wie bis anhin 19 Startplätze unter sich auf. 2 weitere Startplätze gehen aber an Teams, die sich über die Leistungen in der Vorsaison nicht qualifizieren konnten, im 5-Jahres-Ranking der Uefa jedoch gut dastehen. Das dürfte ebenfalls den Klubs aus den Top-Ligen zugutekommen.

Die Eigentümer der sechs englischen Superliga-Clubs haben dem Sender Sky News zufolge keine Sorgen vor negativen Folgen. Die Besitzer hätten einen Gegenschlag einkalkuliert, zitierte Sky News am Montag ein Vorstandsmitglied eines der Vereine, das namentlich nicht genannt werden wollte. «Um ehrlich zu sein, waren sie nicht sehr besorgt über (negative) PR.» Das Wohl des Spiels sei für sie zweitrangig.

Im Geheimen seien die Eigner sogar erfreut über die Möglichkeit, dass ihre Spieler für Europa- und Weltmeisterschaft gesperrt werden könnten, sagte der anonyme Manager. «Sie mögen es nicht, ihr spielendes Vermögen für eine sehr geringe finanzielle Belohnung an Länder weiterzugeben.»

Es gebe zwar innerhalb der beteiligten Premier-League-Clubs einige Vorstandsmitglieder, die gegen die Pläne seien. «Aber sie haben den Eindruck, dass sie keine Macht haben, sie zu stoppen», sagte der Manager. Mit Blick auf die Situation im Fussball sagte er: «Dies ist kein Bürgerkrieg, sondern ein Atomkrieg.»

Der ehemalige Weltfussballer Luís Figo hat die Pläne für eine europäische Superliga scharf kritisiert. «Diese sogenannte ‹Superleague› ist alles andere als ‹super›», twitterte der 48-jährige Portugiese am Montag. «Dieser gierige und gefühllose Schritt würde eine Katastrophe für unsere Basis, den Frauenfussball und die breitere Fussballgemeinschaft bedeuten.»

Es gehe den Clubeigentümern, «die sich seit langer Zeit nicht mehr um ihre Fans kümmern», nur um ihre eigenen Interessen, betonte der ehemalige Superstar. «Tragisch.» Figos ehemalige Clubs FC Barcelona und Real Madrid gehören zu den zwölf Gründungsvereinen der Super League.

Borussia Mönchengladbachs Geschäftsführer Max Eberl und Stephan Schippers erfüllt die geschlossene Ablehnung der geplanten europäischen Superliga durch die deutschen Clubs nach eigener Aussage mit Stolz. «Sie ist ein Angriff auf die Clubwettbewerbe der Uefa, aber auch im Speziellen auf die nationalen Ligen», teilten Eberl und Schippers am Montag in einer gemeinsamen Erklärung mit. «Es ist zynisch und heuchlerisch zu behaupten, dies sei ein Schritt zum Wohle des Fussballs, der den Wünschen der Fussballfans entspreche, wie dies die Betreiber dieser Liga nun tun.»

Zwölf Topclubs aus England, Spanien und Italien hatten zuvor angekündigt, eine Superliga gründen zu wollen. «Wir werden dafür kämpfen, dass die beteiligten Clubs von allen Wettbewerben auf nationaler und internationaler Ebene ausgeschlossen werden», hiess es weiter im Statement Eberls und Schippers.

Viele Fans finden die Idee zwar schlecht, nehmens aber auch mit Humor, wie dieser Tweet zeigt: «Der einzige Grund, weshalb die Superliga Tottenham und Arsenal eingeladen hat, ist, dass jemand Letzter von zwei Gruppen werden muss und das ok findet.» Autsch, burn!

Die Gründung einer Superliga ist bei den skandinavischen Fussballverbänden auf Ablehnung gestossen. Der Chef der dänischen Fussballunion Jakob Jensen bezeichnete die Pläne als eine schlechte Idee, die man mit allen Mitteln bekämpfen werde. Heute könne jeder Verein davon träumen, Gold zu gewinnen und sich für die Champions League und die anderen europäischen Vereinsturniere zu qualifizieren, sagte Jensen am Montag laut einer Mitteilung. «Ein geschlossenes europäisches Turnier, zu dem Vereine eingeladen sind und für das sie sich nicht qualifizieren, ist eines der unsympathischsten Dinge, die man sich vorstellen kann», fügte sein Stellvertreter Thomas Christensen hinzu.

Karl-Erik Nilsson vom schwedischen Fussballverband bezeichnete es als «sehr bedrohlich», dass einige bereits reiche Vereine die Ressourcen des Fussballs für sich behalten wollten. «Das sind Ressourcen, die gemeinsam geschaffen und gemeinsam genutzt werden sollen, angefangen beim Jugendfussball und allem, was wir sonst so machen. Und nun versuchen einige, sich das unter den Nagel zu reissen», sagt er der Nachrichtenagentur TT.

Ähnliche Töne kommen aus Oslo. Norwegens Fussballpräsident Terje Svendsen sagte der norwegischen Agentur NTB, er sei sehr enttäuscht. «Was nun passiert, ist, dass die reichsten und grössten Clubs einen noch grösseren Anteil am Kuchen haben werden.»

«You’ll never walk alone» – so heisst das Credo der Liverpool-Fans. Und auch sie sträuben sich gegen die Superliga und tun ihren Unmut kund.

Eine Gruppe von Liverpool-Anhängern, die hauptsächlich für die Banner und Fahnen im Stadion verantwortlich sind, kündigten am Montag an, alle ihre Flaggen aus dem Stadion in der Anfield Road abzuziehen. «Wir haben das Gefühl, dass wir einen Club nicht länger unterstützen können, der finanzielle Gier über die Integrität des Spiels stellt», hiess es auf dem Twitter-Account des Fan-Clubs Spion Kop 1906, der nach der Tribüne der Liverpool-Anhänger benannt ist.

Ebenfalls auf dem Spion-Kop-Account waren Protestplakate zu sehen, die an den Zaun des Stadions in Liverpool angebracht worden waren. «Schande über euch» und «Ruhe in Frieden LFC (Liverpool FC) 1892 – 2021» war darauf unter anderem zu lesen.

Gary Neville, eine Legende von Manchester United, ist angewidert, dass sein ehemaliger Club, für den er seit 40 Jahren mitfiebert, in der Superliga mitmischen will.

Wie reagiert die Uefa auf die geplante neue Liga?
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