Zum letzten Mal bei Putin: «Doswidanja, Kanzlerin!» Warum die Russen Angela Merkel vermissen werden

Die deutsche Bundeskanzlerin konnte mit Russlands Präsidenten umgehen wie kaum jemand anderes in Europa.

Ein Blumenstrauss für Angela Merkel: Wladimir Putin begrüsst die Kanzlerin - wohl zum letzten Mal.

Ein Blumenstrauss für Angela Merkel: Wladimir Putin begrüsst die Kanzlerin – wohl zum letzten Mal.

Der Ton im Kreml ist distanziert-freundlich. Der «Willkommensgruss» im Vorfeld war es nicht. Da hatte Russlands Aussenministerium in feindseliger Rhetorik noch einmal nachgelegt, worin es die Schuld der Deutschen sieht: Berlin wolle Russland kleinhalten, deshalb inszeniere es solche künstlichen Aufreger wie den «Fall A. Nawalny», schrieb das Ministerium gehässig.

Das Statement untermauert das Verhalten Moskaus in den vergangenen Jahren: laut schreien und alles von sich weisen. Schuld ist in den Augen Moskaus immer der Westen. Dialogbereitschaft? Ja, aber nur nach Spielregeln des Kremls. Russland hält sich für eine Grossmacht mit globalen Interessen und will, mit allen Mitteln, dass alle anderen das auch so sehen.

Wie die Reaktionen dieser anderen auf die eigenen, teils schamlosen, gewaltsamen, selbst völkerrechtswidrigen Einsätze ausfallen, darauf legen die Russen fast schon demonstrativ kaum Wert und geben gern und schnell den Beleidigten. Es ist ein Kampf um Aufmerksamkeit, mit Instrumenten, die gerade Europa vor den Kopf stossen. Russlands Haltung «Wir wissen es besser, können es besser und machen es besser» hat den Umgang mit dem Staat immer schwieriger gemacht. Aus Ratlosigkeit resignieren viele.

Merkel schaut müde in die Runde

Angela Merkel hat nie resigniert. Auch bei ihrem letzten letzten Besuch weist sie immer wieder, beharrlich und freundlich, auf demokratische Werte hin. Sie fordert die Freilassung Alexej Nawalnys, während Putin den 45-Jährigen Oppositionspolitiker weiterhin nicht einmal beim Namen nennt. Stets hat die Kanzlerin die Meinung vertreten «Es ist besser, miteinander zu reden als übereinander» und danach gehandelt. Im Kreml zeigt sie aber deutlich, wie reserviert sie dem Treffen mit Putin begegnet. Während der russische Staatschef immer wieder lächelt, schaut sie müde und teils abgewandt in die Runde.

Die «Germanka», wie die Russen die Deutsche bezeichnen, spricht freilich auch «tiefgreifende Differenzen» an, wie sie sagt (Nawalny, Ukraine, Weissrussland). Sie weiss, dass diese festgehalten werden müssen, um in der Weltpolitik, gerade vor allem in Afghanistan, weiterzukommen. Russland, findet sich auf Schlüsselpositionen in mehreren Konflikten und gefällt sich in der Rolle des Vermittlers. Europa, in vielen Konflikten nur ein Zaungast, ist auf das Wohlwollen Russlands angewiesen. Merkel, für ihre kühl-pragmatische Art vom Kreml hochgeschätzt, hat gegenüber Putin stets ein gesundes Misstrauen gepflegt, trotz ihrer biografisch bedingten Verbundenheit mit Russland. Ihr Wegfall wird eine Lücke reissen – für Europa und Russland zugleich.

Wer Merkels Rolle einnehmen kann, ist ungewiss. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der immer mal wieder Moskau zu imponieren versuchte und sich Putin zuweilen geradezu anbiederte, hat in den Augen der Russen nicht das Format. Schmeichelei ist dem Kreml ohnehin zuwider. Und gleich wer Merkel im Kanzleramt folgen wird, er oder sie dürfte sich auf einen harten Test mit Putin einstellen. Putin wird diesen genüsslich auskosten.

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