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Diese Woche kursierten Gerüchte, dass im Impftram jeder boostern konnte, der dies wollte. Weil dies nicht der allgemeinen Impfstrategie entspricht, machte der Kanton jetzt offenbar kehrt und verbietet seinen Mitarbeitern fortan unbürokratische Flexibilität bei der Spritze.

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In dieser Woche häuften sich Meldungen, wonach sich im Impftram der Zürcher Gesundheitsdirektion impfen lassen konnte, wer dies wünschte – unabhängig vom Termin der Zweitimpfung.

In dieser Woche häuften sich Meldungen, wonach sich im Impftram der Zürcher Gesundheitsdirektion impfen lassen konnte, wer dies wünschte – unabhängig vom Termin der Zweitimpfung.

20min/Sonja Mulitze

Dies überraschte, denn eigentlich erhalten bislang nur diejenigen Personen einen Booster, bei denen die Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt.

Dies überraschte, denn eigentlich erhalten bislang nur diejenigen Personen einen Booster, bei denen die Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt.

20min/Marco Zangger

Die Behörden verwickeln sich bei der Beantwortung in Widersprüchlichkeiten. 

Die Behörden verwickeln sich bei der Beantwortung in Widersprüchlichkeiten.

20min/Marco Zangger

  • Diese Woche machten Gerüchte die Runde, dass man sich im Zürcher Impftram boostern lassen kann, auch wenn die Zweitimpfung noch keine sechs Monate zurückliegt.

  • Nachdem mehrere Personen offenbar davon profitiert haben, schritten die Verantwortlichen jedoch ein.

  • Am Donnerstag kommt es gleich zu mehreren Meldungen von Personen, die vom Boostern abgehalten wurden.

Diese Woche machten in Zürich Gerüchte die Runde, dass im städtischen Impftram sich einen Booster verabreichen lassen kann, wer will. Dies überraschte, denn eigentlich darf sich nur impfen lassen, wer von der Gesundheitsdirektion eine Nachricht erhalten hat, dass die Zweitimpfung mindestens sechs Monate zurückliegt. Momentan sind das noch immer mehrheitlich Personen über 65. 50 Prozent von ihnen haben gemäss der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich ihren Booster erhalten.

Vom Trick im Impftram profitierten offenbar jedoch gleich mehrere U-65er. Die Nachricht machte in den sozialen Medien die Runde. Dabei sollen auch die Verantwortlichen zur Verwirrung beigetragen haben. Die «NZZ» berichtete am Donnerstag von einem Unbekannten, der bei der Impfhotline angerufen und den Verantwortlichen erklärt hatte, dass er noch nicht berechtigt sei einen Booster zu erhalten, jedoch darüber verärgert sei, dass in dem Impfzentrum ein Formular für den Off-Label-Use des Vakzins aufliege – es also offenbar auch für jüngere Menschen möglich sei, sich die dritte Impfung abzuholen. In «kryptischen» Aussagen soll man dem Mann daraufhin erklärt haben, dass es zwar grundsätzlich nicht möglich sei für ihn einen Booster zu erhalten, er jedoch trotzdem vorbeigehen und es probieren solle.

«Eigentlich sind wir ja froh»

Auf Anfrage von 20 Minuten erklärte der Mediensprecher der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich am Donnerstagmorgen, dass der Entscheid darüber, wer den Booster erhalte, grundsätzlich bei der Eidgenössischen Impfkommission liege. Grundsätzlich seien Walk-Ins bei den Impfzentren auf Kantonsgebiet jedoch möglich. Von Seiten des Kantons habe man auch pragmatisch agiert, als man die Möglichkeit zum Boostern nicht an die grosse Glocke gehangen habe. Es wurden wohl grössere Menschenansammlungen befürchtet. Doch zum Schluss des Gesprächs merkte er an: «Eigentlich sind wir ja froh» und meinte damit die Booster-willigen, die sich eigentlich noch etwas gedulden müssten.

20 Minuten machte daraufhin den Test und ging beim städtischen Impftram in Zürich vorbei. Auf die Bitte eines Reporters einen Booster zu erhalten, wurde dieser jedoch sofort abgewiesen. Daraufhin macht er sich zu einem zweiten Versuch bei der Impfstation der Stadt Zürich beim Stadtspital Triemli auf. Auch dort erklärt er, dass es zwar noch keine sechs Monate gewesen seien, seit er die Zweitimpfung erhalten habe, er aber dennoch gerne einen Booster hätte. «Dürfen Sie schon?» «Nein, eigentlich nicht.» Trotzdem willigten die Verantwortlichen ein, und überreichten dem Reporter die Einwilligung für die Verabreichung der Impfung unter Off-Label-Umständen. Erst im Wartezimmer schritt die verantwortliche Ärztin des Impfzentrums ein und stoppte den Booster für den U-65-Jährigen.

Reagierte der Kanton Zürich erst nach Aufflackern des Falls auf Social Media?

Am Donnerstag dann zogen die Verantwortlichen der Spezialregelung den Stecker. Wie «Watson» berichtet, standen heute in Zürich bei der Station Burgwies, wo das Impftram halt machte, Anweisungen, wonach nur einen Booster erhalte, wer vor dem 10. Juni zwei Mal geimpft worden sei. Am frühen Donnerstagabend meldet zudem ein News-Scout 20 Minuten, dass ihm der Booster im Impftram verweigert wurde, weil noch keine sechs Monate nach der Zweitimpfung vergangen seien. Gemäss «Watson» haben die Verantwortlichen die Weisungen am Mittwochabend herausgegeben. Und: Sie dementieren, dass jemals die Möglichkeit zum Boostern für alle bestanden habe.

Der Schluss liegt jedoch nahe, dass die Verantwortlichen der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich sich nach den Spekulationen in der Bevölkerung zum Handeln gezwungen sahen.

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Zürich weist Booster-willige Unter-65-Jährige ab
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